Schneeschuh wandern 101

Schneeschuhe waren früher ein Fortbewegungsmittel, wenn man dank des hohen Schnees sonst nicht von einem Ort in den nächsten kam. In den letzten zehn Jahren wurden die Schneeschuhe zu Recht als (sportliches) Fortbewegungsmittel im Winter wiederentdeckt: Zuerst als Aufstiegsalternative zum Tourenski für Snowboarder, dann von der Sportartikelindustrie als Einstiegsdroge in das Winterwandern, zuletzt von den Wintersport-Orten als Alternative zum Skifahren beim wenigen Schnee der letzten Jahre.

Das praktische an Schneeschuhen ist der einfach Einstieg: Alles was man braucht sind winterfeste Schuhe (Check), Schneeschuhe (Check), Ski- oder Trekkingstöcke (Check) und etwas Schnee (endlich: Check). Man benötigt keine vorgefertigte Piste, keinen Lift, nur etwas Schnee.

1. Die Schneeschuhe

Je nach Einsatzgebiet gibt es gibt verschiedene Typen an Schneeschuhen:

Zum Winterwandern

Einfache Modelle wie Sie z.B. auch öfters im Supermarkt angeboten werden, eignen sich zum Einsatz in flacherem Gelände, in den Mittelgebirgen und auf vorgefertigten Schneeschuh-Pfaden. Die Grenzen des Einsatzes liegen hier bei der Querung steiler Hänge und beim Abstieg. Die Winterwander-Schneeschuhe bieten hier nur wenig Halt.

fimbulvtr hikr orange
Eher für’s Wandern im nicht sonderlich steilen Gelände: fimbulvtr hikr orange

Fimbulvetr Hikr

Die Hikr Schneeschuhe des norwegischen Herstellers Fimbulvetr eignen sich ideal für leichte Wanderungen und längere Schneeschuh-Trekkings. Die Schneeschuhe bestehen aus einem leichten, robusten Kunststoff und sind aus einem Stück gespritzt. Die Schuhe sind leicht und haben eine einfache, praktische Bindung. Zum Schnüren müssen nacheinander vier Bänder zugezurrt werden. Das geht einfach, intuitiv und schnell. Die integrierten Harscheisen aus Edelstahl bieten auch bei steilen Aufstiegen und auf Eis einen sehr guten Griff. Steile Abstiege sind eher nicht der Fokus des Schneeschuhs. Snowboarder, die einen Schneeschuh rein für den Aufstieg suchen, finden hier einen guten Schneeschuh.

Einsatzbereich: leichte Wanderungen; Trekking
Material: DuPont Hytrel TPC-ET Kunststoff
Bindung: B4 Bindung aus Polypropylen
Gewichtsklasse: bis 110 kg
Maße: Länge: 60 cm; Breite: 25 cm
Größen: one size
Gewicht: 2.146 g
Extras: Harscheisen aus Edelstahl
Kosten: 269€ UVP

Für den Alpinen Einsatz

Für den Einsatz der Schneeschuhe zum Aufstieg mit dem Snowboard, zum Zustieg für Winter-Klettersteige oder in hochalpine Klettertouren braucht man entsprechend ausgestattete Schneeschuhe. Die Schuhe benötigen entsprechenden Halt auf Schnee und Eis, sowohl im Auf- als im Abstieg – auch bei der Querung von steilen Hängen. Hierfür haben die Schneeschuhe Steighilfen, Harscheisen und sind teilweise auch mit gezackten Rahmen für besseren Griff im Schnee versehen.

Ideal für alpine Touren: Der MSR Revo Ascent
Ideal für alpine Touren: Der MSR Revo Ascent

MSR Revo Ascent

Der von uns getestete MSR Revo Ascent bietet hervorragenden Halt sowohl im Auf- als auch im Abstieg. Der Alurahmen ist leicht und bietet durch die griffigen Harschesten und eine umlaufende und eine horizontale Zackenleiste hervorragenden Griff. Die Bindung ist sehr gut einstellbar und ermöglicht ein natürliches Gehen. Die ausklappbare Steighilfe unterstützt stabil. Die Oberfläche aus Kunststoff ist stabil und trägt auch schwerere Gewichte. Wer noch mehr Auflagefläche benötigt, kann diese mit zusätzlichen Erweiterungen ergänzen. 

