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Mit Kindern auf die Berghütte

Das erste Mal mit Kindern auf der Berghütte ist aufregend. Nicht nur für die Kleinen, sondern auch für die Eltern: Finden sich die Kinder zurecht, wird vor lauter Aufregung überhaupt an Schlaf zu denken sein, schaffen wir’s überhaupt bis auf die Hütte? Wir zeigen euch, was es mit Kindern auf der Hüttentour braucht:

1. Vorbereitung 

Gerade mit Kindern muss man sich gut auf eine Tour mit Hüttenübernachtung vorbereiten, da man unterwegs nicht ohne Konsequenz umkehren und den Plan ändern oder vergessene Dinge schnell besorgen kann:

1.1 Auswahl der Tour

Grundsätzlich kann man mit Kindern bis in etwa 10 Jahre die auf Schildern und im Internet ausgewiesene Zeit verdoppeln und erhält somit eine realistische Schätzung der Wanderzeiten. Mehr als 1-2 Stunden Aufstieg zur Hütte werden die wenigsten Kinder bei den ersten Touren mitmachen. Erst wenn man mit seinen Kindern einige Touren hinter sich gebracht hat, weiß man schon eher, wie lange die Kinder durchhalten. 

Dabei sind aus unserer Erfahrung heraus zu leichte Touren oftmals auch zu langweilig. Eine Teer- oder Forststrasse bietet nur wenig Abwechslung, zieht sich in Kinderaugen ewig und führt zu Nörgelei. Auf einem Waldpfad oder steinigen Aufstiegen wechselt der Ausblick alle paar Momente. Auch eine kurze Kraxelpassage ist für die kleinen spannend und wird -im Gegensatz zu manchem erwachsenen Begleiter- auch ohne Angst akzeptiert und erfreut angegangen.

Idealerweise sollte auf dem Weg eine Klamm, ein See oder etwas interessantes sein, um die Kinder zum Weitergehen zu motivieren.

Mittlerweile gibt es viele ausgewiesene Familienwanderwege mit Möglichkeit einer Hüttenübernachtung, Spasswanderwege, etc. Auch die Kombination mit einem Erlebnispfad oder einem Waldrutschenpark wie z.B. am Golm im Montafon ist eine nette Art eine Wanderung abzukürzen oder interessant zu halten. 

Ideale Wanderziele mit Kindern sind in unseren Augen z.b. die Schönfeldhütte am Spitzingsee, das Bodenschneidhaus, das Brünnsteinhaus, die Peter-Wiechenthaler-Hütte im Steinernen Meer, das Staufener Haus am Hochgrat, die Schwarzenberghütte bei Bad Hindelang, die Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal oder die Lindauer Hütte im Montafon.

Auch talnahe Hütten wie das DAV Haus oder die Albert-Link-Hütte am Spitzingsee eignen sich ideal für den Familien-Hüttenurlaub.

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1.2 Packen

Neben der üblichen Wanderausstattung (Unterwäsche, Wanderhose, T-Shirt, Fleece-Jacke/Soft-Shell, Regenjacke, Wanderschuhe) und Wechselkleidung für ein eventuelles Malheur, gehört alles ins Gepäck, das das Kind benötigt und was auf einer Hütte nicht vorhanden ist. Dazu gehören natürlich bei ganz kleinen Kindern auch Windeln, Cremes und spezielle Nahrungsmittel. Für die Übernachtung auf der Hütte darf natürlich auch der Hüttenschlafsack nicht fehlen. Für Kinder gibt es auch ganz kuschelige Fleete-Schlafsäcke. Bei einer ersten Nacht auf der Hütte ist manchmal auch die Buchung eines kleineren Zimmers sinnvoll. Wenn man mit einer Gruppe unterwegs ist, ist auch die Übernachtung mit allen Kindern in einem Lager spannend (führt aber durchaus auch manchmal dazu, dass die Kinder erst spät einschlafen).

