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Mit dem Wohnmobil nach und um Sardinien: Baden, Wandern, Klettern

Mit dem Wohnmobil nach und um Sardinien

2018 stand für unseren Familienurlaub statt wie üblich Frankreich Italien und statt Korsika Sardinien auf dem Plan. Nachdem viele Freunde von uns dieses Jahr die Insel auch schon angesteuert haben, hatten wir etwas Angst, eine recht überfüllte Insel zu bereisen. Aber schon die ersten Tage lehrten uns etwas anderes. Das lag aber wohl auch an der Auswahl der Region und der Campingplätze… aber von vorn…

Unsere Fähre: Corsica Sardinia Ferries

Unsere Fähre: Corsica Sardinia Ferries

Anreise und Fähre

Um mit dem Wohnmobil nach Sardinien zu kommen, benötigt man eine Fähre. Die gängigen Fähren von Mobilines und Corsica Sardinia Ferries legen in Genua, Livorno, Piombino oder von den französischen Häfen Toulon und Nizza ab. Das bedeutet eine lange Anreise entweder über den Brenner, den San Bernardino, den Sankt Gotthard oder über die Lyoner Autobahn nach Nizza/Toulon.

Alle Autobahnen in Italien und Frankreich sind mautpflichtig. Von unserem Zuhause nahe Nürnberg machen die Mautgebühren für die Brenner-Route nach Livorno -wo unsere Corsica Sardinia Ferries Fähre ablegt- rund 110€ hin- und zurück, die Route über den Bodensee und die Schweiz knapp 80€ aus. Wir bevorzugen die etwas gemütlichere Route über den San Bernardino und bleiben noch eine Nacht in Maccagno am italienischen Teil des Lago Maggiore an einem kostenlosen Stellplatz in der Ortsmitte über Nacht. Dann nehmen wir die Autobahn über Parma und La Spezia nach Livorno. 

Bevor es auf die Fähre geht, werfen wir in Tirrenia noch einen Blick auf Stadtstrand von Livorno und gehen ein Eis essen… Gut, dass uns der Stadtstrand nicht wirklich zusagt, denn wir haben uns in der Zeit vertan und da kommt es gelegen, dass wir um 19 Uhr am Hafen vor der Fähre stehen.

Die Fähre von Livorno nach Golf Aranci (bei Olbia) haben wir bereits Anfang April gebucht und rund 360€ für Hin- und Rückfahrt bezahlt. Eine Kabine haben wir nicht gebucht. Wir suchen uns zuerst am Pooldeck einen Platz und ergattern vier Liegestühle. Aus diesen werden wir aber des Nachtens vertrieben. Wir finden aber unter Deck schnell einen bequemen Platz für unsere Isomatten und Schlafsäcke.

Im Nordwesten Sardiniens: Zwischen Porto Torres und Castelsardo

Im Nordwesten Sardiniens: Zwischen Porto Torres und Castelsardo

Der Nordwesten

Nach dem Anlegen um 5:30 früh machen wir uns auf den Weg in den Nordwesten der Insel. Wir haben nichts vorgebucht und wollen den teuren Nordosten vorerst umgehen. Wir folgen der Strasse in Richtung Sassari und weiter nach Porto Torres. Mehr als die Hälfte der Strecke ist auf 60 reduziert. Da wir ständig von Sardiniern bedrängt und überholt werden, halten wir uns auch nicht ganz an die Begrenzung.

Mit dem Campingplatz „Li Nibari“ werden wir auch auf den ersten Anlauf schon fündig: Ein günstiger Campingplatz (42,50€ für Platz, 2 Erwachsen und Kinder 8 und 11 Jahre) mit Strandzugang (Tunnel unter der Küstenstrasse), kleinem Laden, Pool, Animation (nur am Pool und an der Bar), super leckerem italienischem Restaurant und vor Allem: Ein fast leerer Campingplatz. Nur ein paar weitere Deutsche und ein paar Italiener belagern noch den Platz unter den Pinien, die viel Schatten spenden. Die sanitären Einrichtungen sind nicht die neuesten, da der Platz aber fast leer ist, ist das auch kein Problem.

