Unsere Alpenüberquerung ging im verregneten Juli 2026 vom Königssee über das Steinerne Meer und die Pinzgauer Grasberge in die Hohen Tauern.
Auf einer Variante der Route Berchtesgaden – Lienz bzw. Königssee – Drei Zinnen ging es in sieben Tagen bis zur Glorer Hütte und hinab nach Kals.
Hier findet ihr unseren persönlichen Eindruck, die Infos zu den Tagesetappen, Übernachtungsmöglichkeiten und natürlich eine passende Literatur- und Packliste.
Alpenüberquerung: Auftakt am Königssee
Der Start ist fast schon zu klassisch. Mit dem Elektroboot geht es über den sommerlichen Königssee nach St. Bartholomä. Die Ufer ziehen ruhig vorbei, nur unterbrochen vom Echo der Trompete unseres Schiffsführers. Im Hintergrund die Watzmann Ostwand und das Steinerne Meer. Hier liegt auch unser Tagesziel: Das Kärlingerhaus am Funtensee. Noch wirkt alles entspannt, sommerlich, sonnig, leicht.
Das ändert sich spätestens an der Saugasse. Über 30 Kehren, rund 400 Höhenmeter am Stück. Ein Aufstieg, der die Gruppe sortiert und den Kreislauf in Schwung bringt. Das wichtigste: Ein stetes Tempo höhlt den Stein. Oben setzt der Regen ein. Erst Niesel, dann anhaltend. In den nächsten Tagen wird er uns auf Schritt und Tritt begleiten.
Am Kärlingerhaus tropft die Kleidung im feuchten Trockenraum vor sich hin. Draußen verschwindet das Steinerne Meer im Grau. Der Funtensee verblasst im Nebel. Wir machen es uns in der gut gefüllten Stube gemütlich.









Auf dem Eichstätter Weg durch das Steinerne Meer
Am zweiten Tag steht der Eichstätter Weg an. Er verbindet das Ingolstädter Haus mit dem Riemannhaus und führt mitten durch das Herz des Steinernen Meers.
Wer das Gebiet kennt, weiß, was das bedeutet: weite Karstflächen, zerfurchte Platten, Dolinen, dazwischen Markierungen, die man im Nebel auch mal suchen muss. Technisch ist der Weg gut angelegt, aber das Gelände bleibt anspruchsvoll. Orientierungssinn ist gefragt, besonders wenn die Sicht eingeschränkt ist.
Wir steigen Richtung Ingolstädter Haus auf und gehen nach einer kurzen Mittagspause in der warmen Gaststube weiter zum frisch renovierten Riemannhaus. Zwischen Regenschauern reißt es immer wieder kurz auf. Dann sieht man, wie weit sich dieses Plateau tatsächlich zieht. Karg, steinig, eigenwillig. Vom Hundstod hinter uns bis hinüber zum Hochkönig, der zwischendurch durch die Wolken grüßt.
Ein kurzer Abstecher auf den Sommerstein gehört am Riemannhaus dazu. Die Aussicht bleibt bruchstückhaft, das Tal liegt im Nebel. Dafür lädt die frisch renovierte und warm eingeheizte Stube – und ein kühles Bier.
















Tal-Intermezzo: Vom Riemannhaus nach Maria Alm und auf den Hundstein
Der dritte Tag beginnt wieder nass. Der Abstieg durch die Ramseiderscharte verlangt Aufmerksamkeit. Steile Passagen, teilweise ausgesetzt, dazu rutschiger Fels. Hier hilft kein Tempo, sondern sauberes Gehen – und natürlich das Stahlseil. Vor uns eine Familiengruppe in Ponchos, die den Abstieg angeseilt antritt. Wir überholen und hoffen, dass die Gruppe heil unten ankommt.
Nach dem langen Abstieg scheint in Maria Alm das Gröbste geschafft. Wir trocknen unsere Sachen kurz in der Seilbahnstation. Doch der Anstieg auf den Hundstein wartet bereits vor uns. Die Höhenmeter, die wir eben verloren haben, holen wir jetzt zurück.
Der Hundstein ist einer der höchsten Grasberge Europas. Bei gutem Wetter bietet er ein beeindruckendes Panorama. Bei uns liegt Nebel in der Luft, später fällt über Nacht sogar etwas Schnee. Vom Glockner vor uns keine Spur.
