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So schnell kann‘s gehen – Das vorzeitige Ende der Wintersaison 2017/18

Nur ein falscher Schritt hat letzte Woche für ein vorzeitiges Ende meiner Skitouren- und Schneeschuhsaison und auch meiner geplanten Schneeschuh-Ausbildung beim DAV gesorgt. Statt mit der Familie im Salzburger Land, liege ich jetzt daheim mit hochgelegtem und in eine Schiene gebanntem Fuß auf dem Sofa.

Gut, dass die Wintersaison doch schon im November mit einer genialen Tour zum Kärlingerhaus begonnen hat und seitdem schon so manche Tour in den verschneiten Bergen für genügend Winterbilder im Kopf gesorgt hat.

Auch die Ausbildungswoche zur Zusatzqualifikation Schneeschuh-Bergsgeigen beim DAV hatte vielversprechend begonnen. Nach einem Tag auf den Kleinwalsertaler Pisten rund um Fellhorn und Hohen Ifen ging es an den Aufstieg auf die Schwarzwasserhütte. Auf dem Weg lerne ich schon den ersten Kollegen kennen. Für den Aufstieg zur Hütte brauchen wir noch keine Schneeschuhe und folgen dem gemütlichen Weg vorbei an der Alpe Melköde hinauf. Ein schöner Spaziergang hinauf zur Hütte, wo uns schon die anderen Teilnehmer und unsere zwei Bergführer vom DAV Lehrteam erwarten. Noch eine kurze Runde zur Einführung, Abendessen und ab ins Bett, die Woche wird noch lang…

Die Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal

Die Schwarzwasserhütte im Kleinwalsertal

2 Tage Touren rund um die Schwarzwasserhütte

Nach Frühstück und Theorie gehen wir in einer kleinen Gruppe los: Der Hählekopf ist unser Ziel. Abwechselnd führen die Teilnehmer und auch ich Teilstrecken, vom Bergführer immer wieder mit Hinweisen zu Flora, Fauna und Führungsstil ergänzt. Nach unserer Rückkehr stehen nochmal Theorie und auch die Tourenplanung für den nächsten Tag auf dem Programm.

Auch am zweiten Tag unserer Ausbildung steht nach der Theorie wieder eine lange Tour an: Bei bestem Wetter, Sonnenschein und Schnee geht es über das Steinmandl in Richtung Schoppernau und zur Neuhornbachhaus. Zurück nehmen wir den Falzer Kopf noch kurz mit bevor wir über Neuhornbachsattel und Gerachsattel zurück zur Schwarzwasserhütte und zur Theorie und Tourenplanung für den nächsten Tag zurück kehren.

Aufstieg zum Hählekopf

Aufstieg zum Hählekopf

Der verhängnisvolle dritte Tag

Der dritte Tag hält wieder eine Theorie-Einheit zum Thema Lawinenkunde bereit, bevor wir in Richtung Grünhorn aufbrechen. Was ich zu dem Zeitpunkt noch nicht weiß: Der Tag wird anders laufen, als gedacht… Zuerst geht es gemächlich über kupiertes Gelände hinauf, bevor eine lange Querung auf uns wartet. Noch kurz und steil mit einer kleinen unangenehmen Querung bergauf und schon genießen wir den Ausblick auf unsere weitere Tour, hinüber in Richtung Widderstein und weiter in Richtung Silvretta, Montafon und Rätikon.

Ich übernehme die Führung in Richtung Starzeljoch. Zuerst hinab in die Senke und dann in den Spuren der anderen Gruppe hinauf. Von unten sind keine Gefahrensymbole in unserem Hang auszumachen, während in den Nachbarhängen Schneemäuler klaffen. Wir nehmen den Hang in Angriff und bemerken nur wenige Meter unterhalb des Ausstiegs etwas oberhalb des Jochs eine Anrisskante in der Schneedecke. Zum Glück sind wir noch relativ früh unterwegs und haben den Hang schon hinter uns… Nach einer Brotzeit und einigen Orientierungsübungen übernimmt meine Kollegin die Führungsrolle: Entlang des Grates und oberhalb einer enormen Abrisskante schlängeln wir uns hinauf bis zum Gipfel des Grünhorns.

Aufstieg zum Grünhorn

Aufstieg zum Grünhorn

Bevor wir uns an den Abstieg machen, gibt es noch eine Lehreinheit zum Thema Schneedeckenaufbau und im Graben von Schneeprofilen. Jeweils zu zweit graben wir ein Schneeprofil während sich unser Bergführer bis zum Boden durchgräbt. Gemeinsam begutachten wir die Profile. Eine gefährliche Schwachschicht können wir heute aber beim besten Willen nicht feststellen.

Wir machen uns an den Abstieg in Richtung Hütte. „Schnell und mit maximalem Spassfaktor“ ist die Ansage und so nehmen wir die Direttissima. In knapp 30 Grad steilem Gelände „fahren“ wir Schritt für Schritt ab. Wir kommen schnell voran und sammeln uns am Rande einer Mulde etwa 400 Meter Luftlinie von der Hütte entfernt. Zumeist bin ich als letzter, sozusagen als Lumpensammler, unterwegs.

Während meine Kollegen sich etwas weiter rechts halten, folge ich der etwas direkteren Spur unseres Bergführers. Keine gute Idee, wie sich nur wenige Momente später herausstellt.

Mein rechter Fuß fährt schön gerade bergab. Der linke kommt aber nicht nach, sondern quert unkontrolliert nach rechts. Während es mir den Fuß umknickt, spüre ich schon wie der Schmerz vom Fuß ins Bein schießt und es mir den linken Fuß unter mir wegzieht. Ich stürze und rutsche rechts in eine Mulde.

