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Unsere erste Hochtour: Die SafetyAcademy Obergurgl

Die Blogger-Kollegen beim Abstieg

Seit zwei Jahren liegen Sie im Keller: Die Steigeisen. Zwar gingen die Touren der letzten Jahre immer höher und auch Schnee und Firn sind immer mehr im Spiel, dennoch war das Thema Gletscher, Eis und Hochtour bisher immer ein Angstthema. Gerade wegen der Themen Spaltensturz und Absturz. Bis letztes Wochenende…

Letztes Wochenende ging es nämlich ins Ötztal zu meinem ersten Hochtourenkurs. Eingeladen hat uns wie auch die Blogger von abenteuersüchtig.de, jaeger-der-berge.de, vitaminberge.de, der Erika alias Ulligunde und den Mädels von youareanadventurestory.com das Hotel Alpenaussicht, das auch als Stützpunkt für das Hochtourencamp genutzt wurde. Von der Hotelterrasse hat man schon einen wundervollen Blick auf die umliegenden Berge und Gletscher. Aber erst mal ankommen…

Nach einer etwas verlängerten Anreise am Donnerstag (Stau am Fernpass, kleiner Umweg über das Lechtal und mehrere Alpenpässe, sowie in etwa 400 Serpentinen später) erwartet uns ein leckeres Abendessen. Danach geht es zur Gruppeneinteilung in Beginner und Fortgeschrittene. In insgesamt 5 Gruppen soll es am Freitag zum Übungstag auf den Gletscher gehen, während zwei Gruppen Fortgeschrittene mit Ihrem Guide ihre eigenen Touren planen. 

Nach einem gemütlichen Abend geht es früh ins Bett, um am nächsten Tag Fit zu sein…

Tag 1: Trainingstag am Rotmoosgletscher

Der Freitag bringt nach dem Regen auf der Anfahrt am Donnerstag besseres Wetter. Im Gegensatz zu so mancher anderer Gletschertouren starten wir ausgeschlafen und entspannt in den heutigen Tag: Gemütliches Frühstück, dann zur extra für uns früher startenden Bahn auf die Hohe Mut. Schon von der Bahn aus liegt das leider nicht mehr so ewige Eis imposant vor uns.

Während die anderen Gruppen dem Weg links in Richtung Gaisberggletscher, schlagen wir mit unserem Guide Paul den Weg in Richtung Rotmoosgletscher ein. Obwohl unsere Erwartungen erst mal etwas eingedampft werden, erwartet uns ein spannender Trainingstag:

Nach einführenden Worten zum Gehen im Firn, dem Anseilen am Gletscher und allerhand nützlichen Infos geht es mit unserem Guide dann nicht nur über, sondern mit den Steigeisen direkt in eine Gletscherspalte (OK, eher ein Gletschermaul, aber trotzdem nicht weniger imposant). 

Direkt in die Gletscherspalte ging es für unsere neue Redakteurin Kathi alias das „Bergbambi“  – als Übungsobjekt am Seil baumelnd während uns derweil Paul den Aufbau einer „losen Rolle“ erklärt: Vom T-Anker als Fixpunkt über die Prusik-Knoten bis hin zur eigentlichen Bergung. Schließlich konnte auch das Bergbambi wieder aus der Spalte geborgen werden – etwas nässer als vorher, aber immer noch heil.

Zur Demonstration des Flaschenzugs wurde dann der Gregor alias Jäger der Berge in der Spalte versenkt und dank vereinten Kräften wieder „gerettet“ (hier gibt’s kein Video, mussten ja alle mit anpacken). Nachdem die Rettung dank eingekeiltem und eingeschnittenem Seil dann etwas länger gedauert hat, wollte irgendwie keiner mehr in die Spalte. Somit machten wir uns noch mit Steigeisen bewaffnet an den Abstieg über den restlichen Gletscher und vorbei an der Schönwieshütte hinunter nach Obergurgl.

Nach dem Abstieg statteten wir zum Abschluss des Tages noch der Sauna einen Besuch ab, bevor der Innsbrucker Wetterpabst Karl Gabl noch zu einem interessanten Vortrag zum Thema Bergwetter und Gewitter einlud.

Tag 2: Hochtour auf die Liebener Spitze

Von blauem Himmel und Sonnenschein begleitet geht es am Samstag dann wieder mit der Hohen Mut-Bahn hinauf und wieder zum Rotmoosgletscher. Uns erwartet unsere erste richtige Hochtour inkl. Aufstieg im Firn, leichter Kletterei im Fels, der erste Firngrat und ein Abstieg über einen spaltenreichen Gletscher.

Zuerst dem Weg vom Samstag folgend, geht es die ersten 600 Höhenmeter über ein großes Firnfeld hinauf. Dann queren wir nach rechts auf den Grat. Tiefblicke hinunter ins Tal und Weitblick nach Südtirol inklusive.