Auch für ausreichend Brotzeit, Getränke und Süßes als Motivation zwischendurch sollte gesorgt sein. 

Wenn das Lieblingskuscheltier, der LIeblingsschlafsack und vielleicht das Kuschelkissen fehlen, wird die Nacht für das Kind noch aufregender als eh schon- auch für die Erwachsenen. Deshalb ist ein kleiner Rucksack auch für die kleinen Bergfexe eine gute Idee: Hier werden die wichtigsten Dinge für das Kind in die eigene Verantwortung gegeben und vom Kind selbst -zumeist mit großem Stolz- selber zur Hütte getragen. Das entspannt den mütterlichen oder väterlichen Rücken zudem etwas. Übertreiben sollte man das „Beladen“ der Kinder natürlich nicht.

2. Unterwegs zur Hütte

Auf dem Weg zur Hütte gibt es für die Kinder natürlich schon viel zu entdecken: Immer wieder neue Ausblicke, Pflanzen, Tiere, Steine, Felsen zum Kraxeln,… kleine Krisen lassen sich mit Pflaster (Erste Hilfe Set nicht vergessen), etwas Süßem oder einfach ein paar aufmunternden Worten überwinden – und bald rückt ja schon die Hütte als Ziel in den Fokus. Oder vielleicht auch kleiner Gipfel in Hüttennähe?

3. Ankommen

Das erste nach dem Ankommen ist natürlich das Anmelden beim Hüttenwirt und das Beziehen der Zimmer/Lager. Der Hüttenwirt weist das Lager oder Zimmer zu, dann können die Kinder sich ihr Reich schon einrichten: Hüttenschlafsack ausrollen, Kuscheltier auf dem Kissen oder unter der Decke positionieren, vielleicht auch mal ne Runde Probe liegen… und dann gibt’s vielleicht eine Saftschorle oder ein Limo auf der Hüttenterrasse oder in der warmen Stube bevor die Kinder die Hüttenumgebung entdecken dürfen…

4. In und um die Hütte

Das Kennenlernen der Hütte für die Kinder ist eine spannende Erfahrung: Zwischen Matratzenlager, Stube und Hüttenumfeld gibt es zumeist viel zu entdecken. Einige Hütten haben auch einen kleinen Spielplatz, viel interessanter sind aber die kleinen und großen Felsen, Bachläufe, Steine, Bergwiesen und vielleicht auch die Tiere im Hüttenumfeld. Für die Eltern heißt es jetzt, auch etwas loslassen und die Kinder entdecken lassen. Kleine Übungen wie das Springen von Stein zu Stein vertreiben übrigens nicht nur die Zeit, sondern helfen auch die Trittsicherheit und das Gleichgewicht zu schulen.

5. Abendessen

Und bald winkt schon das verdiente Abendessen auf der Hütte… Große Hütten bieten für das Abendessen teils mehrere Gerichte von der Karte zur Auswahl oder Halbpension mit der Auswahl Fleisch/vegetarisch an. Kleinere Hütten bieten oftmals aber nur ein vegetarisches Essen für alle an. Mehr geben die kleinen Hüttenküchen oftmals einfach nicht her. Kinder mit speziellen Wünschen sollte man deshalb nicht von vornherein schon eine bestimmte Speise (z.B. Pommes) anpreisen, um Enttäuschungen zu vermeiden. Für Kinder mit „speziellem Geschmack“ sollte man evtl. einen Plan B im Tourenrucksack dabei haben, um die Kinder nicht hungrig ins Matratzenlager schicken zu müssen. 

