Schwieriger Aufstieg ins Geröll: Von Leutasch über den Söllerpass auf die Meilerhütte

An einem der wärmsten Tage des Jahres will die Tour gut geplant sein, deshalb habe ich gestern –entgegen meinen normalen Gewohnheiten- wirklich mal drei Liter Wasser in meine Trinkblase und Trinkflasche gefüllt und diese mit ein paar Müsliriegeln und Sonnencreme in den Rucksack gepackt. Dann haben wir uns im Cabrio meines Schwagers auf gemacht in Richtung Berge.

Mein neuestes Lieblings-Teil ist ja der neue Luise Kieselbach-Tunnel, der den wohl schlimmsten Teil Münchens untertunnelt und die Fahrtzeit nach Garmisch aktuell um mindestens 15 Minuten verkürzt ;-)

Von Garmisch geht es über Mittenwald weiter hinauf nach Leutasch, ein wunderschönes Hochtal, das im Winter für super Loipen und im Sommer für geniale Berge zum Wandern bekannt ist. Im Ortsteil Lehnen suchen wir uns einen Parkplatz (lieber in Puittal am Wandererparkplatz parken, da ist mehr Platz), um dann der Beschilderung in Richtung Gehrenspitze(4,5h)/Söllerpass(4h)/Meilhütte (4,75h) zu folgen.

Auf die Puitalm

Zuerst folgen wir dem Pfad ins Puittal für rund 45 Minuten steil in Serpentinen bergauf bis wir die Hochebene der xxx-Alm erreichen. Hier grasen die Kühe im frischen Gras, während ein paar weitere Wanderinnen die Aussicht auf den hier aufgestellten Bänken in der Sonne genießen. Viel ist heute nicht los, die angesagte Hitze schreckt wohl ab, vielleicht ist die gewählte Tour auch nicht jedermanns Sache. Wohl zu lang und zu südseitig ausgerichtet.

Nach rund 400 Metern auf der Hochebene geht ein zwar beschilderter, aber fast nicht sichtbarer  Weg nach rechts in Richtung Latschen und auf die Felswand vor uns zu. Wie immer wissen wir ganz genau, dass wir über die Felswand drüber müssen, verdrängen den Fakt aber ganz schnell wieder – in der Hoffnung dass es irgendwo einen Durchschlupf gibt, den man nur von unten noch nicht sieht. geradeaus ginge es weiter in Richtung Gehrenspitze, aber die heben wir uns für ein andermal auf ;-)

Steil hinauf zum Söllerpass

Nach den Latschen geht es zuerst an einem Bachlauf bergauf, der bald gequert wird. Der Weg zieht jetzt schon an und es wird die nächste Stunde immer steiler. In Teilstücken  braucht man beide Hände und klettert schon fast etwas bergauf. Es geht für fast 400 Höhenmetern  in Serpentinen über Schrofengelände, dann wieder querend auf dem Pfad hinauf bis sich am Söllerpass der Blick in Richtung Meilerhütte geht. Das ganze übrigens ohne Seilsicherung, also T4-Gelände mit Ier Einlagen. Während mein Schwager den Berg praktisch im Laufschritt erklimmt, geht mir doch ganz schön die Pumpe und ich fühle mich meiner persönlichen Todeszone recht nahe ;-)

Der Blick auf die Dreitorspitzen

Ab dem Söllerpass geht es noch ein paar Meter bergauf um die Ecke, bevor man die Meilerhütte auf Ihrem Adlerhorst zwischen Dreitorspitze und Törlspitzen sitzen sieht. Wer schon mal im Steinernen Meer unterwegs war, fühlt sich hier richtig wohl. Die weite Karstfläche mit Ihrem gletscherbedingten Wellenschliff und den feinen Strukturen mit den steilen Felswänden im Hintergrund ist einfach nur beeindruckend.

Über das Leutascher Platt hinauf zur Meilerhütte

Eigentlich hatten wir uns ja als Ziel die Leutascher Dreitorspitze überlegt, die man auch ohne Klettersteig besteigen kann, ohne Übernachtung auf der Meilerhütte, als Tagestour bei knapp 30 Grad ist uns da heute aber doch zu heftig.

Statt links den Weg den Berg hinauf, zieht es uns direkt in Richtung Hütte. Aber auch hier geht es nicht einfach nur gerade hinauf, sondern ein paar Steilseile machen den Aufstieg zum Fast-Klettersteig ;-) Die Stahlseile dienen aber nicht nur als Wegweisen, sondern sind teils schon auch notwendig, sonst geht es schon ein paar Meter steil bergab.

