Mit Schneeschuhen von der Eng ins Karwendel und auf die Plumsjochhütte

Die urige Plumsjochhütte

Jedes Jahr warten die Skitourengeher auf die Eröffnung der Mautstrasse in die Eng zum Großen Ahornboden. Von hier lassen sich im Frühjahr schöne Touren in Richtung Gamsjoch oder in die Hochglückscharte starten. Das Tal ist im Winter gesperrt und es gibt zwar eine lange Loipe ins Tal, für Skitourengeher und Schneeschuhgeher ist das Tal aber eher zu weit ab vom Schuss. Sobald die Mautstrasse ab Anfang Mai frei ist und die ersten Hütten im Talschluss öffnen, ist hier das ideale Areal für die letzten Winter- und die ersten Frühlingstouren – Sonnencreme nicht vergessen ;-)

Der Große Ahornboden im Karwendel
Der Große Ahornboden im Karwendel

Wir waren letztes Jahr auf der Suche nach Ruhe und Abstand und haben uns am zweiten Mai-Wochenende für zwei Nächte im Alpengasthof Eng eingemietet. Es war das erste offene Wochenende und der Wetterbericht versprach schlechtes Wetter. Die Webcam verhieß auch nichts allzu gutes: Dort, wo am Montag noch grüne Wiesen zu sehen waren, gab es am Dienstag und Mittwoch rund 40cm Neuschnee auf der Terrasse des Gasthofs. Sauna, Ruhe und gutes Essen waren uns aber Grund genug, nicht daheim zu bleiben.

Freitag ging es los und nach München liess der Verkehr nach. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei unserem Lieblings-Outdoor-Händler ging es ab in die Berge. Spätestens ab Bad Tölz waren wir dann aber mehr oder weniger alleine unterwegs. Am Mauthäuschen und auch auf der Fahrt durch das Karwendeltal bis zum Großen Ahornboden keine Menschenseele. Kein Wunder, der Wetterbericht hatte ja bisher auch Recht behalten: Es regnete im Strömen auf die Schneereste im Tal. Die Wolken hingen tief und von Wasser erhoben sich Nebelschwaden.

Am Talende dann leere Parkplätze und auch hier fast niemand. Naja, das Hotelpersonal, das uns freundlich empfangen hat halt… Zimmer beziehen und ab zum Abendessen. Dann ab in die Sauna und danach zufrieden und aufgeheizt ins weiche Bett ;-)

Aus der Eng in Richtung Lampsenjoch
Aus der Eng in Richtung Lamsenjoch

Tag 1: Zur Bins-Alm und weiter in Richtung Lamsenjoch

Der nächste Morgen verhieß dann vorerst zumindest keinen weiteren Regen. Die Wolken hingen immer noch in den umliegenden Bergen, aber schon sehr viel höher. Also doch die Schneeschuhe an den gepackten Rucksack und ab auf Tour. Wir hatten uns für einen Aufstieg zur Bins-Alm entschieden (auch ein schöner Spaziergang) und wollten dann weiter in Richtung Lamsenjoch. Also zuerst auf verschneiten aber matschigen Pfaden durch den Wald abgekürzt zur Hütte hinauf. Hier war für den Abend eine private Feier angesagt und der Weg schon geräumt. An der Hütte dann eine kurze Einweisung in Pieps & Sonde für Steffi (meine Angetraute) und die Schneeschuhe angeschnallt, konnte es schon losgehen.

Aus der Eng in Richtung Lamsenjoch
Aus der Eng in Richtung Lamsenjoch

Am tief verschneite Sommerweg hinauf in Richtung Bins-Alm Hochleger kam dann auch die Sonne heraus und wir doch langsam ins Schwitzen. Nach rund einer Stunde stapfen durch den Schnee wurde es aber doch etwas unheimlich: Die Wolken verdeckten wieder die Sicht in höhere Lagen und von den Hängen weiter oberhalb gab es Lawinengrollen, immer wieder hörte man kleinere und größere Abgänge in den steilen Hängen der Lamsenspitzen, der Schafkarspitzen und aus Richtung Hochglückscharte. Also: Zeit umzudrehen und das Weite zu suchen.

Aus der Eng in Richtung Lamsenjoch
Aus der Eng in Richtung Lamsenjoch

Zurück an der Bins-Alm wollten wir unserer Tour aber doch nochmal einen kleinen Aufstieg hinzufügen und über den Panorama-Weg zurück in die Eng. Also den Sommerweg hinauf und um die langgezogene Kurve. Die Wolken rissen kurz auf und offenbarten einem wunderbaren Blick auf die Schafkarspitzen. Weiterhin begleitet vom Grollen der Lawinen, die von den Karwendelspitzen abgingen und im Tal widerhallten hieß es für uns wieder umdrehen und hinab zum Alpengasthof – und ab in die Sauna.