Im Statzerhaus werden wir freundlich empfangen. Nach einem langen Tag fühlt sich eine warme Stube deutlich besser an als jedes Gipfelfoto. Und den fehlenden Trockenraum macht die Wirtin mit dem warmen Holzofen in ihrer kleinen Küche wett: „Habt ihr noch was zu trocknen?“
Die kleine gemütliche Hütte direkt am Gipfel hat übrigens nur knapp 20 Betten. Die Reservierung startet jedes Jahr am ersten April. Und endet zumeist auch an diesem Tag gleich wieder. Bergschulen meiden auf den beliebten Transalps vom Königsee zu den Drei Zinnen oder der Route Königssee – Lienz deshalb Hütte und Gipfel und fahren gleich vom Parkplatz des Riemannhauses nach Ferleiten bis kurz vor der Trauneralm. Nur so ist die Alpenüberquerung bis in die Dolomiten in sieben arbeitnehmerfreundlichen Wandertagen zu schaffen.











Weißer Morgen über dem Zeller See
Am nächsten Morgen ist die Landschaft angezuckert, der Schnee peitscht an die Fenster. Statt mit Fernblick über Hochkönig, die Steinberge, Hohen Tenn und Wiesbachhorn stapfen wir im Nebel auf einer dünnen Schneedecke rund 1.300 Höhenmeter talwärts Richtung Zeller See. Die breiten Forstwege sind nach dem Karstgelände fast erholsam. Den Rest erledigt der Bus von Fusch nach Ferleiten.
Von der Mautstation der Großglockner Hochalpenstraße aus rückt der Großglockner näher. Wo andere mit dem Golfwägelchen das Tal erkunden, wandern wir auf breiten Wegen in Richtung Alpenhauptkamm. Der entzieht sich in Wolken allerdings noch unserem Blick.
Auf der Trauneralm erfahren wir, dass in den höheren Lagen rund 40 Zentimeter Neuschnee gefallen sind. Das Weiterkommen scheint ungewiss. Das Wetter ist auch nur zeitweise besser angesagt. Die Stimmung der Mannschaft auf dem Tiefpunkt. Da kann auch eine zu kleine Essensportion gestandenen Männern eine Träne in die Augen treiben: „Warum immer ich?“
Der Abbruch der Tour wird diskutiert, aber auch schnell verworfen. Und einen Nachschlag gibt’s natürlich auch noch: „Das war echt eine kleine Portion für einen Wanderer. Kommt`s gerne einfach in die Küche und holt euch noch was!“ Schon füllt ein Lächeln wieder des Mitwanderers Gesicht.
Dass draußen die Wolken aufreißen und einen Blick auf unser morgiges Ziel freigeben hebt die Stimmung zusätzlich.











Top of Alpenüberquerung: Schneesturm an der Pfandlscharte
Oberhalb von 2.100 Metern wird es ernst. Der Schnee wird tiefer, der Wind stärker. Die Spur füllt sich wieder, kaum dass man sie gelegt hat.
Der Übergang an der Pfandlscharte auf 2.663 Metern ist der höchste Punkt unserer Alpenüberquerung. Der Aufstieg zieht sich in Serpentinen durch tiefen Schnee. Schritt für Schritt, ruhig, ohne große Worte.
Am anberaumten „Gipfelkreuz“ bleiben wir nicht lange. Wind und Kälte treiben uns weiter. Ein Abstecher auf den Spielmann (und somit den einzigen 3.000er der Tour) sparen wir uns heute mangels Aussicht.
Der Abstieg führt durch Schneefelder bis fast zum Glocknerhaus an der Großglockner Hochalpenstraße. Da bleibt keine Socke trocken.
Und dann passiert das, womit kaum noch jemand gerechnet hat. Die Wolken reißen auf und geben den Blick auf den Großglockner frei. Nach Tagen im Grau wirkt dieser Moment in Sonne und Himmelblau fast unwirklich. Zum ersten Mal sehen wir klar, wo wir unterwegs sind. Und warum…
Mit dem Überschreiten der Scharte ist der Alpenhauptkamm passiert. Der eigentliche Gedanke unserer Transalp ist damit erfüllt. Doch ein Ziel fehlt noch: Die Glorer Hütte auf der Südseite des Glockners.















Finale: Die letzten Höhenmeter zur Glorer Hütte
Am sechsten Tag stehen noch der Anstieg zur Stockerscharte und die Querung Richtung Salmhütte an. Die Bewegungen sitzen inzwischen, jeder weiß, wie der andere geht. Zu sehen gibt es im Nieselregen nur wegen. Die Pausen halten sich in Grenzen, lange rumstehem will bei Temperaturen um die 10 Grad keiner.
