Retten und retten lassen: Das kostet eine Bergrettung

Wieviel kostet eine Bergrettung, was bekommt eigentlich ein Bergretter und wer zahlt das ganze eigentlich?

Veröffentlicht am Kategorisiert in Berge

Wer aktiv in den Bergen unterwegs ist, läuft immer wieder Gefahr, sich zu verletzen, abzustürzen oder bei einem Wetterumschwung die Orientierung zu verlieren. Wer in den Bergen oder aus einem Klettersteig gerettet werden muss, muss damit rechnen, einen Teil der Kosten selbst tragen zu müssen.

Die Statistik des Deutschen Alpenvereins über die Unfälle im Bergsport spricht hier Bände: Im Jahr 2013 waren 40% der gemeldeten Unfälle der Mitglieder sind sogenannte „Blockierungen“, also Situationen, in denen beim Alpinklettern oder im Klettersteig aus Angst oder Überforderung eine Rettung aus der Wand notwendig war. Also Fälle, die durch eine sorgfältigere Tourenplanung oder eine bessere Selbsteinschätzung vermeidbar gewesen wären.

Wieviel kostet eigentlich eine Bergrettung?

Notfalleinsätze Berg
Hierzu zählt die Rettung eines erkrankten oder verletzten Bergsportlers, der im Anschluss ärztlich behandelt werden muss. Auf Basis des Sozialgesetzbuches V werden diese Kosten je nach Aufwand durch die Krankenkassen mit definierten Pauschalen erstattet. Es fallen keine weitere Kosten seitens der Bergwacht Bayern an.

Sondereinsätze Berg
Bei diesen besonderen Einsätzen können die Krankenkassen keine Leistungen übernehmen. Die entstandenen Kosten müssen pauschal mit den Betroffenen oder Angehörigen verrechnet werden:

Sondereinsatz Berg 1: 980,- €
Lawineneinsatz, Vermisstensuche mit erhöhtem Aufwand… Werden hier mehr als 50 Einsatzkraftstunden erforderliche, wird über die Pauschale hinaus jede weitere Einsatzkraftstunde mit 10 Euro angesetzt und bis zu einer täglichen Obergrenze von 2.500 Euro aufgerechnet. Der tatsächliche Aufwand kann nur bedingt erfasst und nachgewiesen werden. Die Pauschalen liegen in einem Großteil der Fälle deutlich unter dem tatsächlichen Aufwand. Hier können jedoch trotzdem schnell mehrere Tausend Euro an Bergungskosten zusammenkommen.

Sondereinsatz Berg 2: 490,- €
Sachbergung, Tierbergung, Pilotenbergung unverletzt, Vermisstensuche geringer Aufwand

Sondereinsatz Berg 3: 245,- €

Wer bezahlt eine Rettung eigentlich?

Wie oben beschrieben fallen meist nur Bergungspauschalen an, die durch die Krankenkassen oder Versicherungen getragen werden. Einen Teil der Kosten übernimmt regelmäßig die Bayerische Staatsregierung (vor Allem Kosten für die Helikopterflüge, etc.). Die übrig bleibenden Kosten werden von der Bergwacht durch Spenden gedeckt. Der Spendenanteil liegt dabei jährlich bei rund 2,4 Mio Euro.

Wie versichere ich mich am geschicktesten?

Mitglieder des Deutschen Alpenvereins sind automatisch bei Bergunfällen versichert. Hier werden die Kosten der Bergung also komplett übernommen. Einfachste und mit 45€ bis 90€ Jahresbeitrag kostengünstigste Möglichkeit also: Mitglied beim Alpenverein werden!

Was bekommt eigentlich ein Bergretter?

Die Bergretter arbeiten grundsätzlich ehrenamtlich. Auch das Equipment beschafft jeder Bergretter für sich selbst, das sind rund 2.000€ Kosten an Equipment pro Person! Dazu gehören bergtaugliche Bekleidung für jede Jahreszeit, Schutzhelm, Sicherungsgurt, Stirnlampe, Lawinenrucksack und vieles mehr. Diese Grundausrüstung muss jeder Bergretter immer griffbereit haben. Zudem finanzieren Bergretter ihre Skiausrüstung, Bergschuhe, Unterbekleidungen, Steigeisen und Eisgeräte für Training und Ernstfall aus eigener Tasche.

Wer unterstützt die Bergretter in der Ausbildung und im Einsatz?

Bisher hat den Aufwand für Aus- und Fortbildung die Bergwacht Bayern getragen. Seit rund einem Jahr gibt es die Stiftung Bergwacht, die sich in Zukunft um die Belange der Bergretter kümmert. Sie betreibt in Bad Tölz ein Schulungszentrum mit einem weltweit einmaligem Helikopter-Simulator, in dem sich Einsätze in realistischem Umfeld trainieren lassen.

In Zukunft will die Stiftung Bergwacht auch bei der Anschaffung des Equipments der Bergretter unterstützen Hierfür sucht die Stiftung noch Unterstützung durch Firmen und Stifter.

Weitere Informationen und Quellen:

Weitere Informationen gibt es hier auf der Website der Stiftung Bergwacht.

Einen Interessanten Überblick zum Thema gibt es auch in der Sendung „jetzt mal ehrlich – Abenteuer ist nicht lustig“ in der BR Mediathek.

Unfallstatistik 2013 beim Deutschen Alpenverein DAV

Bergwacht Bayern: Kosten der Bergrettung

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Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)