Zwei Tage am Untersberg in Berchtesgaden

Nur noch fünf Minuten

Für eine kleines Hüttenwochenende mit ordentlich Höhenmetern ist die Untersbergrunde sehr zu empfehlen. Eine abwechslungsreiche Rundtour, die gute Aussichten für einen Sonnenuntergang am Berg verspricht – sofern dann auch die Sonne scheint.

Zeit sollte man für den Aufstieg auf jeden Fall mitbringen. Die 1.500 Höhenmeter haben es in sich, vor allem wenn es heiß ist, denn Schutz vor der Sonne hat man größtenteils keinen. Trotz allem lohnen sich die Strapazen – der Blick auf Watzmann und Hohen Göll, sprich die Berchtesgadener Alpen, ist einmalig und auch der Sonnenuntergang plus -aufgang am Berg sind die Tour auf alle Fälle wert.

Los geht es in Marktschellenberg in der Nähe des Parkplatzes Eishöhle. Gleich am Anfang führt ein steiler Weg hinein in den Wald, der immer wieder Ausblicke auf das schnell sich entfernende Tal ermöglicht. Durch den Wald geht es in großen Kehren und später in kleineren Serpentinen nach oben vorbei an der Mitterkaser Diensthütte und weiter zur Toni-Lenz-Hütte (1438m). Der Weg bis hierhin ist gut zu gehen und erfordert lediglich etwas Kondition. An der Hütte angekommen, kann man sich die erste Pause mit Blick auf das Tal und die gegenüberliegenden Berge gönnen – die Hütte ist jedoch meist sehr überfüllt, sodass man am besten dahinter Platz nimmt und seine selbstmitgebrachte Brotzeit verspeist.

Nach der Hüttenpause geht es weiter in Serpentinen nach oben vorbei am Lackenkopf zur Schellenberger Eishöhle. Wenn man viel Zeit mitbringt, kann man die einstündige Führung in der Eishöhle mitnehmen, sie ist die einzig öffentlich zugängliche Eishöhle Deutschlands. Jedoch ist am Wochenende mit vielen Besuchern zu rechnen, den weiteren Weg sollte man zudem nicht unbedingt unterschätzen. Deshalb lassen wir die Höhle diesmal unbesichtigt und gehen weiter auf dem Thomas-Eder-Steig zur Mittagsscharte. Hierbei wird der Weg nun richtig spannend: Wir gehen über viele Treppenstufen hinauf und durch den Berg hindurch! Kondition zum Treppensteigen und kleines Gepäck sind von Vorteil. Auf den Zwischenplattformen kann man immer wieder durchatmen. Die Stufen sind teilweise sehr steil, sodass wohl der Weg in die andere Richtung etwas schwieriger sein könnte, je nachdem wie man es lieber mag. Für den Aufstieg braucht man auch ab und zu die Hände, deshalb die Stöcke am besten kompakt an den Rucksack packen. Und auf den Kopf acht geben!

Nach der Tunneldurchquerung hat man auf einer kleinen Plattform kurz Zeit zum Verschnaufen, bevor sich die Wege zum Salzburger und Berchtesgadener Hochthron teilen. Die meisten Wanderer – bei uns sogar alle – entscheiden sich für den rechts gelegenen Salzburger Hochthron, da sie hier von der Seilbahn wieder runtergebracht werden können. Wir aber gehen nach links zu unserem bayerischen Gipfelziel weiter. Entlang der felsigen Steine geht es wieder ein Stück nach oben. Blicken wir zurück, sehen wir wie sich eine lange Schlange am Nachbarberg nach oben schlängelt. Wir freuen uns, dass wir alleine auf unserer Tour sind, haben aber auch noch einiges an Strecke vor uns.

Auf einer weiteren Ebene ist es wieder grüner und flacher und man kann nun schon das weitläufige Panorama genießen. Nach dem Rauheck (1846m) bietet sich eine kleine Liegeweise zur kurzen Verschnaufpause an, um die Stille und die Sonne zu genießen – und Energie für die nächste Stunde zu tanken. Unterhalb der Stuhlwand geht es weiter Richtung Hochthron – immer wieder genießen wir die besondere Mondlandschaft, die sich vor uns erstreckt. Ein ungewöhnlicher Alpenblick. Höhenmeter müssen nun nicht mehr viele überwunden werden, aber dafür ein bei Hitze anstrengendes Streckenstück in der Hochebene mit einigen kleinen und leichteren Kletterpassagen.

