Winterraum-Tour ins Karwendel: Steinfalk & Gamsjoch

Kurz vor dem Ende der Saison war es nochmal Zeit für eine Tour ins Karwendel. Die Hütten haben schon geschlossen, also haben wir etwas mehr Gepäck dabei, da eine Übernachtung im Winterraum der Falkenhütte geplant ist.

Da die Mautstraße von Hinterriß in die Eng bereits zum Ende November schließt, heißt jede Tour entweder einen langen Zu- und Abstieg oder das Mountainbike als Mittel zur Verkürzung. Da die Mountainbikes aber nicht in unseren Mini-Kombi passen, geht es für uns also zu Fuß los.

Nach rund zwei Stunden Anfahrt aus dem Frankenland parken wir um 8.30 Uhr das Auto an der Mautstelle in Hinterriss und gehen dann über die Wiese in Richtung Brücke über den Bach/Fluss… Nun geht es gleich steil bergauf bis man auf den Weg von Hinterriss stösst. Diesem folgen wir in das Johannestal immer wieder auf und ab, wechseln immer wieder zwischen Schotterweg und Pfad. Im Hintergrund immer der Talschluss mit den Bockkarspitzen und der Lalidererwand.

Tag 1: Zur Falkenhütte und auf den Steinfalk

Nach rund zwei Stunden teilt sich der Weg: Rechts geht es zum Karwendelhaus, links zur Falkenhütte. Wir folgen dem Weg nach links zur Ladizalm und dann steil hinauf zur Falkenhütte. Hier lerne ich mal wieder etwas: Auf dem Wanderweg mit dem Smartphone spielen ist gar nicht so smart, wenn es einen so zu Fall bringt, dass die gute Hose danach ein Loch am Knie hat…

Auf der Falkenhütte richten wir uns erst mal häuslich ein und reservieren unsere Matratzen für die Nacht. Der Winterraum ist mittags schon gut belegt: Zwei Bergfilmer aus Tschechien und eine gemischte Bayerische Gruppe aus fünf Personen haben sich schon breit gemacht. Der Winterraum derweil ist recht gemütlich eingerichtet: 2×5 Matratzen als Nachtlager, ein Holzofen und eine Eckbank. Das Holzlager ist durch eine Klappe im Boden erreichbar. Besteck, Geschirr, Töpfe und Pfannen sind alle vorhanden. Der Winterraum ist nicht versperrt,

Wir machen kurz Brotzeit und steuern dann in Richtung Norden unser Tagesziel an: Den Steinfalke (inder Alpenvereinskarte als Steinspitze öder Südliche Falk gekennzeichnet).

Hierfür laufen wir zuerst um das kleine Ladizköpfl herum und dann am Hausberg der Falkenhütte, dem Mahnkopf, links auf guten Pfaden entlang. Natürlich kann man auch über den Mahnkopf gehen, das sparen wir uns heute aber. Dann geht es durch Latschen langsam bergauf, bevor der Weg/Pfad merklich anzieht. Die letzten 300 Höhenmeter geht es dann steil durch Schrofen und Felsen und immer etwas am Abhang hinauf. Der Weg schlängelt sich hierbei nicht von rechts um den Felsen, sondern geht nach links um die Kante herum hinauf. Dann wechselt man nochmal die Seite und erklimmt dann den Fels doch noch von rechts. Nach knapp zweieinhalb Stunden haben wir unser Ziel erreicht: Den Gipfel des Steinfalk. Nun heißt es die geniale Aussicht auf die Lalidererwände bis hinüber zur Birgkarspitze und weiter bis zum Alpenhauptkamm in weiß zu genießen, bevor es an den Abstieg geht. Um 17 Uhr sind wir zurück an der Hütte. Gut, dass man eh an der Quelle vorbeikommt, die sich rund 200 Meter von der Hütte am Web ums Ladizköpfl befindet, somit können wir unseren Wasservorrat schon mal auffüllen.

