DAV Wanderleiter-Ausbildung

Die Wanderleiter-Ausbildung ist für den Alpenverein der Einstieg in die Ausbildung der Ausbilder. Das heißt aber nicht, dass die Ausbildung einfach oder wenig anspruchsvoll wäre. Auch für die Wanderleiter-Ausbildung bewegt man sich in Fels, auf Schnee- und Firnfeldern und darf sich neben der eigenen Eignung auch mit der Gruppendynamik auseinandersetzen.

Am Sonntag fahren wir für das Wetter etwas zu früh los und sind Mittag schon in Tschagguns. Statt mit der Golmerbahn auf- und dann eine Stunde zur Hütte abzusteigen, nutzen wir den direkten Weg hinauf. Nach zwei Stunden im Nieselregen erwartet uns auf der Hütte schon mal ein leckeres Germknödel und was Heißes zu trinken.

Gegen Abend trudeln dann immer mehr von unserer illustren Truppe ein: Im Alter von 20 bis 63 und auch von der Herkunft (aus dem Dreieck Berchtesgaden – Lindau – Köln) gut gemischt, lernen wir uns alle recht schnell kennen. Am Abend nach dem leckeren Abendessen gibt es dann noch eine kurze Erwartungsrunde.

Eines von vielen Firnfeldern oberhalb der Lindauer Hütte
Eines von vielen Firnfeldern oberhalb der Lindauer Hütte

1. Tag

Etwas Theorie und eine Eingehtour zum Drusator

Der erste richtige Kurstag beginnt mit einer kurzen Einführung in die Ausbildung und dann schon einer ersten Eingehtour hinauf zum Drusator – in zwei Gruppen je sieben Kursteilnehmern.

Zum Start übernimmt Florian, unser Ausbilder die Führung und zeigt uns, wo der Hammer hängt ;-) Zuerst zügigen Schrittes bergauf, dann querfeldein und dann Bremsübungen auf einem Schneefeld. Einfaches Ausrutschen, vorwärts, bäuchlings, rückwärts und hinterrücks wurde das Bremsen im Firn geübt, bevor es das nächste Firnfeld steil hinauf in Richtung Drusator geht.

Ab rund 2.200 Metern liegt dann durchgehend Schnee und wir steigen im Gänsemarsch in Serpentinen auf. Dafür geht es bergab etwas schneller: Bei den zaghaften ersten Abfahrtsversuchen tut sich die Gruppe noch etwas schwer und die meisten sind verunsichert, wie sicher das Abfahren im Schnee mit den Bergstiefeln denn ist. Die meisten steigen zügigen Schrittes ab, die jüngere Fraktion versucht sich am Abfahren.

Bevor wir ins Fels- und Schutt-Gelände wechseln, hält noch der erste Kursteilnehmer einen kurzen, zuhause vorbereiteten Vortrag über das Rudel Gämsen, das sich vor uns seinen Weg bahnt. Auch das gehört zur Ausbildung ;-)

Dann geht es ziemlich querfeldein in Richtung Hütte zurück, wo uns das leckere Abendessen erwartet. Danach bereiten wir die Tour des zweiten Tages vor und bekommen noch etwas Kartenkunde vermittelt.

Ausblick vom Sulzfluh
Ausblick vom Sulzfluh

2. Tag

Konditions-Test und erste Führungstour: Auf die Sulzfluh

Der zweite Tag beginnt mit Frühstück um 6 Uhr und um 8 Uhr geht es los in Richtung Sulzfluh. 1.400 Höhenmeter und ca. 8 Stunden reine Gehzeit stehen auf dem Programm.

Heute muss jeder aus der Gruppe zeigen, was er beim Führen drauf hat. Den Aufstieg zum Drusator kennen wir ja schon von gestern, danach geht es über Carschina-Hütte und den Gemschtobel hinauf auf die Sulzfluh. Der Untergrund wechselt dabei von Wanderweg zu Schneefeldern zu seilversichertem Steig zu Schneefeld. Unterwegs wechseln wir uns beim Führen ab und erhalten nach den Führungssequenzen immer wieder kurz und direkt Feedback von unserem Ausbilder Ludwig. Nach 1.400 Höhenmetern und rund 300 Höhenmetern durch den Schnee (Dank an Michael für’s schöne Spuren ;-) erreichen wir den Gipfel. Die andere Gruppe, die unsere Tour in entgegengesetzter Richtung angegangen ist, beendet gerade Ihre Pause und wechselt sich mit uns am Gipfel ab.