Die ersten Tage verbringen wir zwischen Strand und Pool, essen und trinken, lesen und schlafen,… Urlaub aus dem Bilderbuch… Die Kinder nutzen den Pool, den Tennisplatz oder spielen zusammen. Ausflüge nach Castelsardo oder in den Asinara-Natoionalpark wären von hier aus gut möglich, aber wir suchen eigentlich erst mal nur Ruhe…

Zu Empfehlen: Picknick am Strand mit Pizza und Wein

Zu Empfehlen: Picknick am Strand mit Pizza und Wein

Der Südwesten

Nach ein paar Tagen sind wir bereit für etwas Bewegung: Wir packen unsere Sachen wieder ins Wohnmobil und machen uns auf in Richtung Südwesten der Insel. Einige schöne Touren Im Rother Wanderführer und vor Allem der „Pan di Zucchero“, eine prägnante Felseninsel vor der Küste, haben es mir vorab angetan.

Ausblick aus der Altstadt von Alghero

Ausblick aus der Altstadt von Alghero

Wir verbinden den Reisetag mit einem Ausflug und schauen uns zuerst mal die schöne Altstadt von Alghero an, bevor wir die Küstenstrasse in Richtung Macomer nehmen. Die Strasse windet sich in vielen Kurven immer wieder einige Höhenmeter hinauf in das Küstengebirge und wieder zum Meer hinunter. Schnell voran kommt man hier nicht, aber die Aussicht ist den Umweg definitiv wert. Im Gegensatz zur korsischen Küstenstrasse passen hier der sogar größere Wohnmobile und LKWs aneinander vorbei. Insgesamt sind die Strassen weitaus besser ausgebaut als in Korsika und auch große Teile der Inlandsverbindungsstrassen fast autobahnähnlich ausgebaut.

In der Altstadt von Alghero

In der Altstadt von Alghero

Wir verlassen die Autobahn bei Marrubiu und queren erst einmal das Küstengebirge, um auf der anderen Seite wieder bei Portixeddu auf das Meer zu treffen. Der Strand von Portixeddu ist vor Allem bei Surfern recht beliebt, da hier schöne Wellen an den Strand laufen. Wir nisten uns auf dem Campingplatz „Ortus de Mari“ ein. Ein schöner, gut gepflegter Campingplatz mit sauberen Sanitäreinrichtungen und kleinem Restaurant/Bar. Der Campingplatz liegt jedoch rund einen Kilometer vom Strand entfernt. Der Weg zum Strand führt entlang der befahrenen Küstenstrasse, somit muss man eigentlich täglich sein Auto oder sein Wohnmobil bewegen. Mit dem Wohnmobil bieten sich dann doch eher die Stellplätze direkt am Strand von Portixeddu, in Buggeru (ebenfalls direkt am Strand) oder an der Cala Domestica an. 

Küstenstrasse zwischen Alghero und Macomer

Küstenstrasse zwischen Alghero und Macomer

Am nächsten Tag geht es für uns erst mal auf eine kleine Wandertour: Von Nebida wandern wir zum „Porto Corallo“. In der Gegend wurde bis vor 30 Jahren Eisenerz abgebaut und verschifft. Für den Abtransport wurden verschiedene Buchten genutzt, die dann jeweils mit „Porto“, also Hafen betitelt wurden.

