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Vernünftige Tourenplanung

| Berge, Wandern

Die richtige Tourenplanung ist die wichtigste Voraussetzung für Spass auf Tour. Die Wanderung muss entsprechend der Erfahrung und Leistungsfähigkeit geplant werden. Zudem spielt natürlich die Tourenauswahl (Gelände, Tourenlänge, Höhenmeter und Gehzeiten) eine große Rolle, die unter anderem auch vom Wetter abhängig ist. Persönlich ist mir das Wetter ja ziemlich egal, aber unterwegs mit Familie und Kindern ist das ein ganz anderes Thema.

Ein Aufstieg im Schnee und Firn ist nichts für jedermann

Ein Aufstieg im Schnee und Firn ist nichts für jedermann

Eigene Leistungsfähigkeit & Erfahrung

Eine Tour will natürlich entsprechend dem eigenen Leistungsstand und Erfahrungsgrad gewählt sein. Ist man in der Gruppe unterwegs, richtet man sich eher an der Leistungsfähigkeit des „schwächsten Glieds“ –  man sollte dabei dann auch mehrere Pausen mit einplanen und demjenigen keinen Druck machen. Denn auch die Leute mit weniger Erfahrung oder Kondition sollen Spaß am Berg haben, denn deshalb gehen sie ja mit.

Den eigenen Leistungsstand kennt man normalerweise durch die benötigte Zeit bei den letzten Touren ganz gut. Ist man sich nicht mehr sicher (weil zum Beispiel die Winterpause dazwischen liegt), sollte man bei einer kleinen Tour vielleicht vorher noch einmal seine Kondition testen.

Generell gilt: Man sollte sich selbst nicht überschätzen und bei der Einschätzung der Touren realistisch bleiben. Vielleicht helfen auch Fragen wie: Was bedeutet für mich das Schild „Nur für Geübte“? Gehe ich Seilversicherungen ohne Probleme? Was will ich bei meiner Tour erreichen, was ist mir nicht so wichtig (z.B. Höhenmeter, schöne Aussicht, sportliche Tour, Genießertour)? Hat man seine Vorstellungen im Kopf, kann es an die Tourenauswahl gehen.

Schöne Wege gibt’s fast überall, am besten man schaut mal in einen Reiseführer ;-)

Schöne Wege gibt’s fast überall, am besten man schaut mal in einen Reiseführer ;-)

Die klassische Tourenwahl: Der Reiseführer

Der klassische Weg ist immer noch der einfachste: Reiseführer in Buchform bieten fundiert recherchierte Touren mit guter Beschreibung, Angaben zu Höhenmetern, Gehzeiten und Tourenlänge. Inklusive Empfehlung, für wen die entsprechende Tour am besten geeignet ist und welches Equipment benötigt wird.

Bewährt haben sich die Reiseführer aus dem Bergverlag Rother oder dem Bruckmann-Verlag. Im Mountainbike-Bereich die Guides aus dem Delius Klasing-Verlag. In Kombination mit einer klassischen Landkarte (1:25.000 um auch relevante Infos herauslesen zu können, für den Alpenraum seien hier vor allem Alpenvereinskarten ans Herz gelegt) in Papierform lassen sich hier unabhängig von Rechner und Internet Touren, Wege und mögliche Übernachtungen planen. Schnell eingepackt, offline ohne notwendige Akkuladung, Netz & Co. auch unterwegs.

Die Aussicht belohnt für vieles ;-)

Die Aussicht belohnt für vieles ;-)

Gelände, Tourenlänge, Höhenmeter und Gehzeiten

Wer sich nicht mit Karte, Höhenlinien & Co. auseinandersetzen will, kann digitale Mittel nutzen, die auf Basis der gewünschten Route ein Höhenprofil erstellen, Wegstrecke und Gehzeiten berechnen. Ein solches Mittel ist z.B. die Website outdooractive.com, die es auch als App gibt.

Hier lassen sich entweder Ziele eingeben oder Wegpunkte setzen und so schnell eine Route planen. Die Wanderwege zwischen den Punkten sind im System hinterlegt. Für Wanderungen, Berg- und Skitouren funktioniert das bestens. Bei Kletterrouten weniger. Dafür kann man für Skitouren in der Kartenansicht auch die Steilheit in Grad mit einblenden lassen (> 30 Grad, >35 Grad, etc.). Auch für die Auswertung nach einer Tour ist das Tool recht sinnvoll. Hier kann man selbst auch seine eigenen Touren den anderen Wandern zur Verfügung stellen.

Geplante Routen lassen sich dann als Gpx-Daten ausgeben, die dann z.B. über  das Garmin Basecamp auf ein GPS-Gerät wie das Garmin EPIX übertragen werden können und somit auch unterwegs digital bereit stehen.