Wir suchen uns ein ruhiges Plätzchen etwas abseits und bereiten unsere gemeinsame Gipfel-Brotzeit vor: Vom Hüttenwirt haben wir uns Brot, Schinken, Würste, Käse, Obst und Gemüse mitgenommen und schnippeln am Gipfel fröhlich drauf zu. Schön drapiert auf einem mitgebrachtem Holzbrett (Wiederum Dank an Michael für’s Schleppen ;-) und dem umliegenden Fels entsteht ein kleines Kunstwerk. Knapp 15 Minuten später haben wir dem leckeren Kunstwerk aber auch schon den Garaus gemacht und das meiste verputzt. Den Rest packen wir für den nächsten Tag ein und machen uns auf den Rückweg.

Der Rückweg durch „den Rachen“ verkürzen wir stark, indem wir nicht den regulären Weg durch den Fels nehmen, sondern den direkten Weg im Firn und Schnee abfahren. Die etwas Ängstlicheren fahren zu zweit, Arm in Arm ab. Das löst die Angst und macht auch richtig Spass. So haben wir in einer halben Stunde schon 600 Höhenmeter verloren und stehen am Ende des Rachen „Auf den Bänken“. Von hier geht es dann durch Latschen etwas beschwerlicher die restlichen 500 Höhenmeter steil hinab. Dann noch kurz in einer halben Stunde wieder die restlichen 60 Höhenmeter hinauf zur Lindauer Hütte.

Aber auch nach der langen Tour und dem feinen Abendessen geben unsere Ausbilder keine Ruhe, die Tour des nächsten Tages zum Sporaturm will natürlich noch auf der Karte geplant werden.

Der Sporaturm im Blick
Der Sporaturm im Blick

3. Tag

Zweite Führungstour: Zum Sporaturm

Auch am dritten Tag wird die Tour wieder von den Teilnehmern nacheinander geführt. Nach dem Start in Richtung Drusatour geht es auf ca. 3/4 des Weges ins weglose Gelände. Ganz ohne Anhaltspunkte geht es trotzdem nicht weiter, einige Stoamandl (Steinmännchen) weisen uns den Weg. Einfach ist es für uns dennoch nicht: Wir müssen ja den Weg suchen, die geeignete Spur durch Firn und Geröll suchen, dabei nicht vergessen die Mannschaft hinter uns zusammenzuhalten, auf Gefahren hinweisen und und und… Letztendlich überwinden wir auch noch die Steilstufe auf der der Drusaturm steht und suchen uns im Sattel zwischen Sporaturm und den Drei Türmen einen Platz für die Brotzeit.

Nach der wohlverdienten Pause geht es teils abfahrend, teils auf dem Rucksack als Schlitten hinab. Zur Abwechslung gibt es nach der Abfahrt dann eine kleine Einheit „Klettern“ auf einem geeigneten Felsriegel. Danach kommen wir nach der Überwindung eines kurzen Steilstücks in Schrofengelände wieder auf befestigte Wegen und machen uns auf den kurzen Rückweg über die Obere Sporaalm zur Lindauer Hütte. Hier gibt’s erst mal eine Touren-Nachbesprechung und dann Abendessen. Bevor uns langweilig wird, gibt es danach gleich noch eine Portion Theorie. Die will ja auch abgedeckt werden, denn am Samstag steht die 90-minütige Theorie-Prüfung auf dem Programm.

Gerade hat’s doch noch geregnet…
Gerade hat’s doch noch geregnet…

4. Tag

Theorie und etwas Bouldern

Am Donnerstag geht es etwas gemütlicher zu: Draussen wechseln sich Nebel und Regen im Stundentakt ab und so versammeln wir uns im Schulungsraum der Hütte, verkriechen uns in Karten- und Wetterkunde, lernen den Umgang mit Karte und Kompass, Peilen, Schneiden, lernen die üblichen Wetterlagen in Europa und deren Hintergründe. Dazu dann noch die wichtigsten Grundlagen zur Ersten Hilfe in den Bergen (dazu gibt’s demnächst auch hier mal einen separaten Artikel).

