Wandern in Kroatien, Teil 1: Auf den höchsten Berg Istriens

Klares Meer, steinige Strände und viel Sonne – das verbinden die meisten wohl, wenn sie an Kroatien denken. Doch die Gegend lädt auch wunderbar zum Wandern ein, so zum Beispiel das Učka-Gebirge im Nordosten Istriens. Für die Tour auf den Vojak (1401 Meter) sollte man sich einen Tag Zeit nehmen, aber der Ausblick vom Gipfel auf ganz Istrien entlohnt alle (Hitze-)Strapazen.

Start- und Endpunkt der Tour ist Mošćenička Draga (1 m), ein kleiner Strandort, der im Sommer von Touristen übersät ist. So wirkt die Wanderung am Anfang auch etwas skurril: Die einen schleppen leicht bekleidet Sonnenschirme und Liegen an den Strand, die anderen probieren mit langer Hose, Bergschuhen und Rucksack ihr Glück.

Doch schnell geht es weg von der Strandpromenade über insgesamt 720 Stufen hinauf zum Ort Mošćenice (173 m). Dort kreuzt man den Dorfplatz und geht in die aufwärtsführende Straße Richtung Selce – links von der Straße gibt es auch ein Schild mit Informationen zum Učka-Gebirge. Die Straße führt immer weiter nach oben in den 500 Meter hoch gelegenen Ort Grabrova. Der Blick zurück auf Mošćenice und das Meer verspricht eine wunderbare Tour.

Laut Wanderführer soll man in Grabrova links auf einen Weg abbiegen, wir haben jedoch schon vorher eine Kreuzung passiert und sind dort Richtung Perun und Trebišca gewandert, da dort ein schöner schmaler Bergsteig durch den Wald um den Berg Perun (881 m) herumführt (kürzer wäre sicher die andere Variante).

Immer weiter durch den kühlen Wald wandernd, erreicht man nach einer guten Stunde (kaum Höhenmeter) das verlassene Dorf Trebišća (380 m), das aus etwa sechs Häusern besteht und nur noch zum Wochenende belebt wird.

Von hier aus folgt man dem „mystischen“ Pfad Richtung Perun (Informationsschilder weisen auf die mystischen Erzählungen hin), hier schlängeln sich viele Serpentinen den Wald hoch, bis man schließlich an einer Kreuzung und bei einem kleinen Häuschen herauskommt. Hier empfiehlt sich eine Pause, da der Anstieg noch gute zwei Stunden andauern wird. Die Schilder weisen den Weg zum Vojak und zum Perun, wir nehmen also den breiteren Weg zum Vojak. Die Markierungen (weißer Punkt mit rotem Kreis) sind von hier ab sehr verblasst, man muss immer wieder danach suchen.

Der Weg ist jedoch sehr deutlich zu erkennen, nur an einer Lichtung (ca. 40 Minuten nach dem Häuschen) muss man sich eher links halten, um auf dem richtigen Pfad zu bleiben und danach die verblassten Markierungen wiederzufinden. Weiterhin führt die Strecke durch den Wald, bis man das kleine Bergdorf Mala Učka (950 m) erreicht. Von dort hat man bereits einen wunderschönen Blick über Istrien – man sollte die Ruhe und die Aussicht schon einmal genießen. Bis hierher ist uns niemand begegnet, Wandern in Kroatien scheint im Juni sehr einsam zu sein – zumal Wandern eigentlich eher im Frühling und Herbst empfohlen wird.

Wir wandern weiter durch das Dorf, das Ortsschild von Mala Učka sehen wir erst weiter oben. Dort gelangen wir zu einer Kreuzung neben einem Haus, die Schilder sind eindeutig, der Weg zum Vojak führt über eine kleine Brücke weiter durch den Wald. Auch die rot-weißen Markierungen sind ab hier wieder deutlich zu sehen.