Ausblick von Nebida zum „Pan die Zucchero“

Ausblick von Nebida zum „Pan die Zucchero“

Vom Bergdorf Nebida geht es in mehreren kleinen Etappen immer wieder hinunter ans Wasser uns dann wieder hinauf auf einen Bergrücken. Mehrere kleine Häfen werden passiert bevor es wieder in die Macchia (das Gestrüpp) geht. Am Porto Corallo hat man eine wunderbare Aussicht auf den „Pan di Zucchero“, den Zuckerhut. Ein Klettersteig führt auf den Felsklotz vor der Küste, in den man direkt vom Boot einsteigt. Die Boote starten am „Porto Flavia“ (Voranmeldung notwendig). Leider ist während unserer paar Tage im Südwesten der Insel die See zu wild und die Boote fahren nicht. Somit bleibt uns das Erlebnis für dieses Mal verwehrt…

Wilde Wege entlang der Küste zwischen Nebida und Porto Corallo

Wilde Wege entlang der Küste zwischen Nebida und Porto Corallo

Wieder zurück in Nebida kann man noch in rund 20 Minuten um das „Belvedere“ laufen und die Aussicht auf die Küste und das Meer genießen. Hier trifft man sich auch zum Sonnenuntergang auf einen Aperitif oder auf eine leckere (und trotzdem preisgünstige) Pizza am wohl besten Sonnenuntergangs-Spot ganz Sardiniens.

Der „Pan di Zucchero“ im Blick

Der „Pan di Zucchero“ im Blick

In Porto Flavia versuchen wir einen Parkplatz zu ergattern, um einen Blick auf die alten Minen zu werfen. Am Sonntag gehört der Strand hier aber den Einheimischen und so sind die Parkplätze proppenvoll und es zieht uns direkt über die steilen Bergstrassen und die vielen Serpentinen weiter. Wir befinden uns hier immerhin auf der steilsten Strasse Sardiniens.

Strand an der „Cala Domestica“

Strand an der „Cala Domestica“

Auf dem Heimweg besuchen noch die „Cala Domestica“. Einen wunderschönen, aber heute beeindruckend wilden Strand, umrahmt von Felsen. Wenn man auf der rechten Seite unterhalb der Felsen dem Weg folgt, kommt man zu einem kleinen Tunnel. Dahinter versteckt sich ein weiterer kleiner Strand. 

Der Strand von Portixeddu

Der Strand von Portixeddu

Der nächste Tag ist Strandtag. Wir verbringen den ganzen Tag am Strand von Portixeddu. Hier ist schon deutlich Nachsaison und nur wenig los. Zumindest die Strandbar hat noch offen und wir gönnen uns Nachmittag ein Eis.

Ausgebremst: Warten auf den italienischen ADAC…

Ausgebremst: Warten auf den italienischen ADAC…

Ausgebremst…

Für uns soll es am nächsten Tag eigentlich weiter in Richtung Ostküste gehen, ein kleiner Motorschaden bremst uns aber schon kurz hinter Buggeru aus. Das Wohnmobil bleibt einfach stehen und will nicht mehr anspringen. Zum Glück sind wir beim ADAC Plus-Mitglied und nach einem Anruf in München werden wir eine Stunde später vom italienischen Cousin des ADAC aufgeladen. Für rund eineinhalb Stunden gurken wir im Abschleppwagen durch das sardinische Hinterland bevor uns der Wagen in Iglesias an einer Fiat-Werkstatt absetzt. Natürlich ist gerade Mittagspause und wir warten bis 15 Uhr bevor die ersten Mitarbeiter eintreffen. Wir werden vom Inhaber der Werkstatt freundlich empfangen und er kümmert sich die nächsten Stunden rührend um uns uns unser Womo. Zum Glück spricht meine Frau etwas italienisch.

Blick zurück nach Buggeru, in der Bildmitte der Womo-Stellplatz

Blick zurück nach Buggeru, in der Bildmitte der Womo-Stellplatz

Der Fehler ist schnell gefunden: Ein Ventil bei der Abgasrückführung ist verstopft und das Teil muss getauscht werden. Allerdings muss das auf der Insel erst Mal organisiert werden. Wir haben aber Glück: Die Werkstatt schickt uns nach drei Stunden mit einem notdürftig fahrtüchtig gemachten Wohnmobil zurück auf die Strasse. So steuern wir für die Nacht den Strand von Fontanamare an, bevor es am nächsten Tag nochmal in die Werkstatt geht, um das Ersatzteil einzubauen. 

