Der schönste Flachlands-Klettersteig – der Höhenglücksteig

Nicht nur wenn im Frühjahr in den Bergen noch zu viel Schnee liegt oder im Herbst die Hütten in den Bergen schließen, gibt es im Nürnberger Umland, der Fränkischen Schweiz, einige gemütlichere Touren. Wer etwas Abenteuer am Klettersteig sucht, ist hier aber genauso gut aufgehoben: Der Höhenglücksteig und sein kleiner Bruder, der Norissteig, im Nürnberger Osten laden zum Einstieg ins Klettersteigeln ein.

Es ist Sonntag früh und es hat letzte Nacht geregnet. In den Bergen hat es bis 1.600 Meter herunter geschneit und die meisten Hütten haben die Saison schon beendet. Und in die Berge sind es doch fast 2,5-3 Stunden bis zum Tourstart. Also geht es für uns diesmal nur in einer dreiviertel Stunde „in die Fränkische“ bzw. die „Hersbrucker Alb“.

Wir verlassen die Autobahn A9 bei Lauf und folgen der B14 in Richtung Sulzbach-Rosenberg. Vorbei an Reichenschwand und um Hersbruck herum, dann weiter auf der Landstrasse durch Eschenbach und Fischbrunn nach Hirschbach. Auf dem Wanderparkplatz vor dem Ort stehen selbst bei dem heutigen Nieselwetter schon früh ein paar Autos.

Wir überqueren die Strasse und folgen dem Feldweg in den Wald hinauf. Nach wenigen Metern biegt der einfachere Norissteig hier links ab, während wir dem Fahrweg weiter folgen. Im Hintergrund spitzt schon die Wand aus dem Wald heraus, an der wir in rund 20 Minuten ankommen. Im Kessel vor der Wand gibt es einen Einsteiger-Klettersteig, die Bambini Ferrata, an der sich Kinder und auch Klettersteig-Einsteiger mit der Technik des Klettersteigens vertraut machen können. Hier gibt es neben Querungen und Aufstiegen am Stahlseil sogar eine kleine Seilbrücke zu besteigen.

Der erste Teil (B/C/D)

Wir wenden uns aber direkt nach links und legen die Klettersteigsets an. Es geht gleich steil los: Zuerst geht es einen Kamin hinauf, dieser ist mit Stiften aber ohne Seil gesichert (1+,B/C). Man kann den Einstieg auch rechts umgehen. Mittlerweile gibt es hier ein neues schwieriges Einstieg-Stück am Einstieg.

Nach einem kurzen Gehstück folgt eine erste Querung, die ideal zum Üben dient. Dann geht es als erste „Mutprobe für Einsteiger“ hinauf und um die Ecke und teilweise auf Stahlstiften an der Wand entlang. Wiederum nach einem kurzen Gehstück geht es wieder angeseilt bis zur Holzbrücke (schöne Aussicht). Ab hier geht es wieder auf Stahlstiften recht schwer in einer Niesche um die Ecke. Hier ist etwas Vertrauen auf den Halt der Schuhe auf den Stahlstiften und kurz etwas Mut vonnöten. Nach der Niesche folgt ein leichter Abstieg zum Weg, der unten um die Wand geht.

Der zweite Teil (C/D/E)

Der Einstieg in den zweiten Teil geht über die recht abgespeckte „Wittmann-Schikane“, kann aber auch einfach unterhalb umgangen werden. Die zweite Drittel des zweiten Teils ist dann wieder eine Wandquerung auf Stahlstiften, bevor es nach einem kurzen Gehstück etwas weiter oben weitergeht. Wer hier aussteigen will, kann einfach der Rinne nach oben folgen und dann den Wanderweg entlang zurück zum Einstieg.

Das letzte Drittel des zweiten Teils macht’s dann nochmal etwas spannend: Man folgt dem Wandverlauf wieder teils auf Stein, teils auf Stahlstiften bis zum „Petrus-Pfeiler“ (auch eine Klettertour) und quert dann zwischen diesem und der Wand in rund sechs bis sieben Metern Höhe bis zum Ausstieg.

Die Höhlen-Variante

Ein kleines Schmankerl gibt es natürlich auch im zweiten Teil: Die Höhlenvariante.

Hier geht hält man sich am Ausstieg eher rechts und folgt nicht dem Weg nach links hinunter. Zwischen Felsen hindurch geht der Abstieg durch ein Loch zwischen großen Steinen hindurch. Bei glitschigem Steinen rutscht man hier eher hinab, kontrolliertes Bewegen wird hier dann schwer, Der Abstieg sind aber nur rund zwei bis drei Meter und schon hat man die Variante hinter sich…

Für Experten: Der dritte Teil

Der dritte Teil beginnt im wahrsten Sinne des Wortes mit einem Spagat. Kleine Klettersteigler werden hier ihre Probleme haben, denn der Einstieg ist bewusst etwas schwierig gehalten.

Der dritte Teil besteht aus einer Wandquerung in rund 15 Metern Höhe, die mit recht kleinen Tritten aufwartet und deren teilweise nicht wirklich vertrauenserweckende Stahlstifte nicht wirklich waagrecht stehen (C/D).

Bei Niesel und Feuchtigkeit nicht unbedingt zu empfehlen. Ich würde für alle „nicht unbedingt Profis“ defintiv eine Rastschlinge empfehlen ;-) Ich hatte natürlich leider wieder keine dabei,… dementsprechend gibt’s hier leider keine Fotos…

Und wieder zurück…

Vom Ausstieg aus geht es über den Bergrücken in knapp 10 Minuten zurück in Richtung Bambini-Steig und von dort dem Weg folgend zurück zum Parkplatz. Einen Zwischenstopp wert ist die Bank mit schöner Aussicht oberhalb der ersten Wand.

Sichern? Mit Kindern?

Für Einsteiger und mit Kursen lässt sicher der Höhenglücksteig teilweise von oben sichern, hierfür sind teilweise Ringe eingelassen. Mit Kindern empfiehlt sich die Bambini Ferrata am Einstieg des Höhenglücksteigs und auch der leichtere Norissteig.

Einkehr

Wer den Höhenglücksteig begangen hat, hat sich sein Schäuferle verdient, so auch wir ;-)
In Hirschbach und Fischbach gibt es mehrere, fränkisch-urige Gaststätten zur Einkehr, wie z.B. den Goldenen Hirsch in Hirschbach.

Topo

Eine gute Topo des Höhenglücksteigs gibt’s bei www.bergsteigen.com.

Anfahrt

Autobahn A9, Ausfahrt Lauf Nord, dann auf der B14 bis nach Hersbruck, weiter ins Affaltertal und dann nach Hirschbach. Kostenloser Wander-Parkplatz vor Hirschbach.

 

Autor

Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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