Warum der Mullerthal Trail fast noch ein echter Geheimtipp ist
Luxemburg steht bei vielen Bergbegeisterten nicht unbedingt ganz oben auf der Liste. Umso größer ist die Überraschung, wenn man sich einmal darauf einlässt. Zwischen Mosel und Ardennen liegt mit dem Müllerthal eine Region, die zwar keine klassischen Gipfel bietet, dafür aber etwas ganz Eigenes: zerklüftete Sandsteinfelsen, enge Schluchten und eine Landschaft, die man so „mitten im Flachland“ kaum erwartet.
Der Mullerthal Trail erschließt als Fernwanderweg diese Gegend auf rund 110 Kilometern in drei großen Schleifen. Wer schon einmal in der Fränkischen Schweiz unterwegs war, wird sich schnell zurechtfinden – und gleichzeitig merken, dass hier vieles noch ursprünglicher wirkt.
Start in Berdorf: Direkt hinein ins Felsabenteuer
Ausgangspunkt unserer Wanderung ist ein kleiner Campingplatz in Berdorf. Unkompliziert, freundlich und perfekt gelegen. Vom unteren Ende des Platzes führt der Weg direkt hinaus in die Natur – erst über offene Wiesen, dann hinein in den Wald.
Der Übergang passiert fast unbemerkt: Die Wege werden schmaler, die Felsen höher, die Szenerie dichter. Es ist eine Landschaft, durch die man nicht einfach hindurchläuft, sondern die einen regelrecht aufnimmt.
Mullerthaltrail: Wandern entlang von Bachläufen und Sandsteinfelsen
Was diese Tour besonders macht: Immer wieder begleitet ein kleiner Bach den Weg. Mal plätschert er direkt neben dem Pfad, mal hört man ihn nur im Hintergrund. Gerade an warmen Tagen sorgt das für eine angenehme Kühle und eine ruhige, fast meditative Stimmung.
Mit dem Amphitheater „Breechkaul“ taucht man erstmals in die Geschichte der Region ein. Die Felsformation wurde früher als Steinbruch genutzt – genauso wie die wenig später folgende Huel Lee. Diese „hohle Felswand“ ist von Menschenhand geschaffen. Schon die Römer bauten hier Sandstein ab, im Mittelalter wurden daraus Mühlsteine gefertigt. Die Spuren sind bis heute gut sichtbar.










Highlight der Wanderung: Die Wolfsschlucht im Mullerthal
Der Weg bleibt abwechslungsreich und fordernd. Immer wieder geht es durch schmale Felspassagen, über Stufen und wurzelige Abschnitte. Trittsicherheit ist vor allem bei Nässe wichtig.
Der eindrucksvollste Abschnitt ist die Wolfsschlucht. Hier zwängt sich der Pfad durch eine enge Felsspalte, teilweise so schmal, dass man automatisch langsamer wird. Es geht über Treppen, durch Felsgänge, immer wieder bergauf – kühl, schattig und ein bisschen abenteuerlich.









Die sogenannte „Wollefsschlucht“ ist eine tief eingeschnittene Spalte im Luxemburger Sandstein, die über Jahrtausende durch Erosion entstanden ist. Wasser hat sich entlang natürlicher Klüfte seinen Weg gebahnt und den Fels immer weiter ausgewaschen. So entstand eine schmale, teils glatt geschliffene Passage mit steil aufragenden Wänden, die stellenweise nur wenige Meter voneinander entfernt sind.
Durch die besondere Lage herrscht hier ein eigenes Mikroklima: Selbst an heißen Sommertagen bleibt es angenehm kühl und feucht, was Moosen und Farnen ideale Bedingungen bietet. Der Weg ist gut gesichert, verlangt aber Trittsicherheit und etwas Beweglichkeit – vor allem, wenn es nass ist.
Wer sich Zeit nimmt, entdeckt in der Schlucht immer wieder kleine Details: Wasser, das über den Fels rinnt, bizarre Strukturen im Gestein und das wechselnde Spiel von Licht und Schatten. Gerade diese Mischung aus Enge, Ruhe und Ursprünglichkeit macht die Wolfsschlucht zu einem der eindrucksvollsten Orte auf dem gesamten Mullerthal Trail.
Oberhalb der Schlucht lohnt sich eine Pause: Vom Aussichtspunkt blickt man hinunter auf Echternach und erkennt bereits die markante Basilika St. Willibrord.