Eine andere Möglichkeit ist natürlich auch die App des Alpenvereins, die nach der Planung unterwegs neben der Karte auch Kompass und Höhenmesser bereitstellt.

Der erste Schritt zur Tourenplanung ist für mich aber zumeist eine Google-Suche, das Studieren mehreren Tourenportale, Blogs & Infos von Leuten, die die gewünschte Route schon mal gegangen sind. Anhand der Textbeschreibung und Bilder kann man schon ganz gut einschätzen, in welchem Gelände die Tour stattfindet, wie lange die Tour ist und welche Anforderungen eine Tour hat.

Schnee Ende Juni im Rätikon

Schnee Ende Juni im Rätikon

Aktuelle Verhältnisse vor Ort

Die aktuellen Verhältnisse vor Ort einzuschätzen, ist der schwierigste Teil der Planung. Heute helfen einfachste digitale Mittel: Auf Seiten wie Foto-Webcam.eu lassen sich viele Regionen und Berge direkt ansehen. Mit einer Webcam lässt sich vor allem gut einschätzen, in welchen Regionen und Höhenlagen noch Schnee liegt.

Manchmal ist der beste Weg aber auch einfach zu fragen: entweder in den einschlägigen Foren im Netz, speziellen Gruppen auf Facebook oder auch einfach per Telefon. Keiner kennt die Wege um seine Hütte besser als der Hüttenwirt. Die meisten Hüttenwirte stehen für kurze Rückfragen (und natürlich für die Reservierung eines Bettes oder einer Matratze im Lager vorab) gerne zur Verfügung. Viele Hüttenwirte publizieren mittlerweile aktuelle Verhältnisse auch auf der Hütten-Homepage oder bei Facebook. Eine Übersicht über die Alpenvereinshütten findet sich natürlich auf der Seite des Alpenvereins.

Sonst hilft auch ein Anruf bei der lokalen Touri-Info. Für Oberstdorf gibt es z.B. die Alpininfo, eine Website, die zeigt, welche Hütten, Wege und Steige aktuell begehbar sind.

Gerade hat’s doch noch geregnet…

Gerade hat’s doch noch geregnet…

Wetter

Auch hier ist wohl die einfachste Möglichkeit eine Google-Suche: Einfach Ortsname & Wetter eingeben und schon bekommt man eine grobe Aussicht auf das Wetter der nächsten Tage. Interessant sind hier nicht nur Temperatur und Niederschlag, sondern auch die Vorhersage der Windstärke. Genauer wird’s dann mit dem Alpenwetter des Alpenvereins. Der Alpenverein bietet eine gute, detaillierte Einschätzung der nächsten zwei bis drei Tage und das vor allem auch auf die spezielle Bergregion gemünzt.

In den Wintermonaten ist auch immer die Schneelage ein interessantes und wichtiges Thema. Hier helfen zumeist die Webseiten der umliegenden Skigebiete mit Schneehöhen und Webcam.

Die Knorrhütte beim Aufstieg zur Zugspitz: Reservierungen am besten im März!

Die Knorrhütte beim Aufstieg zur Zugspitz: Reservierungen am besten im März!

Hüttenbelegung

Wer sich eine bestimmte Tour vornimmt und eine längere Anreise in Kauf nimmt (oder wie wir nehmen muss), will zumeist nicht auf einer komplett überfüllten Hütte am Boden der Gaststube nächtigen.

Bei den meisten „Modetouren“ kann man mittlerweile schon fast damit rechnen, eine unruhige Nacht zu haben, wenn man nicht Monate im Voraus für ein bestimmtes Wochenende im Juli, August oder September bucht. Abhilfe schafft hier entweder die Planung für unter der Woche oder ein neues Werkzeug der Alpenvereine: Die Online-Buchung. Hier sieht man direkt, welche Hütten schon belegt und welche noch frei sind. So kann man zuhause in Ruhe planen und findet sich so vielleicht auch mal in einer Gegend wieder, die er noch nicht kennt…

Alternativ hilft vielleicht auch „Azyklischen Wandern“ ;-)

2 Antworten zu " Vernünftige Tourenplanung "

  1. wooki sagt:

    Schöne Zusammenfassung, danke! Kann es sein, dass die Bildunterschrift beim letzten Bild falsch ist und es sich um die Knorrhütte und nicht um die Bockhütte handelt?

  2. Thomas sagt:

    Hallo Wooki,

    Da hast du natürlich Recht, da haben wir wohl im wahrsten Sinne des Wortes einen Bock geschossen.
    Danke für den Hinweis, das haben wir gleich ausgebessert.

    Grüße
    Thomas