In der Hütte wird derweil schon gekocht, wir erleichtern derweil mal unsere Rucksäcke, indem wir uns den Bierdosen annehmen, die der Martin freundlicherweise auf seinem Rücken nach oben getragen hat (6 Dosen = 3 Kilo ;-) Später kochen wir dann unsere Nudeln, spielen noch etwas Karten und begeben uns dann recht früh zu Bett. Vorher waren nochmal ein paar Bergsteiger in unserem Lager dazu gekommen. Im Lager war es also eng und der warme Schlafsack definitiv zu warm… Den hatte ich aber vorsichtshalber eingepackt, man weiß ja nie…

Tag 2: Von der Falkenhütte auf das Gamsjoch

Den zweiten Tag beginnen wir gleich ohne Frühstück: Wir spülen noch schnell unsere Teller und Topf vom Vorabend, bevor wir uns gleich auf den Weg machen. Wir wollen in der Sonne frühstücken.

Zuerst steigen wir entlang des Fahrweges in Richtung Hohljoch ab (nicht links den Pfad in Richtung Laliderertal folgen!) rund 150 Höhenmeter ab und queren die „Laliderer Reisen“. Dann geht es kurz wieder bergauf zum Hohljoch.

Dann geht es auf dem Weg zum Lalidersalm Hochleger (nicht in die Eng absteigen!) und der Beschilderung zum Gamsjoch folgend auf gleicher Höhe bleibend weiter. Endlich kommt die Sone heraus und wir frühstücken. Nun geht es an den Aufstieg. Wir sind gerade auf 1.750 Metern, müssen aber bis auf 2.450…

Wir steigen das steinige Gumpenkar rund 200 Höhenmeter hinauf zum Gumpenjöchl. Von hier aus quert der Weg nach rechts. Zuerst über Almwiesen, später mehrmals durch felsige Abschnitte, wo man auch mal die Hände zu Hilfe nehmen darf. Dann geht es für die letzten 200 Höhenmeter nochmal einfach über die Flanke hinauf auf den Vorgipfel. Dann nochmal durch eine kleine Scharte hinüber zum Hauptgipfel. Dreieinhalb Stunden von der Falkenhütte haben wir gebraucht und jetzt genießen wir den Ausblick in die Eng hinunter, hinüber zum Alpenhauptkamm, aber auch ins Voralpenland.

Vor uns heute noch kein Eintrag im Gipfelbuch und ich denke, mehr als drei oder vier Leute werden den Gipfel heute wohl auch nicht besteigen. Warum wissen wir vier Stunden später…

Wir machen uns an den Abstieg, zuerst den bekannten Weg zurück zum Gumpenjöchl, dann fast weglos hinunter zum Gumpenalm Hochleger. Hier geht es dann durch Latschen nochmal ein paar Höhenmeter aufwärts (Schnee!) bevor es steil durch den Halftergraben in Serpentinen abwärts geht. Eigentlich ginge der Weg zurück hinauf zur Lalidersalm, wir kürzen jedoch etwas ab und queren auf Höhe eines Jägerstands den Bach, der gerade eh kein Wasser mehr führt. Es geht nun auf dem Fahrweg bergab bis zu einer Brücke, dann nochmal ein paar Höhenmeter bergauf bevor der wirkliche Abstieg ins Tal des Rißbachs folgt.

Als wir endlich das Flussbett erreichen, sind es nochmal rund sechs Kilometer, die wir auf der Strasse wieder zurück zur Mautstelle müssen. Aber da hilft auch kein Jammern, da muss man im Herbst durch, denn da fährt hier weder ein Wanderbus noch eine andere Mitfahrgelegenheit. Die Mautstrasse ist ja gesperrt…

Der einzige Lichtblick unterwegs ist die Garberlalm, die als einzige Hütte im Tal noch geöffnet hat. Hier lassen wir die Tour bei einem Radler ausklingen, bevor wir den letzten Kilometer zurück zur Mautstelle in Angriff nehmen.

Eine schöne, aber mit 45 Kilometern und 2.340 Höhenmetern Auf- und Abstieg auch ganz schön anstrengende Tour. Vor allem der lange Hatsch hinaus aus dem Tal zehrt dann nochmal an den Nerven ;-)

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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