Altmühltal Teil I: Vom Frankenweg zum Limes-Wanderweg

Der Limes-Turm bei Erkertshofen

Es ist wieder Vatertag. Zeit für den Papa in mir sich mal etwas aus dem Staub zu machen. Anstatt wild trinkend durch die fränkische Schweiz zu ziehen, geht es für mich heute zuerst mal die Ruhe suchend alleine direkt daheim in Thalmässing los in Richtung Anlautertal. Im Wald über umgestürzte Bäume und Wiesen voller weiß blühendem Bärlauch gilt es zuerst den Jura-Anstieg mit rund 150 Höhenmetern zu überwinden. Im Wald treffe ich die einzigen, die schon so früh unterwegs sind: Rehe.

Morgens um 6 ist die Welt noch in Ordnung
Morgens um 6 ist die Welt noch in Ordnung

Vom Frankenweg zum Limes-Wanderweg

Vorbei am Kletter-Dinosaurier des Thalmässinger Spasswanderwegs geht es über die Hochebene, Felder, Wiesen und Feldwege hinüber nach Reichersdorf und weiter in Richtung Titting. Hier beginnen die typischen Altmühltaler Bergrücken mit ihren vereinzelten Büschen und den von Schafen abgegrasten Wiesen. Vor mir huscht etwas rotes mit buschigem Schwanz davon. Der Fuchs ignoriert mich jedoch eher und verschwindet im nächsten Gebüsch. Allzu irritiert ist er anscheinend nicht, ich sehe ihn nur 200 Meter weiter wieder gemächlich aus dem Gebüsch traben.

Der Dinosaurier am Thalmässinger Spasswanderweg
Der Kletter-Dinosaurier am Thalmässinger Spasswanderweg

Dem Tallauf folgend erreiche ich nach rund zwei Stunden Titting, den Beginn des Naturparks Altmühltal. Hier fließt die Anlauter noch mäandernd durch das Tal und mitten durch den Ort mit seiner bekannten Brauerei. Vor der Kirche steht eine Ministrantin und erwartet den baldigen Beginn der Prozession. Außer ihr ist aber noch niemand zu sehen.

Zwischen Thalmässing und Titting
Zwischen Thalmässing und Titting
Brücke über die Anlauter
Brücke über die Anlauter

Ich mache mich derweil auf den Weg in Richtung Eichstätt. Statt dem Wanderweg folge ich kurzerhand dem Radweg Eichstätt-Titting den Berg hinauf in Richtung Erkertshofen. Wieder auf der Hochebene öffnet sich der Blick über die Wiesen, die immer wieder von weißen und teilweise kräftig überwucherten Schutthügeln durchbrochen werden, dem Abraum der Steinbrüche, die hier den Juramarmor aus dem Boden brechen. Es wird Zeit, daheim anzurufen. Schließlich will ich ja nicht den ganzen Tag alleine hier durch die Gegend rennen. Mein Etappenziel ist bereits in Sichtweite: Erkertshofen.

Wegweiser Limes-Wanderweg vor Erkertshofen
Wegweiser Limes-Wanderweg vor Erkertshofen

Das kleine Dorf liegt rund zehn Kilometer nördlich von Eichstätt und liegt direkt auf dem Limes. Also der Grenzline, die zu Zeiten Christi Geburt von den Römern zuerst als Pfad und später als Steinmauer die Grenze des römischen Reichs kennzeichnete.

Der Limes und der Limeswanderwerg

Der Limes zieht sich von der Donau kurz vor Kelheim bis zum Rhein. Der Befestigungswall ist dabei natürlich schon lange modernen Strassen und Bauten gewichen. Seine Linie zieht sich jedoch auch nach 2.000 Jahren sichtbar quer durch Bayern und Hessen und ist mittlerweile UNESCO Weltkulturerbe. Früher hieß der Limes auch Teufelsmauer. Wer die Mauer errichtet hatte, war weitgehend in Vergessenheit geraten und erst in der Neuzeit wieder durch Ausgrabungen entdeckt worden.