Während wir in der Salmhütte einkehren, scheint draußen kurz die Sonne. Kaum wieder draußen, mischen sich wieder Schnee und Graupel unter den Regen. Es passt ins Bild dieser Woche. Die letzten Meter zur Glorer Hütte ziehen sich wie immer am Ende einer Tour.
Für uns ist dieser Ort mehr als nur eine Unterkunft. Die Glorer Hütte gehört unserer Heimat-Alpenvereinssektion. Hier anzukommen fühlt sich nicht nach Abschluss an, sondern nach Heimkommen.
Hüttenwirt Carsten begrüßt uns mit einem Schnaps und erzählt später von seinen Plänen und Wünschen für die kommenden Jahre: „Es gibt einiges zu tun.“
Beim Abendessen gehen die Gespräche noch einmal zurück zum Königssee, zur Saugasse, zur Orientierung im Nebel des Steinernen Meers, zur Spurarbeit an der Pfandlscharte. Und zu den Qualitäten der vorhandenen oder nicht vorhandenen Trockenräumen. Das Wetter verschiebt die Prioritäten.












Infos: Alpenüberquerung Königssee – Großglockner
Die Alpenüberquerung auf einer Variante der Route Berchtesgaden – Lienz verbindet den Königsee, das Steinerne Meer, die Pinzgauer Grasberge und die Hohen Tauern und endet nach sieben Tagen am Lucknerhaus oberhalb von Kals in Osttirol.
Nach dem Start am Königssee und der Durchquerung des Steinernen Meeres rückt der Großglockner die nächsten Tage in den Blick. Während wir die Pinzgauer Grasberge überqueren, blicken von Norden die Loserer Steinberge und der Hochkönig auf uns herab, während nach Süden der Großglockner und der Alpenhauptkamm lockt. Von Ferleiten rücken wir dem Großglockner dann immer näher und umrunden den Felsklotz unterhalb der Pasterze, Österreichs größtem Gletscher. Zum Finale blicken wir dann von der Hüttenterrasse der Glorerhütte auf Österreichs höchsten Gipfel. Eine Traumtour für ambitionierte Wanderer.
Unterwegs übernachten wir am Kärlingerhaus oberhalb des Funtensees, am Riemannhaus am Rande des Steinernen Meeres, am Statzerhaus am aussichtsreichen Gipfel des Hundsteins, an der Trauneralm im Käfertal, am Glocknerhaus an der Großglockner Hochalpenstraße mit Blick auf den Großglockner und auf der Glorerhütte des DAV Eichstätt.
Die Tagesetappen:
Tag 1: Vom Königssee zum Kärlingerhaus
Anreise nach Berchtesgaden mit Bus & Bahn. Start am Königssee mit einer Bootsfahrt nach St. Bartholomä, von hier Aufstieg durch die berühmt-berüchtigte Saugasse zum Kärlingerhaus (4h, 10km, 1100hm Aufstieg)
Übernachtung Kärlingerhaus: 15 Euro im Matratzenlagen, Abendessen à la Carte, Frühstücksbuffet 20 Euro (oder selber was fürs Frühstück einpacken!)
Tag 2: Vom Kärlingerhaus durch das Steinerne Meer zum Riemannhaus
Wanderung zum Ingolstädter Haus am Fuße des Großen Hundstods und über den „Eichstätter Weg“ zum Riemannhaus (5h, 12km, 930hm Auf- und 350 Hm Abstieg). Alternativ: Vom Kärlingerhaus durch das Steinerne Meer zum Riemannhaus (600hm Aufstieg, 3h, 6km, 3h), am Nachmittag Zeit, die umliegenden Gipfel zu erkunden (Breithorn, Sommerstein, Schönegg, etc.).
Übernachtung Riemannhaus: 15 Euro im Matratzenlager, Halbpension 43,50 Euro (auch nur Hauptgang und Frühstück möglich)
Tag 3: Vom Riemannhaus nach Maria Alm und zum Statzerhaus am Hundstein
Abstieg vom Riemannhaus nach Maria Alm und Aufstieg zum Statzerhaus in den Pinzgauer Grasbergen (7,5h 18km, 1320 hm Aufstieg, 1370 hm Abstieg), Abkürzung mit Taxi möglich (spart ca. 6km Wegstrecke und rund 400 Höhenmeter Aufstieg)
Übernachtung am Statzerhaus: ca. 20 Euro zzgl. Halbpension
Alternativ: Mit dem Bus und Bahn über Saalfelden und Fusch nach Ferleiten.
