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Im Interview: Alexander Düren von der Ultraleicht-Rucksack-Manufaktur WeitLäufer

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Wenn alte Bekannte sich mit einem neuen Thema selbständig machen, muss man natürlich mal nachfragen. So haben wir Alexander Düren von der Ultraleicht-Rucksack-Manufaktur WeitLäufer zum Interview gebeten. Neben seiner Manufaktur betreibt Alex auch den Blog bergreif.de mit vielen lesenswerten Themen rund um das Fernwandern und ultraleichtes Trekking.

Hallo Alex, wir kennen uns ja schon seit längerem. Vor rund fünf Jahren waren wir gemeinsam bei einigen Blogger-Aktionen unterwegs. Seitdem hat sich bei dir viel geändert. Du warst viel Wandern, hast auf bergreif.de viel gebloggt, bist nach Freiburg gezogen und dann gibt’s ja jetzt Rucksäcke von dir. Wie kam das?

Hallo Thomas, danke erstmal für dieses Interview!

Genau, in den letzten Jahren hat sich viel bewegt. Hauptsächlich war unsere Alpendurchquerung von Wien nach Nizza dafür verantwortlich. Für die knapp 4-monatige Wanderung haben wir unsere Wohnung in Köln aufgegeben und wollte uns erst nach dem Erreichen des Ziels auf einen neuen Wohnort festlegen.

Aufgrund der Nähe zum Hochschwarzwald und der guten Anbindung an die Schweizer Alpen haben wir uns dann Mitte 2017 für Freiburg im Breisgau entscheiden. Die absolut richtige Wahl!

Alexander Düren, Blogger auf bergreif.de und Produzent der WeitLäufer Ultraleicht-Rucksäcke
Alexander Düren, Blogger auf bergreif.de und Produzent der WeitLäufer Ultraleicht-Rucksäcke

Ihr seid dann vorletztes Jahr ja 1.900 Kilometer von Wien nach Nizza gelaufen. War da der neue Rucksack schon an Bord?

Bei dieser Tour war ein fortgeschrittener Prototyp dabei. Die Materialien waren vergleichbar, jedoch war der Schnitt und die Ausstattung noch etwas anders. Aber die Fernwanderung eignete sich optimal, um die Details und Feinheiten des finalen Modells auszuloten.

Was war deine wichtigste Erfahrung unterwegs? Wie hält man eine so lange Wanderung durch? Wie motiviert man sich auf einer 3,5-monatigen Wanderung Tag für Tag?

Eine einzelne Erfahrung herauszustellen finde ich schwierig. Schlussendlich war die gesamte Tour ein unvergessliches Erlebnis.

Aber die Erkenntnis, dass der eigene Körper knapp 4 Monate lang und über 1900 km gute 100.000 Höhenmeter überwinden kann, war schon eine beeindruckende Feststellung am Ende der Alpendurchquerung, die meinem Selbstbewusstsein viel Kraft gegeben hat.

Unterwegs war es tatsächlich überhaupt nicht schwer sich zu motivieren. Abgesehen von vielen Gewittern hatten wir fast ausschließlich sonniges Wetter. Und waren einmal ermüdende Abschnitte oder langweilige Passagen dabei, motivierte meist schon die Aussicht auf die nächste Gebirgsregion. Das war zum Beispiel auf dem asphaltlastigen Salzsteigweg-Abschnitt in Kärtnen der Fall.

Doch die Aussicht auf die Julischen Alpen machen den anstregenden Teil schnell erträglich.

Zurück zum Thema Ultraleicht-Rucksäcke: Was macht einen Ultraleicht-Rucksack aus?

Die Reduzierung auf das Wesentliche. Auf schwere und für viele Touren überdimensionierte Tragesysteme wird verzichtet, da diese mit leichter Ausrüstung nicht zwingend notwendig sind. Gleiches gilt für alle Features, die für das Wandern nicht unbedingt nötig sind, wie zum Beispiel ein zusätzlicher Deckelverschluss. Ein simpler Rollverschluss reicht meistens und schützt den Inhalt gleichzeitig besser vor Regen und Feuchtigkeit. Zudem sind Ultraleicht Rucksäcke oft besonders für längere Touren und Fernwanderungen optimiert, also Wanderungen bei denen man Tag für Tag viele Stunden unterwegs ist. Daher sind die Außentaschen meist so ausgelegt, dass einige davon auch erreichbar sind, ohne den Rucksack abzusetzen.

Stichwort Ultraleichte Materialien: Sind die denn robust genug für den täglichen Einsatz auf langen Touren?

