Schneller unterwegs – mit leichterem Equipment

Wer sich viel draussen aufhält und seine »Sieben Sachen« selbst auf dem Buckel schultern muss, hat sich früher einen festen, schweren Schuh und einen stabilen Rucksack mit starrem Tragesystem gekauft. Moderne Materialien und intelligente technische Lösungen haben in den letzten paar Jahren die Vorgehensweise in Frage gestellt. Der Trend geht -zu Recht- hin zu immer leichterer Ausrüstung.

Die Gewichts-Spirale abwärts

Leichtere Ausrüstung heißt weniger im Rucksack und weniger am Körper (und an den Füßen). Wenn der Rucksack weniger tragen muss, reicht auch ein weniger stabiles Tragesystem und auch weniger festes Schuhwerk. Das Wandern wird somit immer leichter, Aufstiege sind leichter zu bewältigen, längere Strecken pro Tag machbar. Und am nächsten Tag geht es ohne große Schmerzen weiter …

Wer sich neu ausstattet, kann natürlich gleich leichte Kleidung aus den aktuellen Kollektionen der Outdoor-Hersteller kaufen. Wer bereits ausgerüstet ist, kann damit anfangen, unwichtige Utensilien aus dem Rucksack daheim zu lassen und nach und nach Schweres gegen Leichtes zu tauschen. Hierfür muss nicht der Stiel der Zahnbürste auf 3cm gekürzt werden, sondern vielleicht einfach mal die schwere 3-Lagen-Jacke gegen eine leichtere Shell-Jacke getauscht werden. Oder der alte Schlafsack und die alte Isomatte gegen neuere, leichtere Modelle entsprechend dem benötigten Einsatzbereich.

Wer Rucksack, Schlafsack und Iosmatte gegen moderne, leichte Modelle ersetzt, kann hier richtig Pfunde Kilos sparen. Und ein leichterer Schuh wirkt nach einer Studie sogar 10-fach. Jede 100 Gramm weniger am Fuß wirken wie ein gespartes Kilo im Rucksack.

Die nächste Frage wäre dann noch eine ketzerische: 3 Kilo Spiegelreflex oder doch lieber das 100g iPhone als Kamera?

Woher kommt die Gewichtsersparnis?

Gewichtsersparnis kommt bei den modernen Produkten aus mehreren Richtungen:

  1. Moderne Materialien bieten gleichen Schutz bei geringerem Gewicht:
    z.B.  moderne Membranen zum Einsatz, die direkt mit dem Obermaterialien laminiert sind und bei denen „einfach gesagt“ Schichten, die bisher notwendig waren, weggelassen werden.
    Zudem sorgen wasserabweisende Beschichtungen (Stichwort „DWR“) mittlerweile auch bei leichten Softshells dafür, dass diese einen leichten Schauer überstehen.
    Auch isolieren moderne Fasern weitaus besser als die bisher verwendeten Materialien.
  2. Moderne Schnitte sorgen für weniger Material bei gleichem Schutz
    Moderne, eng am Körper anliegende Funktionskleidung verwendet sehr viel weniger Material als ein 90er Jahre „Parka“-Schnitt und spart somit an Gewicht.
  3. Durch das Weglassen von Elementen:
    z.B. weniger Taschen, leichtere Reißverschlüsse, leichtere Greifer an den Reißverschlüssen,…

Intelligente Kombination

Gewicht sparen lässt sich auch durch intelligente Kombination von Kleidungsstücken.

Das berühmt-berüchtigte Zwiebelprinzip spielt hier die entscheidende Rolle. Kombiniert man eine (Merino-)Funktionsunterwäsche mit Softshell-Hose und Jacke und einer Regenjacke- und Regenhose ist man für die Monate Mai bis September schon ganz gut gerüstet. Ergänzt man das System noch um eine Daunen- oder Primaloft-Weste oder -Jacke, wird das ganze schon fast wintertauglich.

Je nach Wettervorhersage, Tour und Ziel kann man dann natürlich entsprechend kombinieren und Sachen einpacken oder weglassen. Mehr als eine Softshell- und eine Regenjacke braucht’s aber definitiv nicht auf Tour.