Einkehr in Echternach: Luxemburgs älteste Stadt entdecken
Der Abstieg führt direkt hinein nach Echternach, Luxemburgs ältester Stadt. Nach Stunden im Fels wirkt der Ort fast mediterran: ein lebendiger Marktplatz, Cafés, Restaurants, kleine Geschäfte.
Wer Zeit mitbringt, sollte die Basilika St. Willibrord besuchen – nicht nur wegen ihrer Architektur, sondern auch wegen ihrer kulturellen Bedeutung.


Rückweg nach Berdorf: Zu Fuß oder kostenlos mit dem Bus
Für den Rückweg gibt es zwei Möglichkeiten: sportlich zu Fuß durch ein paralleles Tal zurück nach Berdorf – ein nochmals fordernder, aber landschaftlich reizvoller Abschnitt.
Oder entspannt per Bus: Zwischen Echternach und Berdorf verkehren mehrmals täglich Verbindungen. Der Clou: In Luxemburg ist der öffentliche Nahverkehr komplett kostenlos – ideal für flexible Tourenplanung.
Fazit: Eine der schönsten Wanderungen in Luxemburg
Der Mullerthal Trail ist keine klassische Bergtour – und genau das macht ihn so besonders. Statt Gipfel und Fernsicht stehen hier Felsen, Schluchten und die unmittelbare Natur im Mittelpunkt.
Teilweise sind die Durchgänge nur wenige Zentimeter breit – ein spannender Kontrast zur ohnehin schon abwechslungsreichen Landschaft im Müllerthal.
Wer eine abwechslungsreiche Wanderung in Luxemburg sucht, wird hier fündig. Und wer sich darauf einlässt, entdeckt eine Region, die zeigt: Für ein intensives Naturerlebnis braucht es nicht immer die großen Alpen.
Extra-Tipp: Felslabyrinth Siweschlëff bei Berdorf
Wer noch Zeit hat, sollte sich den Naturentdeckungspfad Wanterbaach-Siweschlëff nicht entgehen lassen. Auf einem rund 4,2 Kilometer langen Rundweg führt der Pfad durch ein beeindruckendes Felslabyrinth mit engen, tiefen Spalten.
Toureninfo
Mittelschwere Wanderung, ca. 13,5 km, ca. 4 Stunden, ca. 300–350 hm, schmale Waldpfade, Felswege, Treppen und Steige
Karte & GPS-Track (Start in Echternach!)
Start/Ziel
Berdorf (Campingplatz oder Parkplatz Huel Lee) oder Echternach
Highlights
Huel Lee, Amphitheater Breechkaul, Wolfsschlucht, Aussichtspunkt über Echternach, Echternach mit Basilika
Einkehrmöglichkeiten
zahlreiche Restaurants und Cafés in Echternach, mehrere Einkehrmöglichkeiten in Berdorf
Unterkunft
Campingplätze und Wohnmobilstellplätze in Berdorf oder Echternach.
Unterkünfte aller Preisklassen in Echternach und Umgebung.
Anreise
Parkplatz Huel Lee (Berdorf) oder Echternach (z. B. Parkplatz A Kack)
ÖPNV: regelmäßige Busverbindung zwischen Echternach und Berdorf (kostenlos in ganz Luxemburg)
Beste Jahreszeit
Frühjahr bis Herbst (bei Nässe erhöhte Vorsicht in den Felsabschnitten empfohlen)
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So ein Zufall. Fast die identische Wanderung hab ich letzte Woche erst gemacht
Wir waren ja schon letztes Jahr im Sommer auf dem Heimweg vom Atlantik für einen Zwischenstopp da. Aber wie immer: Trendsetter ;-)