4-Tage-3-Seen-Hüttentour am Gardasee

Panoramawege, aussichtsreiche Grate und zwei urige Hütten: Eine viertägige Runde von Riva del Garda durch die Ledro-Alpen verbindet Gardaseeblick mit überraschend einsamen Berglandschaften.

Veröffentlicht am Kategorisiert als Berge, Frühjahr, Herbst, Sommer, Wandern

Der Sommer 2025 hatte seine eigenen Pläne. Wochenlang Regen, eine Transalp im Dauer­nass, Produktionen, die buchstäblich ins Wasser fielen. Als der Herbst näher rückt, bleibt deshalb nur ein Wunsch: noch einmal Sonne. Noch einmal trockene Bergpfade, Fernblicke und warme Abende draußen.

Der ursprünglich geplante Herbstklassiker am Hochkalter liegt bereits unter einer dünnen Schneedecke. Also richten wir den Blick nach Süden – zum Gardasee. Vier Tage sind eigentlich zu kurz für die lange Anfahrt. Aber manchmal gewinnt die Sehnsucht nach Sonne gegen jede Vernunft.

Pizza, Prosecco und der erste Höhenmeter

Stilecht beginnt unsere Tour mit einer Pause. In Riva del Garda sitzen wir mit Pizza und Prosecco am Tisch und lassen den Blick über den See schweifen. Man wird schließlich nicht jedes Jahr am Gardasee älter.

Erst danach schultern wir die Rucksäcke. Ein Eis später geht es endgültig los.

Der Weg aus der Stadt folgt der legendären Ponalestraße. Die alte Militär- und Handelsstraße wurde im 19. Jahrhundert spektakulär in die Felswand gesprengt, um den See mit dem Ledrotal zu verbinden. Heute gehört sie zu den schönsten Panoramawegen am nördlichen Gardasee.

Zwischen dunklen Tunneln und ausgesetzten Passagen zieht sich die Trasse in Serpentinen nach oben. Während uns Mountainbiker und E-Bikes entgegenkommen, sind Wanderer selten. Vielleicht, weil viele den spektakulären Weg längst den Rädern überlassen haben. Für uns bedeutet das vor allem eines: Zeit für die Aussicht.

Der Gardasee liegt bald weit unter uns, ein tiefblaues Band zwischen steilen Kalkwänden.

Am Abend erreichen wir das Val di Ledro und den stillen Ledrosee. Die letzten Sonnenstrahlen spiegeln sich auf dem Wasser – dann ziehen Wolken auf. In diesem Jahr scheint der Regen selbst im Spätsommer nicht ganz verschwinden zu wollen.

Vom See in die wilden Gardaseeberge

Am nächsten Morgen liegt Nebel über dem Ledrosee. Doch die Sonne kämpft sich schnell durch.

Wir folgen zunächst dem Ufer, bevor der Weg steil in die Berge abzweigt. Lange führt er über kleine Asphaltsträßchen durch Wälder und Weiler, bis schließlich ein schmaler Bergpfad beginnt. Jetzt wird es alpin.

Zwischen der Cima d’Oro und der Cima Pari zieht sich das einsame Val di Dromaè steil nach oben. Schritt für Schritt steigen wir durch Wald und Almgelände, bis der Weg schließlich den Grat erreicht.

Die Belohnung: ein Panorama, das vom Gardasee bis zum Alpenhauptkamm reicht. In der Ferne stehen sogar einige vergletscherte Gipfel im Dunst.

Ruhig ist es hier oben allerdings nicht. Drohnen summen über uns, Trailrunner kommen uns im Laufschritt entgegen. Am nächsten Tag findet ein großes Rennen statt – Sponsoren und Filmteams nutzen das gute Wetter bereits für Werbeaufnahmen.

Uns stört das kaum. Nach diesem Sommer zählt vor allem eines: Sonne.

Hüttenabend auf der Bocca di Trat

Am Nachmittag erreichen wir das Rifugio Nino Pernici. Die kleine Hütte liegt auf einer weiten Wiese zwischen Ledrotal und Gardasee.

Hüttenwirtin Valentina begrüßt uns mit italienischer Gelassenheit:
„Setzt euch erst einmal hin. Was wollt ihr trinken? Das mit dem Zimmer klären wir gleich.“

Die Tagesgäste verschwinden bald ins Tal, und für einen Moment gehört uns die Hütte fast allein. Erst am Abend wird es lebendig: Eine Gruppe der lokalen Club Alpino Italiano-Sektion trifft ein. Rund dreißig Menschen, laut, fröhlich, gestenreich.

Es wird diskutiert, gelacht und natürlich Wein verkostet. Gespräche über Touren, Hütten, Wetter und Berge füllen den Gastraum – ganz so, wie man sich einen italienischen Hüttenabend vorstellt.

Gegen zehn Uhr leert sich der Raum plötzlich wieder. Die Gruppe bricht noch zu einem nächtlichen Abstieg auf.

Und wir genießen die Stille der Berge.

Auf dem Grat in Richtung Tennosee

Der Morgen beginnt mit Kaffee, frischem Brot und einem Gespräch mit Valentina.

Die Saison endet. Die letzten Gäste sind unterwegs, draußen werden bereits Solarpaneele montiert und die Hütte winterfest gemacht. „Im Juli und August verdienen wir unser Geld“, erzählt sie. „Jetzt kommt der Winter.“

Für uns beginnt dagegen der schönste Abschnitt der Tour. Ein Stück folgen wir dem Dolomiten-Höhenweg 10. Die Route zieht sich über luftige Höhen zwischen dem Corno di Pichea und dem Monte Tofino.