Vor uns erhebt sich sich der Gipfelaufbau der Liebener Spitze. Allerdings ist hier vom Gletschereis und Firn nur noch wenig übrig. Auch von Permafrost ist nichts mehr zu spüren. Der Felsen bröckelt und bröselt an allen Ecken und Kanten. Beim Aufstieg habe ich immer wieder lose Felsen in der Hand an denen ich mich eigentlich festhalten wollte. Einmal warnt mich Gregor von hinten, da ihm gerade der Fels entgegenkommt, auf dem ich stehe… uaaahhh…

Im Seilverbund steigen wir über mehrere Felsstufen hinauf. Den Gipfel der Liebener Spitze schon im Blick, queren wir noch über den felsigen Grat und anschließend zum Gipfel. Und zu einer wohlverdienten Pause.

Der Ausblick ist atemberaubend – vielleicht auch eher atemraubend: Vor uns liegt Südtirol mit seinen unzähligen Gipfeln. Doch schlimmer noch liegt neben uns der Grat, den wir entlang müssen. Zuerst wieder im Bröselfels steil hinunter, rechts und links mehrere hundert Meter Absturzgelände. Dann mit angelegten Steigeisen über einen Firngrat weiter. Die Trekkingstöcke geben zumindest etwas Sicherheit. Die Steigeisen greifen glücklicherweise fix und fest und bringen den Rest an Sicherheit zurück.

Dann geht es steil hinunter auf den Gaisberggletscher: Immer schön angeseilt um die Gletscherspalten herum (und für manchen auch in kleinere Spalten hinein). Das Gehen mit dem Seil ist manchmal einfacher, manchmal schwieriger. Entweder man ist zu schnell oder zu langsam… warum wir angeseilt gehen, merken wir auch gleich… Wenn von hinten zwei Kollegen angerutscht kommen, hilft das Seil beim Ausbremsen der Gestürzten ungemein). Das Prinzip der Seilsicherung habe ich damit wohl verstanden…

Nach dem Gletscher geht es noch das lange Tal hinaus und hinunter zur Hohe Mut Bahn, die uns die letzten Meter wieder hinunter nach Obergurgl bringt. Hier erwartet uns schon mal ein kühles Radler und zur Regeneration zwei, drei Gänge in der aufgeheizten Sauna. Den Abend lassen wir dann gemütlich auf der Hotelterrasse ausklingen. Mit wunderbarer Bergkulisse und leckerem Abendessen vom Grill.

Tag 3: Durch den Zirbenwald zum Frühstück auf der Schönwieshütte

Der letzte Tag beginnt gemütlich: Zum Abschluss geht es hinter dem Ronald als Bergführer – der auch unser Gastgeber im Hotel ist- auf schmalen Wegen mit Aussicht auf den Schönwieswasserfall hinauf zur Schönwieshütte. Rund eine Stunde benötigen wir für den Aufstieg. Hier erwartet uns eine gemütliche und sonnige Hüttenterrasse – und ein leckeres Frühstücksbuffet. Das ganze garniert mit einem wunderbaren Ausblick auf die umliegenden Gipfel und Gletscher. Das Tal erinnert mich etwas an Neuseeland, nur wären wir in Neuseeland nicht auf 2.000m, sondern auf 200…

Für den Abstieg haben wir uns noch ein kleines Special überlegt: Mit der Kathi alias dem Bergbambi und dem Dennis von abenteuersüchtig.de begehen wir noch „kurz“ den Obergurgler Klettersteig. Rund 40 Minuten klettern wir hinter dem für meine Verhältnisse etwas zu schnell kletternden Dennis her, schaukeln uns über die drei Hängebrücken, steigen über die unterschiedlichen Felsstufen hinauf und um Felskanten herum. Immer mit einem wunderbaren Ausblick auf den unter uns fließenden Fluss und die umliegenden Berge mit ihren weißen Kuppen. Zum Verschnaufen gibt es dann etwas oberhalb des Ausstiegs eine gemütlich Bank mit Aussicht.

Fazit

Obergurgl ist bisher eigentlich eine reine Winter-Destination, was ich persönlich recht schade finde. Die umliegenden Gipfel bieten genügend Ziele für einen längeren Hochtouren- und Wander-Aufenthalt. Im Gegensatz zu vielen anderen Gletscher-Destinationen waren wir am Gletscher praktisch alleine unterwegs.

Der Obergurgler Klettersteig bietet sich auch für Klettersteig-Einsteiger an und ist doch auch für den Profi nicht zu einfach. Und im Gegensatz zum unteren Ötztal (z.B in Sölden) ist man hier in Obergurgl wirklich idyllisch und unverbaut unterwegs.

Die SafetyAcademy Obergurgl ist ein gemütliches Hochtourencamp für Einsteiger, die ihre erste Gletscherberührung suchen. Auch für den fortgeschrittenen Hochtouren-Geher ist das Camp durchaus interessant: Ein 4****-Hotel mit Halbpension und Wellnessbereich, 2 geführte Touren mit Guide und einen Ortovox-Rucksack als Geschenk findet man für 319€ nur selten. Es bleibt nur zu hoffen, dass die Veranstaltung auch nächstes Jahr wieder durchgeführt wird. Wir würden uns auf ein Wiedersehen freuen…

 

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