Schneeschuhtour auf den Geigelstein – Vom Frühling in den Winter

Der Geigelstein ist auch im Winter einen Besuch wert: Familien kommen wegen der Rodelbahn und der Einkehr auf der Priener Hütte. Bergsteiger, Skitourengeher und Schneeschuhgeher wegen der durchaus anstrengenden Tour und wegen der Aussicht!

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Anfang der Woche sah alles noch nach Absage aus: 40 bis 60 Zentimeter Neuschnee. Teilweise Lawinenwarnstufe vier in den Bayerischen Alpen. Und wir? Mit einer 14-köpfigen Gruppe unterwegs. Da will man nicht nur selbst heil heimkommen – sondern alle.

Bis Samstag hat sich die Lage beruhigt. Und so stehen wir am Parkplatz unterhalb des Geigelstein. Unten liegt nur noch der Rest vom Winter. Die Loipen fransen aus, der Schnee zieht sich zurück. Es riecht fast nach Frühling. Fast.

Rodelbahn, Bergwald, Schnee

Der Aufstieg beginnt auf der vereisten Rodelbahn. Nicht schön, aber zweckmäßig. Bald zweigen wir links ab – hinein in den Bergwald Richtung Schreck-Alm unterhalb des Mühlhörndls.

Hier oben ist vom Winter erstmal wenig zu sehen. Der Wald wirkt eher nach März als nach Schneeschuhtour. Wir tragen das Zusatzgewicht an den Füßen noch im Rucksack. Und ja – für einen Moment fragt man sich schon, ob das nötig war.

Nach gut 600 Höhenmetern und etwa einer Stunde ist klar: War es.

Endlich liegt genug Schnee. Schneeschuhe an. Und plötzlich fühlt sich alles wieder richtig an. Grödel hätten heute übrigens wenig gebracht. Dafür ist die Schneedecke zu weich, zu tief, zu wechselhaft.

Knie tief oder clever unterwegs

Wie groß der Unterschied ist, zeigt sich schnell. Einer aus unserer Gruppe hat seine Schneeschuhe daheim vergessen. Alle paar Schritte versinkt er bis zu den Knien im Schnee.

Wir anderen gehen daneben fast schon komfortabel bergauf. Fast kommt man sich vor wie bei Herr der Ringe: Heute ein bisschen Elb statt Zwerg. Breite Auflagefläche statt Einbruch. Kraft sparen statt kämpfen.

Und Kraft brauchen wir noch. Rund 400 Höhenmeter liegen noch bis zum Gipfel vor uns.

Der Geigelstein zeigt Charakter

Kurz nach der Sulzingalm steht er vor uns: der Geigelstein.

Im Sommer „Blumenberg“ des Chiemgaus – jetzt eher Eisberg. Weiß, klar, ruhig. Eine saubere Spur zieht sich den Hang hinauf. Und nur wenige Spuren kommen herunter. Das mögen wir.

Von der Oberkaser-Alm geht es über den langen Hang Richtung Gipfel. Immer wieder wandert der Blick nach links zur Wandspitz. Dort ist der Neuschnee der letzten Tage bereits in mehreren Schneerutschen abgegangen. Ein beruhigendes Zeichen. Die Verhältnisse fühlen sich stabil an – wir bleiben trotzdem aufmerksam.

Heute sind aber nicht Lawinen das beschäftigende Thema.
Heute sind es Kondition und Sonne.

Happy End mit Aussicht

Am Gipfel ist dann alles vergessen: Vor uns das Kaisergebirge, dahinter die Hohen Tauern. Links ziehen die Loferer Steinberge Richtung Watzmann, rechts Karwendel und Zugspitze. Und irgendwo weit draußen liegt das wolkenverhangene Voralpenland.

Wir setzen uns auf die kleine Holzbank neben der Mini-Kapelle. Brotzeit. Gipfelschnaps. Sonne im Gesicht.

In solchen Momenten wird es leise in der Gruppe. Jeder hängt kurz seinen eigenen Gedanken nach.

Priener Hütte: sehr gute Entscheidung

Beim Abstieg kehren wir in der Priener Hütte ein: Sonnige Terrasse. Entspannte Stimmung. Super nettes Hüttenteam. Kein Stress, kein Schnickschnack – einfach ehrlich und unkompliziert. Genau so, wie man es sich nach einer Wintertour wünscht.

Der Abstieg? Den verschieben wir auf morgen.