In der Altstadt von Iglesias

In der Altstadt von Iglesias

Der Besitzer der Autowerkstatt fährt uns kurz in die Innenstadt, verpasst uns dabei noch eine kleine Rundfahrt und erzählt uns etwas über seine politischen Ansichten, die Geschichte der Insel und und und… ein schönes Erlebnis obwohl wir doch etwas unsicher sind, ob das mit dem Wohnmobil heute klappt, was das ganze kostet, und ob wir dann heute weiter kommen. 

Café in der Altstadt von Iglesias

Café in der Altstadt von Iglesias

Iglesias ist eine schöne, sardinische Stadt. Touristen verirren sich hierher anscheinend aber nur selten. Die ehemalige Bergarbeiter-Stadt, hat eine wunderschöne Innenstadt mit guten Einkaufsmöglichkeiten, Restaurants, Eisdielen. Allerdings auch eine Mittagspause, die sich auf praktisch alles auswirkt. Die komplette Innenstadt bis auf ein Restaurant und ein, zwei Cafés schließt praktisch von 13 bis 16 Uhr. Wer der Stadt eine Stunde oder zwei widmet, kann hier eine schöne sardische Stadt kennenlernen. Einen guten Überblick über die Stadt bekommt man vom (kostenlos) begehbaren Stadtmauerturm oberhalb der Stadt. 

Fußgängerzone in der Altstadt von Iglesias

Fußgängerzone in der Altstadt von Iglesias

Am Abend machen wir uns auf den Weg zurück zur Autowerkstatt und nehmen dort unser wieder fahrtüchtiges Wohnmobil entgegen. 460€ kostet die Reparatur. Aber es geht zumindest heute noch weiter…

Am Strand von Villasimius

Am Strand von Villasimius

Der Osten

Nach unserer kleinen Iglesias-Odyssee lassen wir die Westküste und gleich auch Cagliari hinter uns liegen und steuern die Ostküste an: Es ist schon kurz vor Acht als wir in Villasimius den Wohnmobilstellplatz „Area Sosta Villasimius Campersimius“ ansteuern und gerade noch einen der letzten freien Plätze ergattern. Nicht mehr ergattern wir den Schlüssel für die Toiletten (2€), doch das stellen wir erst später fest. Denn zuerst parken wir das Wohnmobil, stellen Stühle und Tisch auf und richten uns noch kurz häuslich ein, bevor wir zum Picknick an den Strand verschwinden. Das Picknick wird aber ein kurzes: Erstens ist von der untergehenden Sonne hier praktisch nichts zu sehen, da die Sonne hinter der Insel verschwindet und zweitens werden wir von den Schnaken am Strand praktisch aufgefressen. Zurück am Stellplatz stellen wir fest, dass wir eben keinen Schlüssel für’s Klo besorgt haben, die Rezeption ist aber nicht mehr besetzt. Das Klo ist aber der eigentliche Grund, weshalb wir den Stellplatz angefahren haben – weil unser Wohnmobil weder ein eingebautes noch ein portables Klo hat.

Am Strand von Villasimius

Am Strand von Villasimius

Am nächsten Morgen besuchen wir den schönen, aber auch ganz schön vollen Strand. Das Wasser ist hier traumhaft klar und trotz der vielen Leute zeigen sich einige Fische. Etwas weiter unten am Strand gibt es sogar eine Kolonie an Flamingos. Die Animation und die vielen Leute treiben uns dann aber doch weiter auf die Strasse. Entlang der Küste geht es schön auf und ab, immer wieder etwas in die Berge, dann wieder hinunter an die Küste der Costa Rei bis zum Capo Ferrato. Dann nehmen wir die Schnellstrasse bis Bari Sardo. Hier erwarten uns Freunde am Campingplatz „La Pineta“. Ein überwiegend in deutscher Hand befindlicher, sehr sauberer, gastfreundlicher Platz mit eigener Pizzeria,  nur wenige hundert Meter vom Strand.

