Best of Slowenien: Flusswandern im Soča-Tal

Der Triglav-Nationalpark zwischen Bovec und Krajnska Gora bietet für (Fern-)Wanderer, Kletterer, Kanu- und Kajakfahrer ein umfangreiches Angebot. Auf dem Heimweg aus unserem Kroatien-Sommerurlaub haben wir für ein paar Tage das Tal zu Fuß erkundet.

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Bovec ist das Outdoor-Mekka Sloweniens: Während in Kroatien die großen deutschen Wohnmobile und Wohnwagen-Gespanne dominieren, ist hier der VW-Bus, das Zelt und das Kajak am Dach Standard. Grund dafür ist die nahe Soča. Ein genial blauer Bergfluss, der gerade am Oberlauf noch unterbaut und wild daherkommt. Und kalt. Doch lässt sich der Fluss nicht nur auf dem Wasser erkunden, sondern auch zu Fuß auf dem Soča Trail. Auf dem Heimweg aus unserem Kroatien-Sommerurlaub haben wir für ein paar Tage das Tal zu Fuß erkundet.

Der Triglav-Nationalpark zwischen Bovec und Krajnska Gora bietet für (Fern-)Wanderer, Kletterer, Kanu- und Kajakfahrer ein umfangreiches Angebot. Auch der Alpe-Adria-Trail vom Großglockner bis an die Adria führt durch die Region. Für eine kurze Wanderung erkunden wir im September die Route der 24. Etappe zwischen Trenta und Bovec, auch als Soča Trail bekannt. Hat man in Bovec sein Lager aufgeschlagen, kann man mit einem Bus mehrmals täglich bis nach Trenta oder weiter bis zur Soča-Quelle fahren. In den Sommermonaten Juli und August gibt es hier sogar einen Pendelbusverkehr.

Flusswassern in Slowenien: Der Soča Trail

Wir laufen für unsere Flusswanderung direkt von unserem Campingplatz „Kamp Vodenca“ an der Soča flussaufwärts und wieder retour. Dazu müssen wir aber zuerst durch die anderen Campingplätze voller Kajakfahrer. und die hellblau glänzende Soča auf einer schönen Hängebrücke überqueren. Es geht immer schön durch den Bergwald und entlang des Flusses. Mal näher am Fluss, mal auf Felsen hoch über dem Fluss.

Auf einer weiteren Hängebrücke überqueren wir die Soča. Unter uns wunderbare Gumpen, die zum Baden einladen – aber auch direkt kommunizieren „hier wird’s frisch!“ Passend zu den Gumpen gibt’s auch immer passende Felsen, auf denen man sich nach einem erfrischenden Bad in der Sonne wieder aufwärmen kann. Oder von denen man in die tieferen Badestellen springen kann.

Auf der anderen Seite des Flusses geht es auf einem breiten Schotterweg weiter bis zu einer weiteren Hängebrücke. Von hier bietet sich ein genialer Ausblick in die ausgewaschene Schlucht als weißem Kalkstein unter uns.

Wir folgen dem Schotterweg nun weiter etwas von der Soča entfernt bis zu einer großen Brücke, die uns zur Straße zurück führt. Hier muss man jedoch nicht an der Strasse entlang, sondern folgt einem abschüssigen Pfad zurück ans Bachbett, dem man nun weiter Flussaufwärts um einen Bogen herum folgt. Hier beginnt wieder ein Stück Schlucht mit schönen Badegumpen. Von hier kann man dem Fluss auf der anderen Seite bis Lepena folgen. Hier gibt es mit dem Kamp Klin und dem Kamp Soča zwei schöne Campingplätze, die zur Übernachtung einladen. Allerdings ist es hier im Herbst schon erheblicher frischer als unten in Bovec. 

Hier hat sich die Soča eine spannende Schlucht gegraben, die vor Allem durch Instagram bekannt ist. Auch mit einem Ausflug ins schöne Lepena Tal entlang der Lepenjica mit Ihren Gumpen und Wasserfällen könnte man die Tour hier noch verlängern.

Mit den Kindern ist für uns heute hier bereits Schluß und wir machen Rast: Das azurblaue Wasser lädt zum einskalten Bad. Das nur rund 13 Grad warme Wasser wollen wir trotzdem nutzen und uns abkühlen. Nach ein paar hastigen Zügen durch das kalte Nass wärmen wir uns lieber in der September-Sonne noch etwas auf, bevor wir den Rückweg antreten.

Abends schlendern wir noch nach und durch Bovec. Der kleine Ort ist durchaus touristisch geprägt, bietet Hotels, Gastronomie und Campingplätze. Am Marktplatz wird aus mehreren kleinen Ständen Essen verkauft. Die umliegenden Restaurants sind gut besucht und bieten einheimische und internationale Küche. Mit den umliegenden Bergen erinnert uns der Ort ein bisschen am Chamonix.

Der Vršičpass

Für den Heimweg haben wir uns dann ein anderes Highlight im Tal ausgesucht: Den Vršičpass (deutsch: Werschetzpass). Dieser zieht sich von Bovec in rund 50 Haarnadelkurven hinauf bis auf 1611m und dann teilweise noch auf Pflastersteinen hinunter nach Kranjska Gora. Für größere Wohnmobile nicht zu empfehlen!

