Wenn es mal nicht läuft wie geplant: Der Grasleitenstein

Endlich wieder Sonnenschein am Wochenende, für uns bestes Bergwetter. Unsere Tour soll uns zum Ochsenkamp bzw. Kampen (1607m) führen. Den haben wir letztes Jahr im Herbst auf dem gut besuchten Seekarkreuz entdeckt und für eine längere Bergtour vorgemerkt. Das Seekarkreuz erreicht man dann vom Ochsenkamp über den Spitzkamp – die Route verspricht also mehrere Gipfel. Mitte April schien uns deshalb perfekt dafür – gerade bei so viel Sonne und trotzdem noch wenig Hitze.

Los geht’s in Bad Wiessee über das Söllbachtal hinauf zum Hirschtalsattel (1227m). Der Weg führt zuerst über recht unschwierige Fahrstraßen und breite Waldwege. Wenn man den Bach überquert hat, geht es schnell steiler aufwärts Richtung Hirschtalsattel. Begleitet wird der Aufstieg übrigens von interessanten Gerüchen: Nicht der Wanderer vor einem hat abends zu viel Bohnen gegessen, sondern die Schwefelquellen, über die man immer wieder drüber muss, leisten Beitrag zur mehr oder minder frischen Luft. Somit erklärt sich für uns auch gleich der Wegweiser hin zum „Stinkereck“…

Ausblick vom Grasleitenstein
Ausblick vom Grasleitenstein

Der Strecke von Bad Wiessee bis zum Sattel zieht sich etwas, wir waren knappe 2 Stunden unterwegs. Von dort aus lässt sich der Anstieg auf den Ochsenkampen inspizieren: sehr steil. Da ich nicht die richtige Ausrüstung für Schneegestapfe dabei hatte (optimistisch wie ich war, habe ich mit weniger Schnee gerechnet), genehmigen wir uns am Sattel eine Pause und schauen den Schneeschuhwanderern nach, die sich am Aufstieg zum Kampen versuchen und auch mit guter Ausrüstung ein bisschen zögerlicher unterwegs sind.

Also wird bei uns schnell umgeplant und wir entscheiden uns für die Tour unterhalb der Gipfel zur Lenggrieser Hütte. Der Weg dorthin ist relativ einfach, nur bei ein, zwei vereisten Stellen muss man ein bisschen aufpassen. An der Hütte belohnt uns der Blick auf das Tal allemal und wir sind gar nicht traurig, dass wir es heute doch noch nicht auf dem Kampen geschafft haben.

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Gipfelkreuz am Grasleitenkopf

Aber: Nochmal auf die Karte gelinst, sehen wir, dass es einen Weg nach Lenggries gibt, den wir noch nicht kennen – über den Grasleitenstein (1434m) und Grasleitenkopf (1268) (Wege sind nicht markiert, auch in der Kompasskarte ist der zweite Gipfel nur noch mit einem Punkt markiert). Und so wandern wir hinter der Hütte durch einen Wald hinauf auf den Grasleitenstein – dort oben sind nur noch ein paar vereinzelte Wanderer, aber dafür umso mehr Berge zu sehen. Weiter geht es auf einem schmalen, sehr schönen Steig Richtung Grasleitenkopf. Der Ausblick von dort begeistert uns sehr, denn vor uns erstreckt sich das ganze Alpenpanorama mit Schneegipfeln. Und das beste: Wir sind ziemlich lange ganz alleine am Gipfel. Hier wird nochmal Pause gemacht, Sonne getankt und der Isar zugesehen, wie sie sich aus den Bergen ins Tal schlängelt.

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Runterwärts geht es dann durch den Wald, dort muss man stellenweise etwas aufpassen, um den Weg zu finden, da dieser ebenfalls nicht markiert ist. Aber meistens kann man sich recht gut an den Trittspuren orientieren,nur zwei an Bäumen gemalte orange Pfeile weisen bei größeren Abzweigungen die Richtung.

Mit der Abendsonne in Lenggries angekommen sind wir sehr zufrieden – die Tour war trotzdem eine längere, zwar nicht so weit oben wie gedacht, aber mit wunderschönen Ausblicken. Die längeren Pausen haben uns dazu auch mal ganz gut getan.

Wir sind froh, die Alternative für den Ochsenkamp entdeckt zu haben – wir hätten die Tour wohl sonst nie gemacht. Und wir haben mal wieder die Bestätigung: Man muss nicht immer ganz nach oben, um einen schönes Bergerlebnis zu haben.

Insgesamt eine sehr empfehlenswerte Tour für Genießer, sicherlich auch von Lenggries aus als Rundtour schön zu gehen und dadurch etwas kürzer.

Ausgangspunkt:Bad Wiessee, Haltestelle Söllbach

Parkplatz:Wanderparkplatz am Söllbach, Bad Wiessee

Einkehrmöglichkeiten:
Lenggrieser Hütte (1338 m), Tel.: +49 (0)8042/9671120, Dienstag Ruhetag,
ganzjährig bewirtschaftet (außer zwei Wochen im April)

Karte:
Kompasskarte 8 – Tegernsee, Schliersee, Wendelstein
Alpenvereinskarte Mangfallgebirge West, Tegernsee, Hirschberg

Autor

Stefanie Singer

Bergwandern hab ich in der Schule für mich entdeckt: Mit dem Schullandheim in Berchtesgaden und dann bei der Abifahrt auf dem Sentiero della Pace (Friedensweg). Von Konstanz aus war ich in den Schweizer Bergen unterwegs und ein Freund hat meine Liebe zu den östlichen Gebirgen geweckt: Hohe und Niedrige Tatra, Beskiden etc. Ansonsten fahr ich zum Wandern gern nach Norwegen, Irland und Schottland. An den Wochenenden genieß ich, was die Alpen in Deutschland, Österreich und Südtirol zu bieten haben.