Einsatzbereich: Schneeschuhtouren, hügeliges bis voralpines Gelände
Material: Alurahmen mit Kunststoffauflage
Bindung: PosiLock AT Bindung
Steighilfe: ja
Gewichtsklasse: 54 – 100 kg, mit Erweiterung: 54 – 127 kg
Maße: 64 x 20 cm
Größen: EU 35,5 – 49,5
Gewicht: 1,97 kg (pro Paar)
Extras: Sehr robust, mit Steighilfe, guter Rundum-Grip
Kosten: 269€ UVP

2. Die Ausrüstung

Für Schneeschuhtouren im Flachland, den Mittelgebirgen und auf vorgefertigten Pfaden braucht man nur wenig Ausstattung: Rucksack (idealerweise mit Befestigungsmöglichkeit für die Schneeschuhe), Winter-Wanderschuhe, Gamaschen und wetterfeste Winterkleidung.

Für das Schneeschuh wandern kleidet man sich ähnlich wie zum Skitouren gehen: Nicht zu warm, nicht zu kalt. Vernünftige Funktionsunterwäsche, eine winddichte Softshell-Jacke, eine wasserdichte Hardshell-Jacke falls es anfängt zu regnen oder zu schneien und evtl. eine Daunenweste oder -Jacke für Brotzeit und Pausen. Als Hose entweder eine wasserabweisende Softshell-Hose oder eine Skihose falls nichts anderes zur Hand.

Passende Schuhe zum Schneeschuh-Wandern sind entweder bereits vorhandene wasserdichte Winter- und Wanderschuhe oder auch spezielle Winter-Wanderschuhe wie der Dachstein Schneespur EV.  Zusätzliche Gamaschen verhindern dass der Schnee in die Schuhe gelangt.

Ideal zum Winterwandern und Schneeschuh gehen: Der warm gefütterte Dachstein Schneespur EV
Ideal zum Winterwandern und Schneeschuh gehen: Der warm gefütterte Dachstein Schneespur EV

Dachstein Schneespur EV
Ein Winter- und Schneeschuhwander-Schuh

Der Dachstein Schneespur EV ist warm, wasserdicht, hoch geschnitten und hat eine eingebaute Gamasche. Zudem bietet er eine griffige Wintersohle, mit der man nicht so schnell auf Eis ausrutscht. Das Schnürsystem ist ähnlich ähnlich wie bei einem Snowboard-Boot gestaltet, ist schnell zu schnüren und bietet guten Halt.

Schneeschuhtouren ins alpine Gelände erfordern hingegen die gleiche Ausrüstung und Vorbereitung wie Skitouren: Neben dem „Pieps“, also dem Lawinen-Verschütteten-Suchgerät (LVS), braucht man Schaufel, Sonde, Biwaksack und etwas Ahnung über den Aufbau des Schnees, der Lawinengefährdung, sowie der Rettung aus einer Verschüttung. Das notwendige Wissen eignet man sich am besten in einem Kurs beim örtlichen Alpenverein, beim DAV Summit Club oder einer Bergschule an. Hier gibt es spezielle Kurse für den Einstieg.

Besondere Ausblicke ins Karwendel
Besondere Ausblicke ins Karwendel

3. Der Einstieg

Die Schneeschuhe werden angelegt, indem man sich auf den Schuh stellt und dann die Riemen der Bildung um den Schuh legt und fest zieht. Gibt es keinen Korb für den Schuh, stellt man den Schuh mit ca. 3cm Abstand nach vorne auf die Bindung. Der Schritt wird beim Gehen nur so breit wie notwendig gesetzt, man muss nicht extra breit laufen. Für die seitliche Stütze nutzt man die Ski- oder Trekkingstöcke, die man wie beim Wandern immer wieder neu setzt. Vor Allem im Tiefschnee sind die Schneeschuhe als Stütze und Steighilfe wichtig.

Wird das Gelände etwas steiler klappt man die Steighilfe aus, um nicht immer wieder zurück zu rutschen. Beim Aufstieg beugt man sich dann etwas leicht nach vorne und rammt die Schuhe mit den Frontzacken fest in den Hang. Schritt für Schritt geht es so den Berg hinauf. Mit den Schneeschuhen steigt man zumeist recht direkt in der Falllinie bergauf und bergab, Kehren bleiben bis ins steile Gelände über 30° dem Skitourengeher vorbehalten. In steilerem Gelände klappt man die bei den meisten Schneeschuhen vorhandenen Steighilfen aus. Diese sorgen dafür, dass man beim Antreten gerade steht und nicht immer wieder nach hinten rutscht.