Infotafel Limes-Wanderweg
Infotafel Limes-Wanderweg

Der Lauf des Limes lässt sich mittlerweile zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Auto verfolgen: Der komplett ausgeschilderte Limes-Wanderweg zieht sich auf rund 675 Wanderkilometern in 30 Etappen entlang des Limes und seinen rekonstruierten Wachtürmen und Kastellen, freigelegten Thermen und Römischen Bädern und Amphitheatern.

Der Limes-Turm bei Erkertshofen
Der Limes-Turm bei Erkertshofen

Der Limes-Turm bei Erkertshofen

Für mich geht die Reise heute mit Familienanschluss weiter: Frau und Kinder haben auch ausgeschlafen und gefrühstückt und die 17 Kilometer nach Erkertshofen mit dem Auto hinter sich gebracht.

Wir erforschen mit den Kindern zuerst einmal den Limes-Turm. Eine detailgetreue Nachbildung eines römischen Wachturms am Limes. Eine hölzerne Stiege führt hinauf in den ersten Stock, wo sich auch früher der Eingang und der Wohnraum befand. Von hier geht es noch ein Stockwerk nach oben zur Aussichtskanzel. Von hier hat man auch eine schöne Aussicht auf Erkertshofen und die umliegenden Wiesen.

Der Limesturm bei Erkertshofen
Der Limesturm bei Erkertshofen

Zu Römerzeiten gab es hier eine Sichtverbindung zum nächsten Turm in beiden Richtungen entlang des Limes. Somit konnten im Falle eines Angriffs schnell Truppen aus dem nächsten Kastell benachrichtigt und angefordert werden.

Ausblick vom Limesturm Erkertshofen
Ausblick vom Limesturm Erkertshofen

Ein Stück Limesweg

Für uns geht es weiter in Richtung Kipfenberg. Zuerst ein Stück auf der Straße, dann weiter auf Feldwegen. Hier kreuzt auch der Limes-Radwanderweg und der Ritter und Römerweg nach Titting. Nach rund 500 Metern im Wald gibt es neben dem Weg die konservierten Überreste eines weiteren Turms. Der Turm wurde vor rund 80 Jahren freigelegt und anschließend mit Rasensoden wieder überdeckt, um die Mauern zu konservieren.

Nach einem weiteren Kilometer geht es an den Überresten des nächsten Turms bergab bis zur Straße, die gequert wird. Für uns ist hier heute allerdings Schluss und wir kehren mit den Kindern um. Also wieder den Berg hinauf, an den konservierten Überresten der Türme entlang und zurück zum geparkten Auto am Limes-Turm.

Wegweiser am Limes-Wanderweg
Wegweiser am Limes-Wanderweg

Zum Mittagessen kehren wir wenige Auto-Minuten später in Titting bei einem kalten Radler, Braten, Schnitzel und Pommes im Gasthof Baumann ein.

Wer die Tour komplett als Runde laufen möchte, folgt ab dem Limes-Turm oder alternativ ab dem Marktplatz in Titting der Beschilderung »Ritter und Römerweg«.

Der beschriebene Weg von Thalmässing nach Titting kann übrigens auch dazu genutzt werden, um den Frankenweg zu verlängern und mit dem Limesweg oder auch  dem Altmühltal-Panoramaweg zu verbinden. Dazu folgt man in Thalmässing dem »Ruppmannsburger Kirchenweg« in Richtung Ruppmannsburg und dann dem Spasswanderweg nach Reichersdorf. Nun über Biburg nach Titting und weiter nach Erkertshofen. Nun weiter auf der Ausschilderung Limesweg folgen…

Literatur

Mehr Infos zum »Limesweg« gibt es im Reiseführer »Limesweg« von Torsten Lensing aus dem Bergverlag Rother. Hier werden die 30 einzelnen Etappen einzeln in der üblichen Rother-Qualität mit Informationen zu Start- und Endpunkt, Wegführung, Transport und Unterkünften beschrieben. Sowohl die beschriebene Streckenführung als auch die enthaltenen Karten reichen bei der gebotenen Beschilderung vollkommen aus. So reicht das kleine, rote Büchlein locker als umfassender Ratgeber unterwegs – egal ob man nur eine Tagestour läuft oder den kompletten Limesweg;-)

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Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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