Nach rund 3,5 Stunden setzen wir Fuß auf die Terrasse der urigen Meilerhütte. Die Meilerhütte ist keine moderne Berghotel-Hütte, sondern noch ein klassisches Bergsteiger-Domizil. Während auf der Aufstiegsseite schottrige Schrofen und der strukturierte Kalkfelsen dominieren, öffnet sich auf der anderen Seite der Blick ins Grüne: Hinunter zum Schachen-Schlösschen, hinüber zur Alpspitze, sowie auf den kompletten Jubiläumsgrad  bis zur Zugspitze. Hinter der Hütte geht ein kurzer gesicherter Weg hinauf auf die Westliche Törlspitze, während man von der Terrasse den genialen Ausblick auf die nahen Felsen der Dreitorspitze hat. Wir holen uns den obligatorischen Kaiserschmarrn und ein Radler und machen es und auf der einsamen Terrasse gemütlich. Keine Ironie übrigens: An einem Sonntag Mittag im August hatte ich eine volle Hüttenterrasse erwartet, wir sind die erste halbe Stunde alleine hier oben und lassen uns die Sonne bei angenehmem Wind auf den Bauch scheinen. Dann kommen die ersten Bergsteiger-Familien in Klettersteig-Ausrüstung  von der Dreitorspitze zurück und es wird etwas voller, aber immer noch angenehm unvoll ;-) Aber wahrscheinlich sind mindesten viereinhalb Stunden Aufstieg einfach zu lang für Sonntagsausflügler ;-)

Abstieg durch das Bergleintal

Wir machen uns derweil auf den Abstieg. Statt nach der kleinen Gartentür der Spur in Richtung Dreitorspitze zu folgen, geht es für uns links bergab. Zuerst auf schottrigem Untergrund den Hang querend nach Osten queren, dann in vielen, vielen Serpentinen bergab zur Hütte der Mustersteinhütte der Schäfervereinigung Leutasch, die sich an diesem Sonntag Nachmittag unbewohnt zeigt. Nun einen kurzen Gegenanstieg hinauf bevor es auf der anderen Seite des Tales am Fuße des Öfelekopfeswieder in weiteren Serpentinen an Schneefeldern vorbei hinab geht.

Nach rund zwei Stunden steilen  Abstieg durch das Bergleintal gibt es endlich Abkühlung: Nach einem großem Schneefeld, das vom herabkommenden Wasser unterhöhlt ist, geht ein kleiner Pfad hinab ins Bachbett, wo wir uns der Schuhe entledigen und die Füße und auch den Rest des glühenden Körpers kühlen.

Kurze Badeeinlage

Nach der kurzen Pause geht es doch tatsächlich schon wieder bergauf, danach geht es aber im Wald sanfter bergab und die nächste halbe Stunde sind von Spuren der Waldarbeit gezeichnet. Im Gegensatz zu den zwei vorherigen Stunden, bietet sich hier etwas Zeit zum langsam Auslaufen im Schatten des Waldes. Zum Ende queren wir noch einen Bach und schlendernüber güne Wiesen zurück zum Auto. Nun wieder mit Blick auf die Gehrenspitze und auch wieder auf die Felswände am Söllerpass, die wir von knapp vier Stunden überwunden haben und die die Dreitorspitze vor unseren neugierigen Blicken versteckt.

Karte:
Wettersteingebirge, Zugspitze: Wegmarkierung und Skirouten – Topographische Karte 1:25.000

Einkehr: Meilerhütte

Gipfel im Umfeld der Meilerhütte:

  • Leutascher Dreitorspitze (unversichert)
  • Partenkirchner Dreitorspitze (Klettersteig)
  • Östliche und westliche Törlspitzen (hinter der Hütte)

Alternative Routen zur Meilerhütte:

  • Aufstieg von Garmisch über das Rheintal auf den Schachen und hinauf zur Meilerhütte. Abstieg über den Kälbersteig zurück nach Garmisch.
  • Oder mit dem Bergrad von Ellmau auf dem Schachen und per Pedes weiter auf die Meilerhütte.
  • Auf dem beschriebenen Aufstiegsweg durch das Bergleintal hinauf

Anfahrt: Über Garmisch – Mittenwald – Leutasch oder Kochel – Mittenwald – Leutasch, von Süden kommend über Innsbruck – Seefeld – Leutasch.

Parken: Wanderparkplatz in Puitbach an der Strasse zum Einstieg nutzen.

Übernachten:

  • Auf der Meilerhütte
  • Bei Aufstieg über den Schachen: Schachenhäuser
  • Sonstige Unterkünfte in Leutsch, Mittenwald, Garmisch oder Seefeld
  • Mit dem Wohnmobil:
    Wohnmobil-Übernachtungsplatz in Leutasch am tirol.camp Leutasch

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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