Aus der Eng in Richtung Lampenjoch - Abstieg
Aus der Eng in Richtung Lampenjoch – Abstieg

Tag 2: Vom Ahornboden zur Plumsjochhütte

Der Sonntag-Morgen begrüßt uns mit einem Blick auf das Gamsjoch in Sonnenschein. Wir aber haben heute ein anderes Ziel: Die urige Plumsjochhütte.

Wir fahren mit dem Auto bis zum Parkplatz P9 Hagelhütten (1077m) und satteln den Rucksack. Nach Rücksprache mit der Wirtin vom Alpengasthof lassen wir die Schneeschuhe daheim. Eine Entscheidung, die wir aus heutiger Sicht wohl anders getroffen hätten.

Auf dem Weg zur Plumsjochhütte
Auf dem Weg zur Plumsjochhütte

Es geht zuerst über den Fluss und dann hinauf durch den Wald steil hinauf. Dann geht es weiter auf der Fahrstrasse in einige Serpentinen in etwa eine Stunde hinauf. Dann teilt sich auf Höhe der Schneefallgrenze der Weg: Links geht es den schwierigeren Weg etwas direkter an einem Bach entlang, rechts ginge es den Fahrweg/Radweg weiter hinauf. Wir nehmen für den Aufstieg die Diretissima.

Auf dem Weg zur Plumsjochhütte
Auf dem Weg zur Plumsjochhütte

Zuerst einen netten Weg entlang, der immer schmaler wird. Dann geht’s im Schnee über den Bachlauf, hier ist etwas Trittsicherheit und Mut gefragt, weil man mit dem Schnee keinen richtigen Halt findet. Nach drei, vier Metern ist die Stelle aber überwunden und der Schnee wird jetzt richtig tief. Ohne Schneeschuhe waten wir teils bis zur Hüfte im Schnee. Das nächste Mal werden die Schneeschuhe bei solchen Verhältnissen definitiv eingepackt.

Auf dem Weg zur Plumsjochhütte
Auf dem Weg zur Plumsjochhütte

Nun kommt die Plumsjochhütte schon in den Blick. Der Weg macht nun eine Schleife nach rechts. 20 Minuten später sitzen wir schon auf der Bank vor der Hütte und haben ein Radler in der Hand und warten auf unsere Gulaschsuppe, während sich in unseren Spuren zwei Mountainbiker mit den Rädern auf den Schultern durch den Schnee quälen. Für Sie geht die Karwendel-Reise dann gleich in Richtung Achensee weiter. Wir nehmen lieber noch ein zweites kühles Getränk und genießen die doch schon recht warme Sonne.

Die urige Plumsjochhütte
Die urige Plumsjochhütte

In einer halben bis dreiviertel Stunde wäre man von der Hütte oben am Plumsjoch. Geübte Wanderer gehen im Sommer von der Hütte weiter hinauf auf die Mondscheinspitze oder den Kompar. Die Mondscheinspitze ist ab der Hütte eine schwierige Bergwanderung, die Schwindelfreiheit und Trittsicherheit erfordert. Bei unseren Verhältnissen aber definitiv nichts.

Die urige Plumsjochhütte
Die urige Plumsjochhütte

Eine halbe Stunde später geht es auch für uns weiter: Wir nehmen diesmal den einfacheren Weg über die Fahrstrasse. Anfangs im Schnee, dann weiter im Schneematsch. Eine Belastungsprobe für die Goretex-Schuhe ;-) Nach knapp anderthalb Stunden sind wir wieder zurück am Auto und genießen noch etwas den Sonnenschein bevor es wieder zurück in Richtung Heimat geht.

Die urige Plumsjochhütte
Die urige Plumsjochhütte

Anfahrt

Die Eng ist mit dem Auto erreichbar über:
Route I: Tegernsee – Bad Tölz – Hinterriss/Eng
Route II: Holzkirchen – Bad Tölz – Hinterriss/Eng

Mit dem Zug nach Lenggries und weiter mit dem Bus.

Infos:

Der Alpengasthof Eng ist geöffnet von Mai bis Ende Oktober und hat 80 Betten, Restaurant und Sauna-Bereich. Von hier ideale Tourenmöglichkeiten im Karwendel, auf die Birgkarspitzen oder das Gamsjoch. Übergang zu Falkenhütte, Karwendelhütte und Lamsenjochhütte.

Die Plumsjochhütte (1630m) wird bewirtschaftet von ersten Maiwochenende bis zum letzten Oktoberwochenende. Es gibt 20 bis 25 Übernachtungsplätze im Lager.

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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