Auf dem Sentierone durch das Verzasca-Tal

Wegweiser

Das Verzasca-Tal liegt oberhalb des Lago Maggiore und vor allem bei James-Bond-Fans bekannt: Der Beginn des Tals wird durch einen 220 Meter hohen Staudamm und zugehörigen Stausee begrenzt. Im Film „GoldenEye“ stürzt sich James Bond von der Staumauer und landet dann in einem geheimen Speziallabor. Das ganze wird im Film in der Sowjetunion vorortet – Spezialeffekte machen’s möglich. Auch heute kann man sich gegen Bezahlung von mindestens 255 Schweizer Franken noch mit dem Bungee-Seil von der Staumauer stürzen.

Uns treibt aber eher der Gedanke an das vom wilden Wasser der Verzasca geprägte Tal und den wilden Flusslauf hinauf bis nach Sonogno, den mit rund 920 Metern höchstgelegenen Ort des Tales. Hier stellen wir am verregneten Donnerstag das Wohnmobil auf dem schön gelegenen Wohnmobilstellplatz ab, berappen die 20 Schweizer Franken (kleines Wortspiel) und machen uns zuerst mal auf den Weg hinüber zum Froda-Wasserfall.

Am Nachmittag zum Froda-Wasserfall

Die kleine Ortschaft besteht aus vielen aus dem lokalen Stein gebauten Rusticos, einem Tante-Emma-Laden mit Bäckerei. einigen kleinen Restaurants und einem kleinen Museum. Da das Tal weder Durchgangsverkehr noch eine wirtschaftliche Bedeutung oder abzubauende Rohstoffe hatte, war das Leben hier immer hart. Nur wenige Monate im Jahr war Ackerbau möglich. Und somit hat sich das Tal seine Besonderheit und seine schönen steingebauten Dörfer und Bauernhöfe bewahrt.

Schlendert man das Tal in Richtung Wasserfall entlang, quert man nach rund zwei Kilometern den Bachlauf über eine Brücke, den Wasserfall schon im Blick. Unsere Kinder sprinten die paar Höhenmeter in kurzen Serpentinen hinauf zur Holzbrücke, die sich direkt vor dem Wasserfall aufbaut. Der kleine See vor dem Wasserfall ist eiskalt, die Jungs müssen aber natürlich trotzdem probieren, wie kalt… aber der Temperatur-Unterschied zum gerade ebenfalls eiskalten Lago Maggiore ist wohl nur marginal.

Dem Weg nach link folgend, finden sich ein paar nette Sitzgelegenheiten oberhalb des Sees: Von hier hat man eine schöne Aussicht auf den Wasserfall und den See, aber auch das Tal hinunter nach Sonogno. Und auf die weidenden Ziegen, die hier sowohl den Weg belagern. Zurück geht es entweder wieder auf dem gleichen Weg oder links den Weg weiter wieder hinab nach Sonogno.

Wir nutzen lieber den Weg entlang des Bachs und springen mit den Kindern von Stein zu Stein im Bachbett hinunter bis zum schönen, neuen Spielplatz an der kleinen Brücke in Sonogno.

Die kurze Runde ist mit rund einer Stunde Gehzeit zzgl. Pause am Wasserfall auch mit kleinen Kindern machbar.

Mit dem Postbus das Tal hinab und zu Fuß wieder hinauf

Nach einer mit 6,5 Grad im Wohnmobil recht frischen Nacht (OK, die Berge ringsum strahlen auch unter rund einem halben Meter Neuschnee, dafür scheint heute aber die Sonne), pellen wir uns früh aus dem (Winter-)Schlafsack und nehmen den Postbus das Tal hinab (22 SFR für 2 Erwachsene und 2 Kinder, ist leider eine Zeitkarte, mit der man auch nach Locarno fahren könnte).

An den Wandertafeln lässt sich die Gehzeit zwischen den Einzelnen Haltestellen ablesen und man kann sich so einfach seine eigene Tour passend zum eigenen Geh- und Stehvermögen zusammenstellen. Mit den Kindern planen wir mit dreieinhalb Stunden Gehzeit zzgl. Pausen und nehmen den Bus bis zur Haltestelle Ganne. Hier spannt sich eine breite Brücke über das Tal, die wir zuerst überqueren und dann in den Weg das Flussbett entlang einbiegen.

Die nächsten Stunden geht es immer wieder etwas bergauf und bergab am Fluss entlang. Mal direkt am Ufer, mal auch etwas weiter weg durch kleine alte Dörfchen, an verfallenen Bauernhöfen, an Kapellen aus dem 16. Fahrhunder und an großen und kleinen Wasserfällen vorbei.

