Wintercanyoning im Allgäu

Canyoning im Somer heißt sich durch Wasserfälle abseilen, in eiskalte Gumpen springen und dem rauen Lauf eines Flusses zu folgen. Canyoning im Winter? Klingt eiskalt und nur für „Harte Jungs“. Aber eigentlich ist das Gegenteil der Fall: Beim Wintercanyoning stehen zwar auch Abseilen und Seilrutschen auf dem Plan, der Fluss wird aber im gefrorenen Zustand begangen und auf das Springen in die Gumpen wird (leider) verzichtet. Wir haben’s letzte Woche bei den Canyonauten im Allgäu für euch ausprobiert.

Der Treffpunkt mit unserem Canyoning Guide Chris und den fünf weitern Teilnehmer ist am Parkplatz „Gunzesrieder Säge“, dem hintersten Parkplatz des Gunzesrieder Tales zwischen Hörnergruppe und Nagelfluhkette, zwischen Mittag, Hochgrat im Norden und Rangiswanger und Riedberger Horn im Süden. Nach einer kurzen Einführung, was heute auf dem Programm steht, machen wir uns auf die erste Etappe des Tages: Wir steigen rund 2 Kilometer  auf dem im Winter gesperrten Fahrweg „auf“. Bei rund 80 Höhenmetern hält sich die Anstrengung in Grenzen, dafür belohnt der Sonnenschein uns für die „Strapazen“.

Zwei Mitglieder unserer Gruppe haben schon Erfahrung im Sommercanyoning, sonst besteht die Gruppe aus Wanderern ohne Klettererfahrung. „Im Winter führen wir meistens kleinere Gruppen, die über Gutscheinhefte buchen – im Sommer unterschiedlichere Gruppen: Von Firmengruppen über Junggesellenabschiede bis hin zu Familien“ erläutert uns Chris beim Aufstieg. Im Sommer liegt das Mindestalter bei ca. 12 Jahren, bei dedizierten Familienführungen auch Kinder ab sieben Jahren.

Derweil sind wir beim „Brotzeitstüberl“ angekommen. Chris erklärt uns, wie man die Gurte anlegt, wie man die Seile und Abseilachter zum Abseilen nutzt und wie man sich mit den Karabinern im Klettersteig sichert. Nach einem kurzen Sicherheitscheck sind wir alle bereit und machen uns auf den Weg.

Nur wenige Meter vom Anseilplatz gibt es die erste Abseilstelle. Rechts von einem Wasserfall seilen wir uns mit Hilfe unseres Guides ab. Ganz einfach ist das nicht, denn die Abseilstelle ist teilweise doch stark vereist. Und so zieht es eigentlich jedem zuerst mal die Füße weg. Somit sieht das erste Mal Abseilen doch nicht so ganz harmlos aus. Chris hat aber alles im Griff und so landen wir alle wohlbehalten ein paar Meter tiefer direkt neben dem Wasserfall.

Wir steigen entlang des Flusslaufes weiter und hangeln uns an eine Fixseil mit unseren Karabinern gesichert wie in einem kleinen Klettersteig um einen Felsen herum. Auch hier macht der eisige Boden nicht jedermann Spass, aber das macht das Wintercanyoning erst spannend.

An der zweiten Abseilstelle ist das Abseilen schon gewohnter und die meisten probieren das selbständige Abseilen mit dem Abseilachter. Chris sichert aber trotzdem noch von oben nach, falls man auf der glatten Wand abrutschen sollte. Während wir warten bis alle abgeseilt sind, haben wir Zeit, um den gefrorenen Bachlauf zu begutachten und etwas zu fotografieren: Das Eis ist durch die zu warmen Temperaturen der letzen Woche schon stak am Schmelzen. „Nächste Woche wird’s nochmal wärmer, da werde ich wohl der Gruppe absagen müssen“, erklärt uns Chris, der seit mittlerweile sieben Jahren als Canyoning Guide selbständig ist.

Wer selbst Canyoning Guide werden will, absolviert am besten die Ausbildung zum „Tiroler Schluchtenführer“, die das Land Tirol anbietet. Die Ausbildung dauert ein halbes Jahr und besteht aus einer Eignungsprüfung und vier Ausbildungskursen in Österreich und im Schweizer Tessin und gesamt 17 Tagen Ausbildung. Ergänzt wird die Ausbildung durch Praktikumszeiträume mit geprüften Führern. Eine vergleichbare deutsche Ausbildung gibt es aktuell nicht. Die Tiroler Ausbildung wird aber in Deutschland, Österreich und der Schweiz anerkannt.

Für uns geht es jetzt den Bachlauf ein paar Minuten entlang bevor wir die erste Seilrutsche erreichen. Nach ein paar abschüssigen Metern klicken wir uns mit den Karabinern in die Seilrolle während Chris uns am Bremssteil sichert. Mit etwas Überwindung geht’s los und wir rutschen die rund 20 Meter hinüber zum Standplatz. Die Seilrutsche ist leider viel zu schnell vorbei, glücklicherweise folgt wenige Meter später schon die zweite Abfahrt. Schon etwas routinierter geht es nochmal über den Bachlauf zurück in Richtung Wanderweg.

Leider ist das Ende der zweiten Seilrutsche auch schon fast das Ende der Tour: Die drei Stunden, die wie unterwegs waren, sind wie im Flug vergangen. Netterweise gibt es zum Abschluss noch eine Runde Tee am Parkplatz, während wir gegenseitig Kontaktdaten austauschen und über das Erlebte reflektieren.

Streckeninfo:

Begangen wird im Winter der Ostertaltobel im Gunzesrieder Tal mit zwei Abseilstellen, einer Klettersteigstelle, zwei Seilrutschen. Zeit: 3-3,5h, Gesamte Strecke: 3,5km, 80 Höhenmeter auf/ab.

Was braucht man zum Winter-Canyoning:

Neben festem Winter-Schuhwerk, warmer Jacke und Hose, Handschuhen, Mütze und evtl. Gamaschen muss man nicht viel mitbringen: Die benötigte Ausrüstung wie Gurt, Seil, Karabiner und Abseilachter bekommt man vom Anbieter gestellt.

Zu buchen:

…gibt’s das Wintercanyoning ab 75€ pro Person auf der Website www.canyonauten.de..

Mehr Allgäu

Das Wintercanyoning lässt sich ideal auch mit einem Wochenende im Allgäu verbinden.

Wir waren z.B. von Freitag auf Samstag auf dem Staufener Haus am Hochgrat über Nacht, sind Samstag früh noch auf den Hochgrat und dann am Nachmittag zum Wintercanyoning…

Sonst bieten sich natürlich Oberstdorf, die Hörnergruppe oder das Kleinwalsertal für alpines Skifahren oder Skitouren an.

 

Wir wurden von den Canyonauten zum Wintercanyoning eingeladen.
Unsere Meinung beeinflusst hat das nicht.

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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