Klettern in Ulassai

Klettern in Ulassai

Klettern in Ulassai

Nach einem kurzen Badeausflug am Morgen, machen wir uns für den Nachmittag auf nach Ulassai: Zu Recht der bekanntesten Kletterspots Sardiniens. Oberhalb des Ortes gibt es mehrere Klettergebiete. Wir erforschen heute den Canyon oberhalb der Kirche. Hier gibt es rund 120 Kletterrouten in den Schwierigkeitsgraden 4 bis 8. Von Juli bis September befinden sich die Kletterrouten zumeist im Schatten. 

Wir parken an der Strasse in Richtung Sportgelände und laufen zurück zur Kirche. Dann hält man sich bei den Steinschlagverbauungen links und folgt dem Pfad hinauf in den Canyon. Während sich schon einige Kletterer an den schwierigeren Problemen auf der linken Seite verlustieren, suchen wir uns mit den zwei Familien und gesamt vier Kindern leichtere Routen auf der rechten Seite. Mit der „Pio Pio“ (4b) und zwei weiteren Routen (5a und 5b) nebenan sind wir den Nachmittag beschäftigt.

Klettern in Ulassai: Auf dem Weg in den Canyon

Klettern in Ulassai: Auf dem Weg in den Canyon

Zurück zum Auto geht es dann durch den Rest des Canyons und am Sportplatz vorbei. Eine schöne kleine Runde, auch als abwechslungsreiche Wanderung mit Kindern geeignet. Die Topo gib’s übrigens hier kostenlos zum Download: https://www.climbingsardinia.com/climbing-areas/ulassai/

Unser Abend endet am Campingplatz in der Pizzeria bei einigen Bieren (2,50€ für 0,6l ;-) und leckerer Pizza.

An der Cala Goloritze

An der Cala Goloritze

Zur Cala Goloritze

Wir gönnen uns am nächsten Tag einen Strandtag, bevor wir weiter in den Nordosten wechseln. Auf dem Weg sammeln wir einige Impressionen, denn wir durchqueren das eindrucksvolle „Dach Sardiniens“, das Gennargentu Gebirge. Aber zuerst einmal besuchen wir den bekannte Strand der „Cala Goloritze“. Einer Bucht in den hohen Felsen des Küstengebirges unterhalb einer imposanten Felsnadel. Hierher kommt man entweder zu Fuß mit einem 2-stündigen Ab- und anschließendem Aufstieg zurück zum Parkplatz – oder mit dem Boot ab Cala Gonone, Orosei oder Arbatax.

Blick hinunter zur Cala Goloritze, in der Mitte die prägnante Felsnadel

Blick hinunter zur Cala Goloritze, in der Mitte die prägnante Felsnadel

Wir wollen den Abstieg zu Fuß wagen, dafür müssen wir unser kleines Wohnmobil aber zuerst auf die Su Golgo-Hochebene bewegen. Hierfür geht es zuerst ab Meereshöhe nach Baunei und dann in einigen Serpentinen im Ortszentrum von Baunei steil hinauf auf die Hochebene. Rund 470 Höhenmeter überwinden wir so schon vor Beginn der Tour. Mit einem größeren Wohnmobil (größer VW-Bus/Fiat Scudo) nicht zu empfehlen. Wer den Weg hinauf schafft, kann auch am Parkplatz mit dem Wohnmobil übernachten.

Zuerst steigt man rund hundert Höhenmeter auf bevor es 470 Höhenmeter auf schmalen steinigen Pfaden in der heißen Sonne bergab geht. Rund eineinhalb Stunden sind wir bis zur Bucht unterwegs. Es ist viel los, aber fast niemand im Wasser. Wir schnorcheln im glasklaren Blau, die Kinder springen vom Felsen ins kühle Wasser, der Felsen spendet derweil Schatten. 

An der Cala Goloritze

An der Cala Goloritze

Nach zwei Stunden im Wasser zieht es uns langsam wieder hinauf. Mit Pausen sind wir fast zwei Stunden in der sengenden Hitze unterwegs, dafür gibt es für uns und die Kinder Eis und kühle Getränke an der Bar am Parkplatz. Durchschaufen, bevor es mit dem Wohnmobil durch das Küstengebirge weiter in Richtung Norden geht.