Dazwischen zieht’s uns dann doch mal zwei Stunden nach draussen und wir gehen an den Felsblöcken oberhalb der Sporaalm etwas bouldern. Für die Nicht-Kletterer gibt es derweil eine Trittschulung und dann etwas Kletter-Praxis an den kleineren Boulder. Ein spaßiges Intermezzo zwischen den Theorie-Teilen.

Nach dem Abendessen wird noch die Tour des fünften Tages geplant. Wir entscheiden uns für die Drusenfluh-Umrundung, während die zweite Gruppe über die Tilisuna-Hütte auf’s Schwarzhorn steigen will.

Das Schweizer Tor
Das Schweizer Tor

5. Tag

Dritte Führungstour: Rund um die Drusenfluh

Der Freitag startet wieder mit Frühstück um 6 Uhr und Tourstart um 7 Uhr: Heute steht die Umrundung des Drusenfluhs auf dem Programm und dabei einige Exkurse ins freie Gelände.

Wir beginnen wieder mit dem Aufstieg zum Drusator (das kennen wir ja jetzt schon), dann weiter zum Schweizertor und über den Öfapass zurück zur Lindauer Hütte. Nach dem Drusator steigen wir knapp 100 Höhenmeter ab und folgen einer dünnen Spur in die Schuttreissen unterhalb der steilen Felsen der drei Türme und des Drusenfluhs. Von hier queren wir mehr oder weniger die Höhe haltend bis auf einen Sattel. Wie immer die Führung alternierend. Auf dem Sattel entledigen wir uns unserer Rucksäcke und steigen über ein Firnfeld und Schrofen bis unter die Wand. Dann geht es fast tänzelnd auf der Schuttreisse abfahrend wieder hinab. „Nach der Anstrengung“ suchen wir uns einen gemütlichen Platz und bereiten wieder ein gemeinsames Mittagsmahl.

Nach der Mittagspause gibt es eine kleine Gruppenzusammenführung: Wir bauen zusammen einen fast zwei Meter hohem Steinmann, bevor es auf dem Wanderweg in Richtung Schweizertor geht. Hier gibt es nochmal eine schöne Einlage: Barfuß queren wir das Feuchtgebiet auf der Alm und machen ein kurzes Wettrennen über ein Schneefeld. Der Unterschied zwischen eiskaltem Schnee und dem warmen Wasser in der Feuchtwiese ist enorm und das Waten in der Wiese ein echtes Erlebnis.

Über Schnee und Firn geht es hinauf den Öfapass und anschließend wieder abfahrend zurück in Richtung Lindauer Hütte. Zum Tagesabschluss gibt’s noch Hinweise, welche Themen in der Prüfung behandelt werden. Es sind ja noch ein paar Stunden bis zur Prüfung ;-)

Praktische Rettungsübung: Bau einer Nottrage mit dem Biwaksack
Praktische Rettungsübung: Bau einer Nottrage mit dem Biwaksack

6. Tag

Theorie-Prüfung und „Alpine Rettung“

Der Samstag steht im Zeichen der Theorie-Prüfung: Nach dem Frühstück ist noch etwas Zeit zum Nachlesen und Wiederholen, dann geht es in die Prüfung: 90 Minuten Fragen zu Karten- und Wetterkunde, Tourenplanung, Erste Hilfe und Alpine Gefahren. Je vier bis 5 Fragen aus einem vorgegebenen Fragenkatalog, die allesamt in der Woche behandelt wurden. Wer in der Schulungswoche anwesend war und mitgedacht hat, sollte die Fragen auch beantworten können.

Nach der Prüfung geht es noch eine Runde nach draussen: Im umliegenden Gelände führen wir noch eine Erste Hilfe-Übung durch und testen dann verschiedene Möglichkeiten der Alpinen Rettung. Wir transportieren eine „Verletzte“ per Rucksacktrage und auch in einem aus dem (Leicht-)Biwaksack gebauten Trage. Der Biwaksack kommt zwar nicht ganz heil nach unten, die „verletzte“ Kursteilnehmerin aber durchaus.

Vor dem Abendessen wird dann jedem Teilnehmer einzeln im Gespräch mitgeteilt, ob er die Prüfung bestehend aus den drei Teilen Theorie, Praxis und persönliche Eignung bestanden hat. Bei uns besteht der komplette Kurs, es gibt aber wohl auch Kurse bei denen drei oder vier Teilnehmer durchfallen.