Im Wald geht es meist steiler nach oben, an ein, zwei Stellen braucht man sogar die Hände, um sich über große Trittstufen hinwegzuhelfen. Weitere 35 Minuten später kommt man zum Sattel, von wo aus der Weg auf den Gipfel deutlich zu erkennen ist. Auch hier gibt es viele eindeutige Wegweiser, einen wunderbaren Blick und etwas Wind. Der letzte Anstieg führt in Serpentinen und in der Sonne hinauf auf die 1401 Meter. Oben angekommen, kann man noch den kleinen Steinturm besteigen, wo die verschiedenen Panoramen eingezeichnet und beschrieben sind.

Der Blick über Istrien ist einmalig, vor allem, wenn man die ganze Strecke zu Fuß geschafft hat – im Gegensatz zu den anderen Besuchern, die mit dem Auto hochgekommen sind.
Beeindruckend ist vor allem, dass man fast das südliche Ende Istriens sehen kann – bei klarer Sicht reicht der Blick wohl bis zu den Dolomiten. Das Meer, die Sonne, die Inseln und die vielen kleinen Felder Istriens machen die Wanderung einmalig. Im Sommer ist der Wind auf dem Gipfel nicht so stark, so kann man dort oben alles genießen und ausgiebig Pause machen, denn es wartet noch ein langer Abstieg.

Zurück geht es wieder auf dem gleichen Weg nach Mala Učka weiter nach Trebišća. Dort aber biegen wir nach links unten ab und überqueren im Dorf den kleinen Bach über eine Brücke. Hier kommen wir wieder auf einen Steig, der immer breiter wird und sich bald zum Fußweg ausläuft. Hier entlang passiert man immer wieder kleine Bergdörfer, wo Wein angebaut wird und wo sich viele kleine Bauernhöfe befinden. Die meiste Zeit hat man sein Ziel schon vor Augen: Das Meer.

Der letzte Abstieg kann dann in verschiedenen Varianten erfolgen, alle werden wohl gleich steil sein. Die Markierungen und Schilder führen schließlich wieder nach Mošćenička Draga, wo man sich nach einer langen Tagestour ein kurzes Bad im kühlen Meer redlich verdient hat. Dreht man sich dort bei -1 m noch einmal Richtung Norden um, sieht man den Vojak mit seinen Sendemasten und kann zufrieden sein. Denn selten fängt man bei 1 Höhenmeter an und hört nach 1400 Höhenmetern bei -1 Meter auf…

Dauer: ca. 8 Stunden inklusive Pausen

Ausrüstung: sehr viel Wasser (es gibt kaum Möglichkeiten zum Nachfüllen), lange Hosen (Schlangen sind möglich, auf der Tour ist uns keine begegnet), im Frühjahr oder Herbst auf jeden Fall Windschutz, Sonnencreme und -brille, Hut, Essen, Badesachen

Schwierigkeit: Im Wanderführer als schwarze Tour gekennzeichnet, das vor allem aufgrund der nötigen Ausdauer (immerhin sind 1400 Höhenmeter zu bewältigen) und der Länge der Tour; ab und zu ist außerdem ein guter Orientierungssinn gefragt

Markierung: Weißer Punkt mit rotem Kreis, Holzschilder

Karte: Istrien / Istra / Istria: Wanderkarte mit Kurzführer, Radrouten und Ortsplänen. 1:75000

Buch: Istrien: mit Kvarner-Bucht, Krk, Cres und Losinj. 50 Touren. Mit GPS-Tracks.

Anreise: mit dem Auto über den Učka-Tunnel, in Mošćenička Draga gibt es einen großen, kostenpflichtigen Parkplatz in der Ortsmitte

Autor

Stefanie Singer

Bergwandern hab ich in der Schule für mich entdeckt: Mit dem Schullandheim in Berchtesgaden und dann bei der Abifahrt auf dem Sentiero della Pace (Friedensweg). Von Konstanz aus war ich in den Schweizer Bergen unterwegs und ein Freund hat meine Liebe zu den östlichen Gebirgen geweckt: Hohe und Niedrige Tatra, Beskiden etc. Ansonsten fahr ich zum Wandern gern nach Norwegen, Irland und Schottland. An den Wochenenden genieß ich, was die Alpen in Deutschland, Österreich und Südtirol zu bieten haben.

1 Kommentar

Keine Kommentare mehr möglich.

Pin It on Pinterest

Share This