Ein Abstecher in die Pyrenäen

Zwischen Atlantik und Mittelmeer liegen in Frankreich wenn man weit genug nach Süden fährt die Pyrenäen. Im Sommer waren wir am Atlantik schwimmen, baden und surfen. Auf dem Heimweg von fast an der spanischen Grenze wollten wir nicht unbedingt direkt wieder in Richtung Heimat, sondern haben uns für ein paar Tage in die Pyrenäen verfahren. Leider blieb nur Zeit für ein paar Sehenswürdigkeiten und kürzere Touren mit den Kindern, die machen aber durchaus Lust auf mehr im nächsten Jahr.

Lac de Gaube / Pont d’Espagne

Unser erstes Ziel war die „Pont d’Espagne“ und der Bergsee „Lac de Gaube“ oberhalb.

Zuerst muss man sich allerdings vom Wintersportort Cauterets eine Bergstrasse mit einigen Serpentinen hochkämpfen, bevor man den großen kostenpflichtigen Parkplatz erreicht. Von hier aus geht auch eine Seilbahn hinauf zum „Belvédère“, von wo man in 15 Minuten den Lac de Gaube erreicht.

Wir wählen aber den steilen Weg und gehen in Richtung Lac de Gaube, einem Gletschersee mit wundbarem Blick bis zum mit 3.298 Metern höchsten Gipfel der Pyrenäen, den Vignemale. Der Weg geht zuerst in Stufen, dann über Felsen und letztendlich über einen schönen Wanderweg hinauf zum „Hotel“ auf 1.725 Metern. Nach einem Getränk im Hotel wählen wir den Weg am Westufer entlang bis zum Ende des Sees. Hier machen wir Brotzeit und ein Nickerchen während die Kinder am Bach und im (eiskalten) See spielen.

Danach geht es am See entlang zurück und wieder hinab in Richtung Parkplatz. Zurück auf dem befestigten Weg gehen wir allerdings noch 10 Minuten links hinauf zur „Pont d’Espagne“. Einer alten Brücke mit einem weiteren „Hotel“. Hinter Brücke und Hotel versteckt sich die eigentliche Sehenswürdigkeit: Die Wasserfälle, die hier über Terrassen den Berg hinunter fließen. Hier vereinigen sich zwei Flüsse und stürzen dann gemeinsam in Richtung Tal.

Geht man nicht den breiten Fahrweg, sondern den schmalen Pfad links der Brücke hinab, kommt man nochmal an zwei schönen Aussichtspunkten vorbei. Von hier ist man in 10-15 Minuten wieder zurück am Parkplatz.

Angeschrieben ist die Tour mit 400 Höhenmeter und 1h einfach, mit kleinen Kindern eher 1,5-2h einfach.

Vom Lac de Gaube gibt es die Möglichkeit den Vignemale zu besteigen. Hierfür ist aber alpine Erfahrung und entsprechende Ausrüstung (Grödeln, Steigeisen, Pickel, Seil) notwendig.

Der Cirque de Gavarnie

Pyrenäen: Der Cirque de Gavarnie

In den Pyrenäen gibt es mehrere eindrucksvolle eiszeitlich geformte Gebirgskessel. Der wohl bekannteste ist der Cirque de Gavarnie.

Vom Ort Gavarnie, in dem man gegen Gebühr parkt und sich dann ähnlich wie am Königssee zuerst einmal durch die Touristenshops kämpfen darf, geht es rund 7 Kilometer und 400 Höhenmeter zum „Hotel de la Cirque“. Hotel ist hier wörtlich zu verstehen. Eine Berghütte wie in den Alpen ist das Hotel nicht.

Hier hat man schon einen wundervollen Ausblick auf den kompletten Kessel. Deshalb trennt sich an dieser Stelle auch die Spreu vom Weizen. Nur noch wenige Wanderer gehen den Weg weiter hinauf bis zum Wasserfall. Mit 420 Metern Fallhöhe übrigens dem höchsten Wasserfall Frankreichs. Wir sprinten derweil hinter den Kindern den zuerst schmalen Wiesenpfad und dann später steil im Schotter bergauf hinauf zum Wasserfall. Dieser liegt im Schatten und der Wind weht und das Wasser in Böen entgegen. Es bleibt nur Zeit für ein kurzes Foto, bevor es uns zu kalt wird und wir auf dem rutschigen Boden den Rückzug antreten. Wir oben machen sich dann gute Schuhe mit Grippe bezahlt, bis zum Hotel hätten auch Turnschuhe gereicht.