Tag zwei: Nebel, Regen und ein Bonusgipfel

Am nächsten Morgen: Grau. Nebel. Leichter Regen. Hardshell statt Sonnenbrille.

Ganz ohne Gipfel wollen wir aber nicht zurück. Also binden wir noch die Mühlhornwand ein – im Winter eine beliebte und relativ einfache Skitour für alle, denen der Geigelstein zu lang ist.

Von der Sulzingalm ziehen wir unsere Spur in den Hang. Wie ein Lindwurm schlängelt sich die Gruppe nach oben. Der „Gipfel“ ist im Nebel kaum zu erkennen – plötzlich ist er einfach da. Und auch gleich wieder vorbei.

Vor uns liegt ein traumhafter Hang. Fast unberührt. Mit Tourenski wäre das jetzt ein Fest. Mit Schneeschuhen ist es… sagen wir: kreativ.

Aber auch damit kommt man erstaunlich gut runter.

LVS statt Leichtsinn

Bevor es endgültig ins Tal geht, bauen wir noch eine kleine LVS-Übung ein. Einfach, damit jeder mal gesucht hat. 40–60 Zentimeter Neuschnee auf undefinierter Unterlage sind schnell vergessen, wenn die Sonne scheint. Besser üben, solange alles gut ist.

Zurück Richtung Frühling

Bis etwa 1.200 Meter bleiben die Schneeschuhe an den Füßen. Dann wird der Schnee weniger. Nasser Bergwald. Und am Ende wieder die vereiste Rodelbahn. Und sogar nochmal ein kurzer Gegenanstieg… uff….

Toureninfo: Schneeschuhtour von Sachrang auf den Geigelstein und Mühlhornwand

Karte & GPS-Track

Anfahrt

A8 Richtung Salzburg bis zur Ausfahrt Frasdorf. Über Aschau nach Sachrang. Kurz vor dem Ort gebührenpflichtigenr Parkplatz Priener Hütte/Geigelstein

Route

Vom Parkplatz über die Brücke und der Rodelbahn folgen. An der Diensthütte rechts um die Kurve und anschließend dem Weg 207 links (Beschilderung: Priener Hütte über Schreckalm) in den Bergwald folgen. Man kreuzt mehrfach die Fahrstraße bzw. geht kurze Stücke auf dieser bis kurz vor der Schreckalm.

An der Schreckalm nicht den Spuren nach oben zur Mühlhornwand folgen, sondern die Höhe einigermaßen halten. An der Sulzingalm vorbei in den lichten Bergwald. Jetzt bereits mit Aussicht auf den Gipfel in einem Linksbogen an der Oberkaser-Alm vorbei hinauf in die Scharte zwischen Rossalpenkopf und Geigelstein. Ab der Scharte durch die Latschen hinauf zum Gipfel des Geigelsteins mit Gipfelkreuz und Mini-Kapelle..

Vom Gipfel auf dem Anstiegsweg zurück bis Oberhalb der Oberkaser-Alm. Links halten in Richtung Priener Hütte.

Am zweiten Tag den Weg wieder zurück in Richtung Oberkaser-Alm und Sulzingalm. Vor der Alm rechts hinauf über den freien Hang. Oben links über den Kamm zum Gipfel der Mühlhornwand. Nach Westen weiter und den freien Hang hinunter. Zuerst links, dann rechts haltend zurück zur Schreckalm und auf dem bekannten Weg wieder hinunter zum Parkplatz.

Charakter

Weitgehend unschwierige, aber lange Schneeschuhtour. Erfordert Kondition und ab der Hütte auch Erfahrung in der Lawinenbeurteilung.

Lawinengefahr

Selten Lawinengefährdet. Aktuelle Beurteilung: Tour “Geigelstein von Huben” bei Skitourenguru.

Beste Jahreszeit

Dezember bis April

Einkehr & Übernachtung

Priener Hütte (Telefon: +49 8057 428, kontakt@priener-huette.de, Web-Seite)

Tipp

Bei entsprechenden Verhältnissen kann der Geigelstein auch in Richtung Breitenstein überschritten werden!

Literatur

Chiemgauer Alpen: Mit Berchtesgadener Alpen und Kaisergebirge. 53 Touren mit GPS-Tracks. (Rother Schneeschuhführer) 

Chiemgauer Alpen West, Hochries, Geigelstein: Topographische Karte 1:25.000 mit Wegmarkierung, Ski- und Schneeschuhrouten (Alpenvereinskarten) 

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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