Von den Schildern weiter Richtung Hochthron sollte man sich nicht entmutigen lassen, die Zeitangaben stimmen nicht immer so genau (so wurden zum Beispiel aus 45 Minuten nach kurzer Zeit nur noch fünf Minuten). Ab dem letzten Schild schafft man die fünf Minuten zum Hochthron (1972 m) mit links, sieben Stunden Gehzeit mit Pause finden einen lohnenden Abschluss bei bestem Alpenpanorama auf Watzmann und weiter in die österreichischen Alpen. Von der linken Seite führt ein beliebter Klettersteig (Hochthron Klettersteig) zum Gipfel, der gern gegangen wird.

Wir genießen bei Schokolade und den letzten Wasserresten den Ausblick auf die Alpen und auf unser Übernachtungsziel: Das Stöhrhaus auf 1894 m.

Zur Hütte geht es zwischen zwei Felspassagen auf einem Steig zum verdienten Spinatknödel. Das Lager, das Essen und vor allem der Ausblick auf der Hütte sind sehr gut – das Personal wirkte leider nicht immer so, als hätte es viel Freude an der Arbeit, vielleicht haben wir aber auch nur einen schlechten Tag erwischt.Wir genießen bei Bier, Kaffee und Tee den Sonnenuntergang und den traumhaften Ausblick bei Sternenhimmel und Nachtbeleuchtung der anderen Berghütten.

Ein weiterer Vorteil der Hütte: Der Hochthron ist nicht weit entfernt und so kann man sich am nächsten Morgen den Sonnenaufgang am Gipfel vornehmen, sofern die Sonne dann auch scheint. Mir wurde eher ein Nebelspiel zuteil, das aber fast spannender war als „nur“ der Sonnenaufgang – inklusive Gams, die wohl auch den Ausblick genossen hat.

Nach dem Frühstück geht es übers Bärenloch auf dem Rosslandersteig in einigen Serpentinen nach unten, um dann unterhalb des Hochthrons entlang zu wandern. Tolle Blicke ins Berchtesgadener Land belohnen die lange Strecke. Am Scheibenkaser, wo sich auch der Einstieg zum Klettersteig befindet, kann man sich bei frischer Bergbauernmilch, Buttermilch und Käse- oder Wurstbrot stärken und die Aussicht nochmal genießen, bevor es dann in den Wald geht und in einigen Serpentinen immer weiter hinab. Die schöne abwechslungsreiche Strecke kann man mit einem Abstecher in der Almbachklamm abschließen. Hier darf man anfangs nicht zu viel erwarten, aber später wird die Tour durch die Klamm immer schöner. Einziges Problem ist natürlich der Gegenverkehr, da diese Klamm bei Touristen sehr beliebt ist. Zurück fahren wir mit dem Bus zu unserem Auto. Und weil es gar so heiß war, belohnen wir uns mit dem einzig richtigem: Einem Sprung in den kalten Königssee. Was für ein Abschluss einer wunderschönen, teilweise anstrengenden Bergtour!

Alternativen: von Großgmain, Maria Gern oder Bischofswiesen führen weitere Touren auf den Hochthron und das Stöhrhaus. Der 2006 errichtete Hochthron-Klettersteig (400 Höhenmeter, C/D), in der Nähe des Stöhrhauses gibt es auch viele Kletterrouten

Anreise: mit dem Auto auf der B305 (Deutsche Alpenstraße) von Berchtesgaden kommend nach Marktschellenberg, Wanderparkplatz Eisberghöhle, mit dem Zug nach Berchtesgaden und dann den Bus Richtung Salzburg (Linie 840, Ausstieg Wanderparkplatz Eisberghöhle), den nimmt man auch von der Klamm zurück zum Parkplatz

Karte: Alpenvereinskarte BY 22 Berchtesgaden, Untersberg; Kompasskarte 14 Berchtesgadener Land, Chiemgauer Alpen

Gehzeit: 7,5 Stunden und 4,5 Stunden (mit Pausen)

Übernachtung: Stöhrhaus, http://www.stoehrhaus.de/

Autor

Stefanie Singer

Bergwandern hab ich in der Schule für mich entdeckt: Mit dem Schullandheim in Berchtesgaden und dann bei der Abifahrt auf dem Sentiero della Pace (Friedensweg). Von Konstanz aus war ich in den Schweizer Bergen unterwegs und ein Freund hat meine Liebe zu den östlichen Gebirgen geweckt: Hohe und Niedrige Tatra, Beskiden etc. Ansonsten fahr ich zum Wandern gern nach Norwegen, Irland und Schottland. An den Wochenenden genieß ich, was die Alpen in Deutschland, Österreich und Südtirol zu bieten haben.

Pin It on Pinterest

Share This