Auch bei den Schlafsäcken geht der Trend zur Reduktion und Kombination: therm-a-rest reduziert z.B. den Boden einger seiner Schlafsäcke und geht davon aus, dass die Isolation hier von der Isomatte übernommen wird (diese wird dafür aber vorsichtshalber rutschfest mit dem Schlafsack verbunden).   Von Haglöfs gibt’s derweil den Haglöfs LIM Down +1 Daunenschlafsack, der mit 473 Gramm ultraleicht ist, dafür aber z.B. keinen Reißverschluß zum Öffnen des Schlafsacks hat, dafür eine Öffnung an den Füssen, die sich leicht öffnen lässt (damit man notfalls auch mal im Schlafsack laufen kann).

Die Grenzen der Leichtigkeit

Leichte Materialien und Gewichtsersparnis haben natürlich nicht nur Vorteile: Die Bekleidungs-Teile sind teils nicht sonderlich robust (dünnes Obermaterial vs. Reibung des schweren Rucksacks oder hakelige Reißverschlüsse) und sind wirklich für kürzere, schnelle Touren ausgelegt. Eine mehrtägige Wanderung in Norwegen mit Nahrungsmitteln für die ganze Tour hat da andere Anforderungen als eine schnelle 3-Stunden-Tour auf einen Münchener Hausberg mit Hütte, darüber muss man sich im Klaren sein. Dennoch ist auch hier die Kombination leichterer Elemente mit robusteren Ausrüstungsteilen definitiv sinnvoll, z.B. kann die wärmende Schicht unter der robusten 3-Lagen-Jacke auch auch ein leichteres Modell sein.

Bei den Rucksäcken geht die Einsparung meist zu Lasten des Tragesystems, also eher nichts für Leute mit Rückenproblemen.

Vor Allem beim Schuhwerk muss man sich im Klaren sein, was man welchem Schuh zumuten will: In Fels und Geröll oder am Klettersteig steht und geht man sich mit einem festen Zustiegsschuh oder einem Bergschuh sicherer als mit einem leichten Trailrunning-Schuh.

Auch die Übung spielt hier natürlich eine große Rolle: Wer ins Wandern und Bergsteigen einsteigt, ist mit einem zumindest knöchelhohem Schuh besser beraten: Ein knöchelhoher Schuh bietet ersten Schutz für den Knöchel, zweitens einen stabileren Stand und drittens einen Schutz gegen das Umknicken. Wer allerdings 3x die Woche seine 1.000 Höhenmeter zum Feierabend herunterspult, benötigt einen leichten Schuh mit griffiger Sohle, der wenig Gewicht hat.

Salomon geht hier z.B. mit seinem „S-LAB X ALP CARBON GTX“ einen interessanten Zwischenweg. Der Schuh ist eigentlich ein Halbschuh, eine nach oben gezogene Gamasche bietet aber einerseits Schutz vor Schnee, Kies und Geröll, andererseits aber auch etwas mehr Standfestigkeit und Knöchelstabilität – ein steigeisenfester Halbschuh für schnelle Touren bis auf den Gletscher. Und das bei 500 Gewicht!

Kostenlos Gewicht sparen

Gewicht sparen geht natürlich auch kostenlos: Bevor ihr jetzt wild im Berg-Laden eurer Wahl den Geldbeutel zückt, solltet ihr zuerst mal den Rucksack ausmisten: Für eine dreistündige Hüttentour brauche ich weder Stirnlampe noch Taschenmesser/Multitool, noch Verpflegung für 3 Tage oder 4l Wasser. Für eine Übernachtung auf der Hütte reicht auch ein leichter Seiden-Hüttenschlafsack anstatt des schweren Daunen- oder Kunstfaser-Schlafsacks. Und für eine Woche E5 sollten 8 Kilo Gepäck und maximal 40l Rucksack reichen ;-)

Die aktuellen Kollektionen

Der Trend zu leichterer Ausrüstung kommt natürlich auch bei den großen Outdoor-Herstellern an. Spätestens seit der letzten Outdoor-Messe ist der Trend überall spürbar. Wir haben die aktuellen Kollektionen den Sommer über getestet und stellen in den nächsten zwei Wochen die Angebote unterschiedlicher Hersteller im Detail vor.

 

Bild: AlexSava/istockphoto

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)