Danach gibt es noch ein gemeinsames Abendessen, noch eine Feedbackrunde, viel Gelächter und dann natürlich das Fußballspiel.

Am Sonntag ist dann große Verabschiedung angesagt und während unsere Bergführer es leider eilig haben, laufen die Kursteilnehmer noch gemeinsam hinunter zum Parkplatz. Mit doch etwas Wehmut fahren wir nach Hause und lassen auf der Fahrt eine wundervolle, mit Erfahrungen gespickte Woche in einem genialen Wandergebiet hinter uns.

Abschied von der Lindauer Hütte
Abschied von der Lindauer Hütte

Was darf ein DAV-Wanderleiter?

Ein Wanderleiter darf im Alpenverein Sektionstouren planen und führen – allerdings nur für Touren, bei denen keine Seilsicherung benötigt wird und auch nicht für Klettersteige! Für das Bergsteigen gibt es eine separate Ausbildung zum „Trainer C Bergsteigen“.

Für das Führen von Touren außerhalb des Alpenvereins eignet sich die Ausbildung nicht, hierfür bietet der „Verband deutscher Berg- und Skiführer“ mittlerweile eine eigene Ausbildung zum „Bergwanderführer“ (http://vdbs.de/ausbildung/bergwanderfuehrer/). Diese Ausbildung dauert allerdings 42 Tage zzgl. 20 Tage Praktikum bei einer Bergschule ;-)

Selber Wanderleiter werden?

Wer sich für die Ausbildung als Wanderleiter interessiert, muss zuerst Rücksprache mit seiner Sektion halten. Eine Anmeldung zum Kurs ist nur über diese möglich. Hat die Sektion Ihr OK gegeben, erfolgt die Anmeldung über ein Online-Buchungssystem. Hier wählt man den gewünschten Zeitpunkt der Ausbildung, meldet sich an und gibt anschließend die Unterlagen zur Einreichung an die zuständige Sektion.

Klingt kompliziert, ist aber einfacher als es klingt ;-)

Ausrüstung

Für die Ausbildung werden eigentlich nur Dinge benötigt, die man eh im Rucksack oder auf Tour dabei hat (Rucksack, Wanderklamotten, Trekkingstöcke, Karte des Gebietes, DAV Planzeiger). Ein fester Bergschuh ist aber defintiv vonnöten. Den Ausbildungsordner zur Vorbereitung bekommt man im DAV-Shop oder auch bei seiner Sektion. Biwaksack, Höhenmesser und Kompass kann man nach Absprache auch in der Gruppe verteilt mitbringen. Den DAV Ausbildungsordner haben wir nur im Fernstudium und dann in der Ausbildungswoche auf der Lindauer Hütte eigentlich nicht gebraucht. Auch hier sollte es reichen, wenn jeder zweite einen mitbringt ;-)

Die Anforderungen?

Wer sich für die Ausbildung zum Wanderleiter interessiert, sollte schon seit mehreren Jahren Erfahrung bei längeren Bergtouren (Gehzeit 8 Stunden, ca. 1.200 Höhenmeter) in seinem Tourenbuch stehen haben. Idealerweise habt ihr dabei schon Firnfeldern, Schrofen und felsiges Gelände außerhalb der befestigten Wege oder leichten Kletterstellen im I. Grad begangen. Beispielstouren wären z.B. Gehrenspitze (Wetterstein), die Zugspitze übers Reintal, Watzmann oder Hochkalter.

Lust auf oder vielleicht schon erste Erfahrung im Führen von Alpenvereinsgruppen sollte man ebenfalls mitbringen, denn die Ausbildung kostet sowohl für den Teilnehmer als auch die anmeldende Sektion.

Ach ja:
Ab dem Jahr 2017 wird der „Wanderleiter“ zum „Trainer C Bergwandern“ und die Ausbildung zweiwöchig (eine Woche Ausbildung im Frühjahr (Lindauer Hütte im Rätikon) und eine Woche im Herbst im Kaisergebirge). Dann wird auch eine 3-jährige Fortbildungspflicht eingeführt. Wer bisher schon seinen Wanderleiter-Schein hat, kann durch den Besuch des zweiten Kurses und das erneute Ablegen der Prüfung auf den „Trainer C“ upgraden – oder seinen Wanderleiter einfach weiter nutzen wie bisher. Als neues Thema kommt dann der Einsatz des Pickels mit in die Ausbildung.

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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