Bergab verlagert man das Gewicht auf die Ferse und geht in leichter Rücklage direkt den Berg hinab. Die Steighilfe wird hierfür eingeklappt. Bei viel Schnee kann man mit den Schneeschuhen auch etwas gleiten, indem man das Gewicht weiter nach vorne verlagert und „abfährt“. Zum Bremsen verlagert man das Gewicht dann wieder nach hinten.

Bei Neu- und Tiefschnee kann man mit den Schneeschuhen auch hüpfen und springen. Das macht dann nicht nur den Kindern Spaß!

Schöne Tour mit oder ohne Lift-Unterstützung: Die Rotwand am Spitzingsee
Schöne Tour mit oder ohne Lift-Unterstützung: Die Rotwand am Spitzingsee

4. Die Touren-Auswahl

Einsteiger werden zu Beginn entweder einen Kurs besuchen, einer geführte Tour oder einem präparierten Schneeschuh-Wanderweg folgen. Touren für Einsteiger finden sich auch in den Reiseführern in unserer Literaturempfehlung weiter unten.

Fortgeschrittene Schneeschuhgeher starten auch direkt zu Hause an der Haustüre, nutzen Schneschuh- oder Skitouren-Führer zur Auswahl oder suchen sich ihre eigenen Wege.

Hierbei unterscheiden sich die Tourenziele oft von denen der Skitouren-Geher. Für Schneeschuh-Touren sind oftmals Gipfel interessant, die den Skitouren-Gehern zu „langweilig“ und zu flach sind. Der Skitouren-Geher sucht ab dem Gipfel die Abfahrt, die dem Schneeschuh-Geher nicht vergönnt ist. Andererseits nutzt man die Schneeschuhe auch gerne beim Zustieg zu Winter-Klettersteigen, zum Eisklettern und Klettern im Winter. Die Möglichkeiten sind hier fast unendlich… Nutzt man allerdings ausgewiesene Skitouren sollte wenn möglich nicht in der Spur der Skitourengeher aufgestiegen werden, sondern neben der Spur in einer eigenen Spur.

Wer im freien Gelände auf Tour geht, sollte einen Blick auf Naturschutzgebiete haben. Wildtierruhezonen und Schutzgebiete sind zu respektieren. Gerade die Raufußhühner wie Auer-, Birk- und Schneehuhn sollten im Winter nicht aufgeschreckt werden, da diese sonst den Wintern unter Umständen nicht überleben. Auch die Dämmerung und Nacht sollten gemieden werden.

Wichtig bei Touren im alpinen Gelände ist auch die Beachtung des Schneeaufbaus und der aktuellen Lawinensituation. Das notwendige Wissen eignet man sich am besten in einem Kurs beim örtlichen Alpenverein, beim DAV Summit Club oder einer Bergschule an. Hier gibt es auch spezielle Kurse für den Einstieg.

Schneeschuh wandern macht auch Kindern richtig Spass: Am besten querfeldein
Schneeschuh wandern macht auch Kindern richtig Spass: Am besten querfeldein

5. Schneeschuh wandern mit Kindern

Auch mit Kindern kann man gut Schneeschuh wandern gehen. Die Strecken müssen hierbei natürlich entsprechend kürzer gewählt werden und sollten ein interessantes Ziel wie z.B. eine Hütte oder Rodelbahn haben.

Für Kinder gibt es unterschiedliche Fabrikate: Für kleinere Kinder bis ca. 7 Jahre eignen sich einfachere Modelle, die einfach die Auflagefläche der Schuhe vergrößern und mit Harscheisen mehr Griff auf Schnee und Eis bieten wie die MSR Tyker Schneeschuhe. Für größere Kinder gibt es klassische Schneeschuhe in Kindergröße.