Da war noch alles heil…

Da war noch alles heil…

Meine Kollegen sind schon nach links aus der Mulde in den offenen Hang verschwunden, während ich mit dem Schmerz kämpfe, versuche mich aufzurichten und am mangelnden Halt im linken Fuß scheitere.

Ich muss nach links herausqueren, scheitere ein weiteres Mal. „Scheisse, das müssen die Bänder sein“, schießt es mir durch den Kopf. Ich komme nicht aus der Mulde, also lasse ich mich rund zehn Meter weiter nach unten rutschen. Ein neuer Versuch bringt mich zumindest für zwei, drei Schritte auf die unsicheren Beine und aus der Mulde. Jetzt sitze ich zumindest im Hang, die anderen sind schon weiter und nicht zu sehen. Aber ich sehe jetzt den Hang bis hinüber zur Hütte, und ein paar schmerzhafte Momente auch unseren Bergführer, der in meine Richtung aufsteigt. Ein paar Ruf- und Handzeichen später ist auch ihm klar, dass es mir nicht gut geht.

 

Und schon beginnt die Bergrettungsaktion, Ausbildung in der Praxis sozusagen.

Nach einem kurzen Check der Situation beschließen wir, die weitere Erstversorgung in der Hütte zu gestalten. Zusammenfahren wir noch rund 200 Meter zusammen ab. Ich auf Baldo gestützt, während er mich am Rucksack an der Hüfte greift.

Derweil kommt schon der Pistenbully in unsere Richtung gefahren. Martin, der Hüttenwirt der Schwarzwasserhütte, fährt uns so weit wie möglich entgegen, während ich auf zwei Leute gestützt der Raupe entgegen humple.

Nach einer kurzen Fährt mit der Pistenraupe, nehmen wir auf der Hütte das Bein in Augenschein. Bisher ist das Bein nicht sonderlich geschwollen. Während meine Kollegen mein Gepäck im Zimmer zusammen sammeln, kühle ich das Bein mit einem Coolpack bis die Bergrettung eintrifft. Ich zahle noch meine Rechnung, lasse mich von meinen Kollegen drücken und nehme innerlich schon mal Abschied – von neu gewonnenen Freunden, von der Skitourensaison und auch vom Prüfungskurs dieses Jahr, der in vier Wochen hätte stattfinden sollen…

20 Minuten später trifft auch schon die Bergrettung mit Quad und Skidoo ein. Da ich gerade eigentlich keine großen Schmerzen habe, werde ich sitzend auf dem Quad transportiert und darf zumindest mit Ausblick Abschied von der Schwarzwasserhütte nehmen.

Im Tal werde ich von der Bergrettung gleich bei Arzt abgeliefert, geröntgt und eine Bruch am Sprunggelenk festgestellt (eine Außenknöchelmehrfragmentfraktur links Typ 44 C1.A0 für alle, die damit was anfangen können).

Für mich bricht die Welt zusammen: Endlich hat’s mal Schnee und ich brech mir das Sprunggelenk. Ich wollte doch den Kurs und Prüfungskurs für die Schneeschuh-Ausbildung machen, Fasching mit den Kindern auf Skitour, Ostern noch etwas zum Ski fahren, und, und, und… F@@@@@@@ck….

Eine Stunde später liege ich dann schon im Immenstadt erneut beim Röntgen und eine weitere Stunde später schon im OP. Mein gebrochenes Wadenbein wird mit einer Platte und diversen Schrauben fixiert und mit einer Stellschraube der Abstand zum Schienbein eingestellt, mein Bein für heute in Gips gelegt.

Das gebrochene Sprunggelenk in der offenen Vakuum-Schiene

Am nächsten Tag besucht mich die Physiotherapeutin: Aufstehen und wieder hinsetzen. Das wars für heute. Komisch, gestern und die Tage davor waren’s noch jeweils rund 800 Höhenmeter..  Am zweiten Tag darf ich dann in der Vakuumschiene schon etwas mehr versuchen… ein paar Schritte in den Gang und wieder retour… naja, zumindest schon mal was…

Am dritten Tag holt mich der ADAC ab und bringt mich nach Hause zu meiner Familie. Endlich…

Nun heißt es sechs Wochen still halten und dem linken Fuß in der Schiene maximal mit 20 Kilo belasten. Dann geht es hoffentlich zügig wieder in Richtung Vollbelastung und hoffentlich bald wieder in Richtung Berge…

Die Vakuum-Schiene

Danke an Baldo und Max vom DAV Lehrteam und meinem Kurs für die tatkräftige Unterstützung, dem Martin von der Schwarzwasserhütte und der Bergrettung Riezlern für die schnelle, kompetente und zuvorkommende Hilfe!

2 Antworten zu " So schnell kann‘s gehen – Das vorzeitige Ende der Wintersaison 2017/18 "

  1. Andreas sagt:

    Weiterhin gute Besserung, Thomas! Du verpasst zwar den Winter, aber durch die unfassbar schnelle Bergung, Behandlung und OP hast du einen riesigen Vorsprung. Bei mir hat es nach der riesigen Schwellung noch Wochen gedauert bis ich überhaupt operiert werden konnte. Und ein Bruch heilt. Wird also!
    Alles Gute!

  2. Thomas sagt:

    Danke für deine Besserunsgwünsche. Bisher ist zumindest nach dem Unfall alles super gelaufen… Nach dem Winter kommt ja bekanntlicherweise der Sommer und da geht’s dann halt wieder weiter ;-)