Zurück in Baunei folgen wir der Strasse hinauf in die Berge. Bis auf knapp über 1.000 Höhenmeter zieht sich die Strasse bis zum Pass „Genna Silana“. Hier genießt man eine wunderbare Aussicht über die umliegenden Berge, aber auch hinunter in den Golf von Orosei. Der Pass ist auch ein Ausgangspunkt für die Wanderung in die Schlucht „Su Goroppu“.

Blick in den Golf von Orosei

Blick in den Golf von Orosei

Ab hier geht es die nächste Stunde in unendlich vielen Kurven abwärts. Zuerst bis zum Abzweig in Richtung Cala Gonone, dann weiter bis nach Orosei. Wir steuern den Campingplatz „Sa Prama“ an der Cala Ginepri an, um hier die letzten Tage unseres Urlaubs zu verbringen.

Strand am Camping Sa prama / Golf von Orosei

Strand am Camping Sa prama / Golf von Orosei

Der Campingplatz ist gut besucht, aber sehr sauber. Ein Supermarkt, eine Pizzeria und direkter Strandzugang zum schönen Sansdstrand mit strahlend blauem Wasser sorgen für unbeschwerte Tage. Wir schnorcheln, spielen am Strand Volleyball, lesen, spielen im Sand… 

Früh morgens am Golf von Orosei

Früh morgens am Golf von Orosei

Der Nordosten

Für den letzten Tag haben wir noch einen Ausflug in die Costa Smeralda geplant. Nach einem letzten Einkauf in Olbia fahren wir nördlich bis nach Portisco und parken am kostenpflichtigen Parkplatz der „Spiaggia Rena Bianca“. 

Vom Parkplatz geht es wenige hundert Meter auf einer Schotter-Strasse hinab zum Meer. Rechts liegt der gut besuchte Strand „Rena Bianca“ mit Restaurant, Bar und Animation. Wir suchen eher die Ruhe und folgen einem Pfad nach links zu den Buchten der „Cala Razza di Giunco“. Hierher verirren sich nur wenige Urlauber und somit haben wir den Strand fast komplett für uns alleine. Nur das Wasser ist hier vom starken Wellengang der letzten Nacht aufgewühlt und nicht so klar wie wir es an anderen Stränden bisher gewohnt waren. Dafür hat man hier den Ausblick auf millionenschwere Yachten, die hier vor Anker liegen. Im Wasser gibt es aber nichts zu meckern: Fischschwärme trauen sich heute bis direkt an den Strand – und auch eine Scholle sowie diverses anderes Fischgetier schwimmt uns vor die Taucherbrillen. 

Der Nordosten Sardiniens: Wo sich die „Reichen und Schönen“ tummeln…

Der Nordosten Sardiniens: Wo sich die „Reichen und Schönen“ tummeln…

Zurück am Parkplatz nutzen wir noch die Dusche (kostenpflichtig!), um nicht vom Meerwasser versalzt auf die Fähre gehen zu müssen. Uns zieht es langsam zurück nach Golfo Aranci, denn die Fähre wartet heute noch auf uns. Zuerst suchen wir uns aber noch eine Eisdiele und genießen wie viele Einheimische noch etwas die Sonne am Stadtstrand. 

Dann geht es in den Fährhafen und auf die Fähre. Leider haben wir ein älteres Modell der Corsica Sardinia Fernes erwischt. Aber es ist nicht viel los und wir finden einen ganz gemütlichen Platz um uns für die Nacht zu betten. Die Nachtfähre spuckt uns dann in der Früh um 5.30 Uhr in Piombino aus. Für uns geht es direkt auf die Autobahn, über Nacht bleiben wir noch in Lindau am Bodensee und gehen zum Ausklang gemütlich essen bevor uns am nächsten Tag die Heimat und der Regen erwarten.