Die Passstraße wurde in den Jahren 1915–1916 als Militärstraße für Österreich-Ungarn ins Isonzo-Tal (vgl. Isonzo-Schlachten) von russischen Kriegsgefangenen gebaut. Über 400 von ihnen kamen allein bei einem Lawinenabgang im März 1916 um. Auf der Nordseite auf etwa 1200 m Seehöhe erinnert die von diesen Russen gebaute „Russenkapelle“ (Ruska kapelica) an die Opfer. Die Straße wurde in der zweiten Jahreshälfte 1915 eröffnet und nach Prinz Eugen als Erzherzog-Eugen-Straße benannt. Über diese Straße erfolgte ein Großteil des Nachschubs für die große Offensive von Österreich-Ungarn und Deutschland in der Zwölften Isonzoschlacht. Der heutige Verlauf folgt nur noch teilweise der ursprünglichen Trasse; die Südseite ist größtenteils neu angelegt. 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Vršičpass

In Trenta gibt es ein kleines Nationalpark-Infozentrum. Von hier aus startet auch eine der Touren auf den höchsten Berg Sloweniens: Den Triglav. Mit rund 2.400 Höhenmetern und 7h eher etwas für Fortgeschrittene. Mit Übernachtung in der Hütte Koča na Doliču auch gut auf zwei Tage aufzuteilen.

Ein besonderes Highlight oberhalb von Trenta ist die Soča-Quelle. Sie ist von der Strasse aus in einer 20-minütigen Wanderung erreichbar.

Von der Passhöhe aus bieten sich zwei Klettersteigtouren an: Der Gipfel der Mala Mojstrovka (2332 m. i. J.) ist über den Nordwand-Klettersteig erreichbar (Schwierigkeit: C, 4,5h) und der Prisojnik (2547 m. i. J.) ist über den Nordwand-Klettersteig erreichbar (Schwierigkeit: C/D, 6h). Eine gemütlichere Wanderung (etwa 15 bis 20 Minuten) führt von der Passhöhe zur Hütte Postarski Dom (1620 m. i. J.). Von dort hat man einen eindrucksvollen Blick auf die Südseite des Prisojnik. Wer den Pass zu Fuß erwandern will erreicht die Passhöhe auch auf der Wanderung von Kranjska Gora zur Passhöhe des Vršičpasses (3,5h einfache Strecke).

Von Kranjska Gora geht es für uns noch weitere Pässe sammeln: Über den Wurzenpass und seine Serpentinen geht es zurück nach Kärnten/Österreich. Von Hermagor nehmen wir die Weißenseestrasse über den Kreuzbergstattel ins Drautal und folgen dem breiten Tal nach Lienz in Osttirol. Von hier führt uns die Felbertauernstrasse nach Mittersill im Salzburger Land. Über den Pass Thurn geht’s nach Kitzbühel und langsam wieder in Richtung Deutschland. Alternativ könnte man auch die aussichtsreiche Großglockner Hochalpenstrasse für die Überquerung des Alpenhauptkamm nutzen.

Informationen

Anreise

Über Salzburg und die A10 Tauernautobahn nach Villach, über den Wurzenpass und den Vršičpasses ins Soča-Tal.

Alternativ über Kitzbühel, Pass Thurn, Felbertauernstrasse, Lienz, Hermagor, Krajnska Gora. Landschaftlich schöner über Zell am See und die Großglockner-Hochalpenstraße.

Von Süden (z.B. als Abstecher nach dem Kroatien-Urlaub) kommend über Most na Soci, Tolmin und Kobarid nach Bovec.

Aktivitäten

  • Wandern entlang der Soča, zu Wasserfällen und in die umliegenden Berge
  • Bergsteigen (Triglav, Mangart, etc.)
  • Kajak fahren auf der Soča
  • Raftingtouren auf der Soča
  • Klettersteigtouren auf Mala Mojstrovka (Schwierigkeit: C, 4,5h) oder Prisojnik (Schwierigkeit: C/D, 6h)
  • Klettern (mehrere Klettergärten im ganzen Tal)
  • Mit der Seilbahn auf den Kanin (im Winter Skigebiet)
  • Motorrad fahren (Vršičpass, Mangartpass)

Beste Reisezeit

Im Sommer von Juni bis September

Unterkünfte

Hotels und Pensionen aller Preisklassen in Bovec und Umgebung.

Zelt- und Campingplätze entlang der Soča, vor Allem aber in Bovec (z.B. Camp Vodenca, Kajak Camp Toni,  Kamp Liza – mit Brötchenservice).

Berghütten entlang der bekannten Wanderwege und am Triglav.

Einkehr

Restaurants und Gaststätten in Bovec und umliegenden Orten. Unsere Empfehlung: Die kleine 1917 Grill Bar mit leckeren Burgern und Cevapcici.

Netzwerk an Berghütten an den bekannten Wanderrouten.

Wild campen

Wild-Campen ist in Slowenien verboten. Die Tour liegt im Triglav Nationalpark (und somit Naturschutzgebiet!). Nutzt bitte die Campingplätze.

Region

Slowenien, Julische Alpen

Literatur

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)