6. Zeitvertreib: Spiele

Brett-, Karte- und Würfelspiele gibt’s auf praktisch jeder Hütte. Ein Klassiker ist natürlich Kniffel. Zum Mitnehmen und Mitbringen eignen sich auch Uno-Karten oder die genialen Quartette von Marmota Maps: Da gibt’s ein Berge- und ein Alpentiere-Quartett. Quartett kann man übrigens auch auf mehrere Arten spielen: Entweder man sammelt immer vier Karten einer Farbe (durch ziehen einer Farbe) oder man „sticht“ und nimmt so den anderen den Stapel ab. Viele Spiele gibt’s auch in einer kleinen, portablen Version, die dann auch in den Kinderrucksack passt. Unser absoluter Favorit: Mr. Pups ;-)

Hüttenabend am Staufner Haus
Hüttenabend am Staufner Haus mit dem Berge-Quartett von Marmota Maps

Für Kinder, die gerne Malen packt man am besten Papier und Stifte ein. Nimmt man eine Rolle Papier mit oder verklebt man ein paar Blätter, können die Kinder gemeinsam ein grosses Bild malen, z.B. eine ganze Stadt oder die Hütte mit Bergumfeld. Papier braucht man auch zum „Stadt – Land – Fluss“ oder „Stadt – Land – Vollpfosten“ spielen. Nicht nur für große Kinder eine lustige Beschäftigung, sondern auch für die Erwachsenen.

Ideale Beschäftigung für die Berghütte stellen auch Kinder-Bergbücher dar. Vom Zwerg am Berg-Verlag gibt’s z.B. ein kleines Tourenbuch für Kinder, in dem die Kleinen Ihre Erlebnisse „dokumentieren“ können. Tiefergehende Infos birgt das etwas größere Mitmachbuch „Berge!“ von Piotr Karski, das sich eher für Kinder ab 8-10 Jahren eignet. Das schön illustrierte Ausmal- und Mitmachbuch bietet umfassende Informationen -auch für Erwachsene.

7. Schlafen

Spätestens gegen 22 Uhr -für die meisten Kinder aber früher- ist Hüttenruhe angesagt und die Stube leert sich langsam und die Matratzenlager werden nach dem Zähneputzen bezogen. Nach einem spannenden Tag beim Wandern und beim Entdecken des Hüttenumfelds müssen zumeist noch einige Impressionen verarbeitet werden, doch bald fallen den Kleinen die Auge zu und die Nacht beginnt. Für die Nacht sollte man sich seine Stirnlampe oder das Handy neben das Bett legen, um Licht für den nächtlichen Gang zum Klo oder zum Beruhigen der Kinder bei schlechten Träumen, etc. zur Hand zu haben. Ist man in einem großen Lager und sind die Kinder früh wach, sollte man das Lager so leise wie möglich verlassen, damit die anderen Mitschläfer noch eine Mütze Schlaf bekommen. Die Hüttenstube bietet sich dann für die Fortsetzung der abendlichen Spiele an…

Auf vielen Hütten ist die Bezahlung abends vor dem zu Bett gehen erwünscht, da in der Früh oftmals nur ein kleines Team das Frühstück betreut und keine Kapazitöten für die Abrechnung zur Verfügung stehen.

8. Der nächste Morgen: Frühstück

Nach der Nacht ist vor dem Frühstück. Die meisten Hütten bieten mittlerweile ein kleines Frühstücksbuffet mit Müsli, Joghurt, Brot und Semmeln, Wurst und Käse, Marmelade, Nutella und Früchten. Kleinere Hütten bieten aber vielleicht auch nur ein „klassisches“ Hüttenfrühstück aus Brot/Wurst/Käse oder Brust/Butter/Marmelade. Auf spezielle Wünsche kann auf kleinen Hütten oftmals nicht eingegangen werden, deshalb sollte man evtl. einen Plan B (Müslir-Regel, kleine Packung Müsli,…) einpacken. Warme Getränke, Tee und Kaffee und einen Kakao gibt’s aber eigentlich immer.

9. Packen und weiter geht’s…

Nach dem Frühstück heißt es zumeist die Rucksäcke packen, Schuhe und Jacken anziehen und weiter geht’s entweder zur nächsten Hütte, auf Tour oder wieder zurück zum Auto. Die erste Nacht mit den Kindern auf der Hütte ist geschafft und die nächsten Nächte werden bestimmt ruhiger ;-)

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