Der Grat ist pures Wanderglück: felsige Passagen, kurze Kraxelstellen, gelegentlich ein Stahlseil zur Sicherung. Nicht zu schwer, nicht zu leicht – genau richtig, um den Blick immer wieder über die Landschaft schweifen zu lassen.

Unter uns liegt das Trentino, über uns ein wolkenloser Herbsthimmel.

Der lange Weg zum Tennosee

Nach dem Höhenweg folgt der lange Abstieg: Über die Almflächen der Malga Nardis verlieren wir fast 1700 Höhenmeter. Vier Stunden lang ziehen sich die Pfade durch Schrofengelände, Wiesen und Kastanienwälder.

Dann leuchtet plötzlich unter uns ein intensives Blau: der Tennosee.

Trotz der späten Stunde lassen wir uns die Gelegenheit nicht entgehen. Ein kurzer Sprung ins 14 Grad kalte Wasser – nach fast zwanzig Kilometern und knapp zweitausend Höhenmetern bergab eine perfekte Erfrischung.

Doch der Tag ist noch nicht vorbei.

Sonnenuntergang über Riva

Unsere Unterkunft liegt nicht am See, sondern hoch darüber: das Rifugio San Pietro bei der kleinen Kapelle San Pietro.

Vier Kilometer und vierhundert Höhenmeter trennen uns noch vom Abendessen. Der Weg führt steil durch Kastanienwälder hinauf – doch oben wartet einer der schönsten Aussichtspunkte am nördlichen Gardasee.

Unter uns liegen Arco und Riva del Garda, dahinter glitzert der See im Abendlicht. Wir sitzen auf der Terrasse, vor uns trentiner Spezialitäten und ein Glas Rotwein. Hinter uns die Berge und eine kleine Kapelle, unter uns der Lago. Ein besserer Ort für das letzte Abendessen dieser Tour ist kaum vorstellbar.

Am nächsten Morgen bleibt nur noch der lange Abstieg über Tenno und Varone zurück zum See. Die Wasserfälle von Varone sorgen nochmal für ein bisschen Sommer 2025: Pitschnass stehen wir nach der spannenden Besichtigungsrunde wieder am Ausgang. Doch nach einer Pizza in Riva scheint wieder die Sonne. Zeit für ein letztes Bad im See!

Vier Tage, 55 Kilometer, rund 3400 Höhenmeter. Eine kleine Runde – und doch genau das, was dieser Sommer noch gebraucht hat: ein paar Tage Sonne in den Bergen über dem Gardasee.

Infos zu Tour: 4-Tage-3-Seen-Tour am Gardasee

Region: Gardaseeberge / Ledro-Alpen, Trentino (Italien)
Ausgangspunkt: Riva del Garda
Tourcharakter: aussichtsreiche Mehrtagestour auf Bergwegen und Graten oberhalb des Gardasee

Gesamtdaten der Runde

  • Länge: ca. 35 km
  • Höhenmeter: ca. 3.400 hm (Auf- und Abstieg)
  • Gehzeit gesamt: etwa 15–18 Stunden
  • Dauer: 4 Tage
  • Höchster Punkt: Bereich Cima Pari / Grat Richtung Corno di Pichea

Karte

Etappenübersicht

1. Tag
Riva del Garda – Ledrosee

  • 10 km
  • ↑ 700 hm | ↓ 100 hm
  • 3–4 Std.
  • Panoramaaufstieg über die historische Ponalestraße.

2. Tag
Ledrosee – Rifugio Nino Pernici

  • 9 km
  • ↑ 1.100 hm | ↓ 300 hm
  • 4–5 Std.
  • Steiler Anstieg durch das Val di Dromaè zwischen Cima d’Oro und Cima Pari.

3. Tag
Rifugio Nino Pernici – Tennosee – Rifugio San Pietro

  • 16 km
  • ↑ 900 hm | ↓ 1.950 hm
  • 6–7 Std.
  • Gratwanderung auf Teilen des Dolomiten-Höhenweg 10 über Corno di Pichea und Monte Tofino.

4. Tag
Rifugio San Pietro – Riva del Garda

  • 6 km
  • ↓ 400 hm
  • 2 Std.
  • Abstieg über Tenno und Varone zurück zum Gardasee.

Schwierigkeit

Mittelschwere Bergwanderung (T2–T3).

Gute Kondition für lange Tagesetappen erforderlich. Einzelne ausgesetzte Stellen und kurze gesicherte Passagen am Grat, besonders im Bereich des Monte Tofino.

Beste Jahreszeit

Mai bis Oktober.
Besonders schön im Spätsommer und Herbst, wenn die Hitze am Gardasee nachlässt und die Fernsicht besser wird.

Übernachtung

Reservierung in der Hauptsaison empfehlenswert.

Anreise

Auto:
Über Innsbruck – Brenner – Rovereto – Riva del Garda.

ÖPNV:
Bahn bis Rovereto, weiter mit Bus nach Riva del Garda.

Tipp

Ein Bad im türkisblauen Tennosee lohnt sich – auch wenn das Wasser selbst im Spätsommer selten wärmer als 14–16 °C wird.

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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