Aufreibende Skitourenrunde am Spitzingsee

Reibn

Für Samstag waren perfekte Tourenverhältnisse vorausgesagt: Etwas Neuschnee aus der letzten Woche auf etwas Grundlage, Lawinenwarnstufe 1, Sonne zumindest bis zum frühen Nachmittag und mal kein Ferienanfang oder Ferienende.

 

Zufälligerweise hatten wir mit Freunden schon länger eine Tour geplant und somit ging’s für einen Tag auf die Rotwand-Reibn am Spitzingsee: 1100 Höhenmeter und 4,5h Stunden Aufstieg mit der Möglichkeit auf die Auerspitz, den Hochmiesing oder sogar bis zur Aiplspitz zur Verlängern. Genug Aufstiegs- und Abfahrtsmöglichkeiten für einen Tag also. Da wir aber doch eher am Anfang unserer Karriere als Skitourengeher stehen, nehmen wir uns doch erst mal nur die normale Runde ohne Varianten vor… mit mindesten drei Aufstiegen und Abfahrten und An- und Abfellen ist die Runde auch eine gute Übungsstrecke ;-)

Vom Spitzingsee zum Rotwandhaus

Wir parken unser Auto auf dem kostenpflichtigen Parkplatz an der Kirche und schultern zuerst mal für die nächste halbe Stunde unsere Tourenski: Vom See folgen wir zuerst der Maut-Strasse in die Vallepp und dann gleich links weiter in Richtung Schwarzenkopfhütte/Rotwandhaus. Nun geht es auf der Strasse schön hinauf bis zur Bergwachthütte. Die ersten Fellen schon unten auf, wir bevorzugen aber zu laufen und das Material etwas zu schonen.

Nach der Bergwachthütte endet rechts die Rodelbahn, der wir jetzt für die nächsten zwei Stunden bergauf folgen. Es geht stets bergauf und zwischen dem Bäumen öffnet sich immer wieder der Blick in Richtung Schinder, Karwendel und hinüber ins Kaisergebirge und zum Alpenhauptkamm.

Aktionstag „Naturverträgliche Skitouren“

Während wir aufsteigen, bekommen wir Gesellschaft: Der Alpenverein veranstaltet einen Aktionstag zum Thema „Naturverträgliche Skitouren“ (PDF) und macht auf die Wildschutzgebiete rund um die Rotwand aufmerksam: Der Lämpersberg zwischen Taubenstein und Rotwand, sowie die Maroldschneid in Verlängerung der Auerspitz sind wichtige Rückzugsgebiete für Auer- und Birkhühner. Jede Störung der Hühner durch Skifahrer und Schneeschuhgeher kann im Winter zum Tod der Hühner führen. Durch Hinweistafeln, Flyer und die Aufklärungsarbeit des Alpenvereins sollen die Skitourengeher hierfür sensibilisiert werden und das Überleben der Birkhühner gesichert werden. Infos zu den freigegebenen Routen und den Sperrzonen findet man hier im Flyer.

 

Am Rotwandhaus

Wir haben die Rodelbahn fast geschafft. Meist auf dem direkten Weg, an zwei oder drei Stellen auch durch den Wald abkürzend. Ideales Gelände zum Einstieg in das Gehen mit den Tourenski. Nun blicken hinüber zum Rotwandhaus auf seinem Aussichtplateau unterhalb der Rotwand. Statt auf den Gipfel, den doch einige Skitourengeher anpeilen, geht es für uns direkt hinüber zum Rotwandhaus für eine Runde Kaiserschmarrn (die wirkliche Spezialität des Hauses ;-)

Vorher machen wir aber noch ein paar Suchübungen mit dem Lawinenpieps im flachen Gelände. Der Pieps wird versteckt und das Suchszenario mehrmals durchgespielt, der Umgang mit Pieps, Schaufel und Sonde geübt. Denn nach der Mittagspause auf der Hütte geht’s endlich ins freie Gelände.

Kleine Wetteränderung

Nach der Mittagspause hat das Wetter draussen leider schon umgeschlagen: Statt der Sonne dominiert eine durchgehende Wolkendecke und es hat merklich aufgefrischt. Wir nehmen nicht die Abfahrt in Richtung Auerspitz, sondern halten uns weiter links und folgen dem Wanderweg hinüber zur Kümpfelscharte. Ohne fremde Spuren im Schnee geht es dann direkt hinab zur Großtiefenthalalm.

Während wir uns abschnallen, auffellen und wieder anschnallen, hören wir über uns lautes Gejubel. Eine Gruppe jüngeren Alters fährt direkt am Rotwand-Gipfel in die Nebelrinne ein und hat sichtlich ihren Spass. Um in die Nebelrinne einzufahren braucht es etwas Überwindung, denn man muss über eine Schneewächte „springen“. Das geht natürlich nur bei entsprechenden Verhältnissen und der richtigen Schneelage.

Über den Miesingsattel und die Kleintiefenthalalm zum Taubensteinhaus

Während wir zum Miesingsattel aufsteigen, zieht das Wetter nochmal an: Es stürmt und schneit jetzt richtig und wir haben Probleme, gegen den Wind anzukämpfen. Richtig brutal wird es, als wir oben am Sattel die Felle abziehen und uns für die Abfahrt fertig machen. Normalerweise könnte man hier noch auf den Hochmiesing aufsteigen und die 30 Grad steile Westrinne hinunter nehmen, beim aktuellen Wetter aber eher nicht…

Unsere  Abfahrt ist dafür richtig „brauchbar“. Anfangs etwas abgeblasen, dann etwas frischer Pulver, dann mal wieder etwas Bruchharsch, dann aber wieder mit frischer Auflage an der Kleintiefenthalalm vorbei. Ein bisschen Entschädigung für den windigen Aufstieg ;-)

Nun folgt noch der letzte Aufstieg des Tages: Am Taubensteinhaus vorbei und hinüber zum Taubensteinsattel: Allzu lang ist der Aufstieg nicht, vor Allem, weil wir „Männer“ unser technisches Verständnis und mitgeschlepptes Werkzeug an der defekten Dynafit-Bindung einer netten Skitourengängerin einsetzen dürfen – und natürlich gnadenlos scheitern. Das hat dann zur Folge, dass die nette Frau weiter mit den Skiern auf der Schulter statt unter den Füßen aufsteigen darf. Wir hoffen, dass der Wirt von der Taubensteinhütte mehr Erfolg mit der Reparatur hatte ;-)

Über den Lochgraben zurück nach Spitzing

Wir ziehen derweil unsere Spur weiter hinüber zum Sattel unterhalb der Bergbahnstation, wo wir in Orkanböen, Schnee und Schneeregen abfellen und die Abfahrt auf der ehemaligen Skipiste den Lochgraben entlang bei guten Verhältnissen abfahren. Früher konnte man das Gleitstück in der unteren Hälfte der Abfahrt mit einem kleinen Lift abkürzen, aber der wurde mit dem Rest des Skigebiets dieses Jahr abgeschalten. Also weiter im Skatingschritt bis zum letzten steilen Stück hinunter zum Parkplatz.

Von hier auf nehmen wir den Skibus zurück zum Parkplatz an der Kirche und entschneen erst mal unser Auto von 15cm Neuschnee, bevor es wieder nach Hause geht. Eigentlich wäre es auf der Taubensteinhütte gemütlicher und schöner gewesen. Vor Allem nachdem es in Schliersee schon wieder alles grün ist und es in Strömen regnet… Was für ein Winter…

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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