Abschied von Sardinien

Abschied von Sardinien

Sardinien – Die Insel für Wohnmobilisten

Sardinien ist wirklich eine geniale Insel für Wohnmobilisten: Es gibt ausreichend Campingplätze mit Komfort und in regelmäßigen Abständen Wohnmobilstellplätze – teils mit genialer Aussicht oder Lage direkt am Strand. Außerhalb der Saison (bis Mitte Juni/ab Mitte August) wird auch das „wilde“ Camping auf vielen Parkplätzen toleriert.

Die Verbindungsstrassen im Landesinneren sind gut ausgebaut und auch die schmäleren Küstenstrassen mit dem Wohnmobil gut befahrbar. Zumeist hat man sogar die Auswahl zwischen einer Bundesstrasse und einer schmalen Küstenstrasse, zwischen der man immer wieder wechseln kann. Gerade an der Ostküste kommt man mit dem Wohnmobil relativ gut voran.

Man muss jedoch immer etwas mehr Zeit einrechnen, da sich die Strassen immer wieder durch Küstengebirge und über Passhöhen winden.

Am Golf von Orosei

Am Golf von Orosei

Sardinien vs. Korsika

Sardinien hat mich persönlich positiv überrascht: Wer auf der Suche nach einsamen Orten ist, findet ab Mitte August durchaus ein Plätzchen. Gerade der Nordwesten und die Westküste sind weit weniger touristisch und erheblich weniger überlaufen als die Ostküste. Gerade die südliche Westküste rund um Portixeddu mit ihrer wilden Küste und genial von Felsen gerahmten Sandstrände hat mich beeindruckt. Sardinien ist mit seinen gut ausgebauten Strassen und teilweise sehr weitläufigen Flächen eher etwas für Reisende, die Weite auch auf einer Insel suchen. Die gut ausgebauten Strassen machen es auch dem Wohnmobil-Einsteiger leicht, die Insel zu erkunden. Mit der italienischen Küche ist der normale Deutsche dank der Pizzeria um die Ecke schon vertraut.

In Korsika bestimmt das weit höhere Gebirge bei erheblich weniger Fläche die Insel. Das macht die Insel vom Eindruck her enger, rauher – und kostet Nerven unterwegs. Die engen Küstenstrassen und so manche bergige Verbindungsstrasse zwischen Ost- und Westküste sind für den Wohnmobilisten eine Herausforderung. Und die französische Küche hat den Ruf des teuren, exklusiven. Wer aber die französische Mentalität und das französische Menü für sich entdeckt, findet in Korsika eine wunderschöne, etwas verschrobene Insel mit Abwechslung auf kleinster Fläche.

Für uns ist Sardinien eine Reise wert und gerade für den Wohnmobil-Einsteiger zu empfehlen. Wer eine wilde Alternative zu Sardinien sucht, der ist in Korsika gut aufgehoben. Sardinien ist auch ein guter Übungsurlaub für die nächste Reise nach und durch Korsika…

Sonnenuntergang in Nebida

Sonnenuntergang in Nebida

2 Antworten zu " Mit dem Wohnmobil nach und um Sardinien: Baden, Wandern, Klettern "

  1. Franzi Heine sagt:

    Danke für euren Bericht zum Reisen mit Wohnmobil! Meine Eltern möchten sich bei der Wohnmobilvermietung ein Wohnmobil kaufen und durch Südfrankreich fahren. Sardinien werde ich denen aber mal empfehlen!

  2. Thomas sagt:

    Hallo Franzi, Sardinien ist für den Wohnmobilisten eine Trauminsel. Natürlich ist auch die Côte d`Azur nicht zu verachten, aber eine Insel ist dann doch was ganz anderes. Und gerade für den Wohnmobil-Einsteiger bietet sich eine gute Auswahl an komfortablen Campingplätzen und einfachen Stellplätzen direkt am Strand. Wünsche dir und deinen Eltern viel Spass mit dem neuen Wohnmobil!

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