Zwischendrin bieten sich immer wieder Zugänge zum Fluss und Möglichkeiten zum Baden an. Der Fluss ist zwar noch recht frisch und bleibt das wohl auch das ganze Jahr über. Um die Mittagszeit nutzen wir aber gerne das kühle Nass und strecken die Füße rein, bauen kleine Dämme im fließenden Wasser und machen eine wohlverdiente Rast.

Zum Rasten bieten sich unterwegs auch zwei kleine Schutzhütten an. Wer Grillgut mitbringt, kann hier auch ein Feuerchen schüren und grillen.

Für die Kinder gibt es immer wieder was zu entdecken: Direkt am und im Bachlauf lässt sich von Stein zu Stein springen, die Tierwelt entdecken (die zumeist aus Eindechsen aller Art besteht), Wasserfälle bestaunen, Holz- und Hängebrücken überqueren, und und und…

Bis zum Spielpatz in Sonogno wechselt das Tal von stürmisch und wild am Anfang hin zum eher breiten Bachlauf des oberen Verzasca-Tal. Dafür gibt das Tal hier den Blick auf die umliegenden Berge frei, die sich nochmal rund 2.000 Meter über dem Talgrund erheben.

Das wäre aber mal ein Thema für sich: Über die „Via Alta della Verzasca“ kann man die Berge bis auf 2.500 Meter Höhe auf einer hochalpinen, anstrengenden Mehrtagesrunde erkunden (Schwierigkeitsgrad T6!). Vielleicht nächstes Jahr ohne Familie & Kinder…

Details?

Die Tour ist mit 9 Kilometer Wegstrecke, 350m Aufstieg und 115m Abstieg gut für die Familie mit Kindern geeignet. Durch den Postbus, der das ganze Tal regelmäßig befährt, lässt sich die Tour praktisch jederzeit abkürzen. Die Tour lässt sich auch verlängern, indem man bereits in Lavertezzo oder in Vogorno startet.

Wir komme ich hin?

Ins Verzasca-Tal kommt man aus dem deutschen Süden über den Bodensee und den San Bernadino-Tunnel oder über den Sankt Gotthard-Tunnel, Ausfahrt Bellinzona, dann der Beschriftung Locarno folgen und vor Locarno der Beschilderung „Verzasca-Tal“ folgen. Dann in Serpentinen an der Staumauer vorbei und dem Lauf des Tales bis nach Sonogno folgen.

Wer am Lago Maggiore Urlaub macht, kann das Tal auch als Tagestour besuchen. Hier empfiehlt es sich, früh dran zu sein. Vor Allem der untere Teil des Tales bis zur Brücke „Ponte dei Salti“ bei Lavertezzo ist bei Tagesausflüglern, Kajak-Fahrern und Sonnenanbetern sehr beliebt.

Weitere Infos?

Unterkünfte und Verpflegung in der Schweiz sind traditionell nicht gerade günstig, es bietet sich an, die Tour von der italienischen Hälfte des Lago Maggiore anzugehen und z.B. in Maccagno  zu übernachten. Hier gibt es zwei schöne Campingplätze, kostenlose Stellplätze für Wohnmobile (am kleinen Sportstadion, Übernachtung auf den Parkplätzen entlang der italienischen Küste des Sees wird geduldet – auf Schilder achten! In der Schweiz verboten!) und Pizza und Pasta zu italienischen Preisen.

Für einen Einkehrschwung nach der Tour können wir das Ristorante Alpino in Sonogno empfehlen. Freundliche Bedienung, schöne Sonnenterrasse, große Eisbecher, typisch schweizer Preise (Eiskugel 3,60SFR, Eisbecher ab 10,50SFR),… Aber wer ein solch schönes Tal befährt und erwandert, sollte vielleicht doch etwas mehr als seinen Müll da lassen… und die Kinder freuen sich nach einer langen Wanderung auch über ein leckeres Eis ;-)

Stellplätze für Wohnmobile gibt es in Brione und Sonogno. Die Übernachtung kostet inkl. Parkticket für den nächsten Tag 20 Schweizer Franken, die per Karte an einem recht zickigen Automaten bezahlt werden müssen. In Sonogno sind sehr saubere öffentliche Toiletten am Übernachtungsplatz. In Brione gibt es hierfür nur ein Dixi Klo.

Literatur?

Der Reiseführer Tessin: Zwischen Gotthard und Luganer See. 50 Touren aus dem Bergverlag Rother hat neben den Touren im Verzasca-Tal noch viele weitere Wanderungen zwischen Lago Maggiore und Luganer See im Angebot.

 

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

2 Kommentare

  1. In der Schweiz möchte ich auch mal wandern gehen. Jetzt gehts aber erstmal mit dem Auto durch bis nach Italien und im Winter eventuell Skifahren :-)

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