Tag 4: Von den Grasbergen in die Hohen Tauern
Abstieg vom Statzerhaus nach Bruck an der Großglocknerstraße (13,5 km, 1300 Hm Abstieg, 3,5 h), mit Bus nach Ferleiten und durch das Käfertal zur Trauneralm (6,6 km, 2h, 360hm Aufstieg)
Übernachtung Trauneralm: 55 Euro inkl. Halbpension
Tag 5: Über den Alpenhauptkamm – die Pfandlscharte
Heute geht es auf dem Arnoweg über den Alpenhauptkamm. Mit 2666 Höhenmetern ist die Pfandlscharte der höchste Punkt der Tour. Je nach Lust und Laune können wir in einem zusätzlichen rund 40-minütigen Aufstieg noch den 3027 m hohen Gipfel des Spielmanns und somit einen echten 3000er „mitnehmen“. Abstieg zum und Übernachtung im Glocknerhaus (Matratzenlager 19 Euro, HP 35 Euro). (9km, 5h, 1245 hm Auf- und 616 Hm Abstieg, Spielmann zusätzlich 370 HM Auf- und Abstieg)
Übernachtung Glocknerhaus: 21,35 Euro zzgl. 40 Euro Halbpension
Tag 6: Vom Glocknerhaus zur Glorer Hütte
Vom Glocknerhaus geht es am vorletzten Tag der Alpenquerung zu unserem eigenen Refugium in den Alpen: Der Glorerhütte. Auf dem Wiener Höhenweg queren wir unterhalb des Großglockner zur Salmhütte und weiter zur Glorerhütte, wo wir eine letzte Übernachtung einlegen. (11km, 4,5 h, 844 hm Auf- und 295 Hm Abstieg).
Übernachtung an der Glorerhütte: 15 Euro
Tag 7: Von der Glorer Hütte nach Kals
Abstieg von der Glorerhütte zum Lucknerhaus, Rückreise mit Taxi, Bus und Bahn (4,3 km, 1:20 h, 740 hm Abstieg)
Wie machen die Bergschulen die Tour?
Die Bergschulen bieten die Alpenüberquerun auf der Route Berchtesgaden – Lienz oder Berchtesgaden – Drei Zinnen an. Um das Programm in sieben Tage zu packen (und Urlaubstage zu sparen) wird am zweiten Tag direkt das Riemannhaus angesteuert und nach Maria Alm abgestiegen. Von hier Taxitransfer nach Ferleiten und Übernachtung dann bereits an der Trauneralm. Am dritten Tag Überquerung des Alpenhauptkamms bis zum Glocknerhaus. Am vierten Tag über die Salmhütte und die Glorer Hütte direkt nach Kals. Von hier Taxitransfer in Richtung Drei Zinnen.
Anreise
Mit der Bahn und Bus nach Berchtesgaden und mit dem Bus weiter nach Schönau am Königssee. Mit dem Elektroboot über den Königssee nach St. Bartholomä.
Abreise
Vom Lucknerhaus mit dem Bus über Kals nach Huben. Mit dem Bus über den Felbertauern nach Mittersill, Kitzbühel und Kufstein. Ab Kufstein mit dem Bayernticket in Richtung München.
Literatur
Nationalpark Berchtesgaden, Watzmann: Topographische Karte 1:25.000 (Alpenvereinskarten)
Steinernes Meer: Topographische Karte 1:25.000: Topographische Karte 1:25.000 (Alpenvereinskarten)
Glocknergruppe: Topographische Karte 1:25.000 (Alpenvereinskarten)
Packliste Alpenüberquerung mit Hüttenübernachtung
Rucksack
Touren-Rucksack ca. 30-40l
Schuhe
Bergstiefel Kategorie B oder B/C mit fester Sohle oder Leicht-Bergstiefel
Gamaschen, evtl. Grödel
Kleidung
Tourenhose (Softshell oder Hardshell)
Funktionsshirts langarm, kurzarm
Softshell/Fleece/Pulli
Hardshell-Jacke (Regenjacke)
Hardshell-Hose (Regenhose)
(Funktions-)Unterwäsche
Trekkingsocken
Handschuhe & Mütze
Kleinkram
Sonnenbrille
Bequeme Hose für Hütte/abends
Flipflops/Hüttenschuhe
Hüttenschlafsack
Mobiltelefon, Ladegerät, Ersatzakku
Erste Hilfe Set, Blasenpflaster
Handtuch (Mikrofaser)
Zahnbürste/Zahnpasta/Duschgel
Sonnencreme (LSF 50!)
Stirnlampe
Trekkingstöcke
Geldbeutel mit Bargeld, EC-Karte, AV-Ausweis, Personalausweis
Verpflegung
etwas Brotzeit für unterwegs (Brot, Wurst, Käse, Müsliriegel,…)
(Thermo-)Wasserflasche (mindestens ein Liter)
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