Wir steigen steil hinab, setzen Fuß vor Fuß und rutschen doch zumeist hinab. Der Kies rieselt recht schnell und nimmt uns mit hinab. Abfahren geht aber auch wieder nicht, zu viele größere Steine. Links am Rand näher am Bachbett ist es nicht so steil und geht’s besser.

Zurück in der Sonne suchen wir uns einen Platz in der Sonne und machen die wohlverdiente Brotzeit. Die Kinder spielen derweil im Bachbett, springen von Stein zu Stein, bauen kleine Staudämme. Zeit für eine kurze Siesta für die Erwachsenen.

Dann geht es zurück zum Hotel und auf dem breiten Schotterweg hinab nach Gavarnie. Immer wieder kommen uns geführte Pferdetouren entgegen und wir treffen wieder die Japaner vom Vortag, die sich freuen uns und vor allem unsere kleinen Wanderer wiederzusehen.

Später können wir dann noch einem richtigen Hardcore-Wanderer aus England helfen, der -des französischen nicht mächtig- verzweifelt durch den Ort irrt. Auf der Suche nach Blasenpflastern. Wir haben zwar diesmal keine großen Touren vor, aber durchaus Blasenpflaster im Rucksack. Den Engländer freut’s – ist er doch dabei die höchsten Gipfel der elf Pyrenäen-Gebirgszüge zu besteigen.

Fernwanderwege in den Pyrenäen

Die Pyrenäen sind mit 2 Fernwanderwegen und vielen kürzeren Wanderwegen umfangreich erschlossen. dem GR10 im Norden auf der französischen und dem GR11 im Süden auf der spanischen Seite. Der GR10 läuft über 866 Kilometer und 48.000 Höhenmeter, der GR11 über 820 Kilometer und 46.000 Höhenmeter. Dazwischen läuft auf dem Hauptalpenkamm die nicht durchgehend markierte und als hochalpine Unternehmung die Haute randonnée pyrénéenne.

Infos zu GR10 und GR11 findet Ihr bei www.mitrucksack.de. Weitere Tourenvorschläge zum Thema Pyrenäen gibt’s auf luftschubser.de. Bei mountains4u findet Ihr einen Bericht über ein einwöchige Wanderreise durch den Spanischen Teil der Pyrenäen. Einen interessanten Bericht mit genialen Bildern zur Beschreitung der Haute randonée pyreenne findet ihr bei Kotur Eclectiva (Englisch!).

Anreise

Die Pyrenäen ziehen sich am südlichen Ende Frankreichs und im Norden Spaniens über 400 Kilometer quer vom Mittelmeer zum Atlantik. Mit dem Auto über Mühlhausen, Lyon, Montpellier nach Perpignan oder Toulouse, Dann weiter in die gewünschte Region. Um in den französischen Nationalpark der Pyrenäen zu gelangen über Toulouse nach Lourdes und dann südlich in die Berge.

Mit dem Flugzeug wählt man auch einen der angrenzenden internationalen Flughäfen Toulouse, Lourdes (Frankreich) oder Pamplona, Barcelona (Spanien).

In der Saison Bus- und Zugverbindungen in die jeweiligen Regionen.

Unterkünfte & Verpflegung

Die Pyrenäen sind touristisch gut erschlossen und bieten vom 4-Sterne-Hotel bis zum Camping- und Wohnmobil-Übernachtungsplatz alle Komfort- und Preisklassen. Restaurants und Supermärkte gibt es praktisch in allen größeren Orten.

Für Wohnmobilisten gibt es in den Orten jeweils ausgewiesene Wohnmobilstellplätze, dazu noch Campingplätze en masse. Beste Reisezeit ist Ende August/Anfang September. Dann ist es tagsüber uns nachts noch nicht so kalt, aber die großen Touristenmassen haben sich schon verzogen. Zumeist trifft man dann Franzosen und Spanier, nur wenig Deutsche.

Literatur

Pyrenäen 2: Französische Zentralpyrenäen. Arrens bis Seix. 50 Touren (Rother Wanderführer)

Reise Know-How Pyrenäen: Reiseführer für individuelles Entdecken

Spanien: Pyrenäenweg GR 11 (Der Weg ist das Ziel)

 

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)