Bei der Auswahl der passenden Material Kombination absolut. Hochwertige UL-Rucksäcke sind meiner Erfahrung nach nicht weniger robust, als manches konventionelle Exemplar. Bei den WeitLäufer Rucksäcken kommt standardmäßig robustes 500D Cordura sowie 210D X-Pac VX21 zum Einsatz. Beides Materialien die eine hohe Reiß- und Abriebsfestigkeit besitzen.

Wie packt man einen solchen Rucksack am besten?
Muss man da bestimmte Dinge beachten?

Im Prinzip gelten für deinen Ultraleicht Pack die gleichen Packregeln wie für den traditionellen Trekkingrucksack auch.

Grob gesagt: schwere Sachen nach an den Rücken, der Schlafsack am besten ganz nach unten und zu viel Leerraum vermeiden. Da der UL-Pack oft ohne Tragesystem auskommt, ist es da noch wichtig ihn feste und kompakt zu packen. So gibt der Rucksack sich durch den Inhalt die Struktur und Stabilität die es braucht, um ihn lange bequem zu tragen. Und auch etwas Gewicht auf die Hüfte verlagern zu können.

Was wären denn deine Empfehlungen hinsichtlich der wichtigsten Ausstattung beim Fernwandern?
Also Isomatte, Schlafsack, Zelt?

Bei Schlafsacken bin ich im Sommer ein Freund von sogenannten Quilts. Das sind Schlafsäcke denen, vereinfacht gesagt, das Rückenteil und die Kapuze fehlen. Somit wird Gewicht gespart, ohne viel Isolationsleistung zu verlieren. Bei den Zelten empfinde ich Pyramiden Tarps als ideal. Sie sind sehr leicht, mit ein wenig Übung schnell aufzubauen und sehr stabil bei Wind und Wetter. Da ich Seitenschläfer bin, bevorzuge ich bequeme aufblasbare Isomatten. Zum Glück sind die aktuellen Modelle von Therm-a-Rest bespielsweise gleichzeitig auch sehr leicht. Aktuell etwa ab 250 Gramm.

Wie so eine Ultraleichte Packliste aussieht, kann man in diesem Artikel nachschauen.

Worauf würdest du auf Tour definitiv nicht verzichten, obwohl ja alles Gewicht ausmacht?

Ein Sitzkissen :)

Nochmal zu deiner Manufaktur: Wie läuft die Produktion an?
Kann man von einer Rucksack-Manufaktur leben oder hast du noch einen „richtigen“ Job?

Da die Rucksack Produktion ja mittlerweile schon gut ein Jahr läuft, kann ich sagen, dass man davon gut leben kann. Ich betreibe WeitLäufer und den BergReif-Blog schon länger in Vollzeit. Anders ist das wohl auch kaum zu managen. Aktuell widme ich etwa 40 Stunden die Woche den Rucksäcken und nochmal 10 Stunden dem Blog. Glücklicherweise haben wir für WeitLäufer seid knapp 3 Monaten auch eigene Produktionsräume, was die Herstellung und Entwicklung deutlich verbessert und beschleunigt hat.

Du hast ja früher auch schon Rucksäcke aus Ikeataschen genäht. Würdest du das immer noch machen?

Kürzlich habe ich das sogar noch einmal gemacht. Quasi um die Anfänge noch einmal Revue passieren zu lassen. Denn mein erster Rucksack war tatsächlich aus IKEA Taschen genäht.

Alex bei der Produktion seiner WeitLäufer Ultraleicht-Rucksäcke

Wie geht’s nächstes Jahr weiter?
Wie werden sich die Rucksäcke verändern?

Die Produktpalette wird sich etwas erweitern und die aktuellen Modelle weiter verbessert und aktualisiert. Mitte Februar 2020 wird es dann für die neue „Kollektion“ vermutlich so weit sein. Geringes Gewicht, hochwertige Materialien und intuitive sowie schnelle Nutzbarkeit sind auch fürs nächste Jahr Priotität.
Zudem experimentiere ich gerade mit für mich neuen Materialien für zusätzliche Rucksackmodelle: wasserdichter Baumwolle und alten Segeln aus Dacron.

Danke für das Interview und die Beantwortung unserer Fragen. Und natürlich Danke, dass du uns einen deiner genial leichten Rucksäcke für unseren Outdoor-Adventskalender bereitstellst! Wir freuen uns darauf, noch viel von deiner kleinen Rucksack-Manufaktur zu hören!

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