Wichtig ist beim Schneeschuh wandern mit Kindern die richtige Kleidung: Wichtig sind vor Allem die Winterstiefel, die warm gefüttert und wasserdicht sein sollten. Gute Erfahrung haben wir hier mit den Kamik „Waterbug“ und den Keen „Wintersport II Waterproof“ gemacht. Beide haben vorne über die Zehen hochgezogene Schutzkappen, sind wasserdicht und halten den Fuß warm und trocken. Sonst brauchen die Kinder eine Schneehose und Winterjacke, warme Socken, Handschuhe und eine Mütze. Zum Verstauen der Schneeschuhe für den Heimweg eignet sich z.B. der Rucksack Deuter Climber für Kinder, der sich auch im Sommer beim Wandern gut trägt.

Gerade für Kinder ist das verlassen ausgetretener Wege und Pfade immer etwas neues, ungewohntes und gerade das macht den Kindern auch Spaß. Lieber eine kürzere Tour querfeldein als eine lange Tour auf einem langen Feldweg.

Ideal kombinieren lässt sich eine Schneeschuhtour auch mit einer Rodeltour. Die Abfahrt mit dem Rodel ist dann auch eine gute Motivation für die Kinder beim Aufstieg. Ideen für Rodeltouren findet Ihr hier in unserem Spezial „Rodeln in den Münchner Hausbergen“.

Auch Anfang Mai noch gut möglich: Touren im Karwendel in Richtung Plumsjochhütte oder Tölzer Hütte
Auch Anfang Mai noch gut möglich: Touren im Karwendel in Richtung Plumsjochhütte oder Tölzer Hütte

6. Literatur

Weitere Infos zum Schneeschuh gehen, zu Touren und Ausrüstung findet ihr in der Fachliteratur, einige Bücher aus unserem Bücherschrank stellen wir euch hier vor:

Im Buch „Schneeschuhwandern in den Ostalpen“ aus dem Frischluft Edition Verlag finden sich neben Tagestouren für Einsteiger auch Ideen zu Touren mit Hüttenübernachtung und auch zu Mehrtagestouren und Kurzurlauben. Touren gibt es dabei nicht nur in Bayern, sondern auch in Tirol, Südtirol und der Schweiz.

Der Rother Bergverlag bietet verschiedene regionale Schneeschuh- und Winterwandertourenführer, die die Bayerischen und die Allgäuer Alpen mit vielen Touren abdecken.

Münchner Berge: Bayerische Alpen und angrenzendes Nordtirol.
54 Schneeschutouren. Mit GPS-Tracks. (Rother Schneeschuhführer)

Winterwandern Bayerische Alpen: 50 Wander- und Schneeschuh-Touren mit Rodeltipps.
Mit GPS-Daten (Rother Wanderbuch)

Winterwandern Allgäuer Alpen: 50 Wander- und Schneeschuhtouren mit Tipps zum Rodeln
(Rother Wanderbuch)

Weitere Infos zu Ausrüstung, Technik und Lawinensicherheit finden sich auch in: Schneeschuhgehen: Praxiswissen vom Profi zu Ausrüstung, Technik und Sicherheit  aus dem Outdoor Praxis Verlag. Der Fokus liegt hier weniger auf den Touren, sondern auf der richtigen Gehtechnik, der richtigen Routenwahl und den alpinen Gefahren und deren Umgehung. Ein Kapitel widmet sich auch den Gletschertouren mit Schneeschuhen.

 

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

2 Kommentare

  1. Hallo Thomas!
    Eine sehr schöne und informative Einführung ins Schneeschuhgehen. Wir haben diesen Spaß letzten Winter entdeckt und sind begeistert. Angefangen auf leichten markierten Routen, sind wir mittlerweile – nach absolviertem Lawinenkurs – auch im freien Gelände unterwegs.
    Dass wir als Nichtskifahrer jahrelang den Winter als Wandersaison völlig außer Acht gelassen haben, kann ich heute gar nicht mehr verstehen…
    Viele Grüße
    Biene

    1. Hallo Biene,

      Danke für deinen Kommentar.
      Wir sind schon seit fast 15 Jahren auf Schneeschuhen unterwegs. Anfangs als Aufstiegshilfe beim Snowboarden, dann mit den Kindern einfach als sportliche Aktivität in der „Mittagsschlafpause“. Mittlerweile gehen wir regelmäßig Touren mit den Schneeschuhen. Bei richtig viel Schnee dürfen dann mittlerweile aber auch die Tourenski auf den Berg ;-)

      Liebe Grüße
      Thomas

Keine Kommentare mehr möglich.

Pin It on Pinterest

Share This