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Telemark – Skifahren ganz höflich mit Knicks

Dann mit Knicks. Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at

„Tiefer… tiefer… tiefer…“ ruft uns der Max -unser Telemark-Guide- letzten Samstag morgen immer wieder hinterher. Er meint dabei, dass wir die Knie tiefer in Richtung Schnee drücken sollen. Denn nur so funktioniert das mit dem Telemarken richtig. Je tiefer, desto stabiler ist man unterwegs.

Telemarken ist Skifahren mit „Knicks“. Die Ferse ist nicht fix mit dem Ski verbunden wie bei einer Alpinbindung, sondern ist frei wie bei einem Tourenski im Aufstiegsmodus. Nur vorne an den Zehen sind Skischuh und Schuh verbunden. Indem man den Talski nach vorne und den Bergski nuach hinten schiebt kommt man in die Telemarkstellung. Sieht elegant und wie nur was für Profis aus. Das stimmt aber nicht ganz. Als passabler Skifahrer lernt man das Telemark fahren recht schnell…

Wir sind für einen Telemarkkurs ins Donnersbachtal in die Steiermark gekommen. Und eigentlich fängt’s ganz gut an: Nach einer kurzen Theoriestunde gehts’s gleich auf die Piste des Skigebiets Riesneralm. Doch davor steht erst einmal das Anziehen der Skischuhe und das in die Bindung steigen.

Etwas Theorie zu den verschiedenen Telemark-Bindungssystemen
Etwas Theorie zu den verschiedenen Telemark-Bindungssystemen

Etwas Technik: Telemarkbindung und Telemarkschuhe

Für das Telemarken nutzt man je nach Einsatzgebiet einen normalen Alpin- oder Freerideski in Körpergröße, die Bindung unterscheidet sich jedoch von einer Alpin- oder Tourenbindung, da ja nur das Vorderteil des Schuhs am Ski befestigt wird. Neben der traditionellen „75-Millimeter-Norm“ (z.B. von 22Designs) hat sich seit einigen Jahren das NTN-System (New Telemark Norm) etabliert (z.B. von Rottefella). Der neueste Schrei ist eine Mischung aus Pin-Bindung für den Aufstieg wie man sie von modernen Tourenski kennt und einem Kabelzug, der für die Abfahrt eingehängt wird (z.B. The M-Equipment Meidjo oder Moonlight Pure Tele).

Anpassung der Telemarkausrüstung
Anpassung der Telemarkausrüstung

Die 75mm Bindung fixiert den Skischuh mit einer 75mm breiten Verlängerung vorne in ihren Vorderbacken und befestigt mithilfe von Federn und einem Kabelzug die Ferse.

Die NTN Bindung ist das neuere Modell. Sie bietet einige Vorteile wie erhöhte Stabilität und Torsionssteifigkeit. Diese Schuhe benötigen keine Verlängerung vorne, haben dafür aber eine sogenannte Bindungsplatte im vorderen Bereich der Sohle. Je nach Hersteller und Modell haben manche NTN- Schuhe Tech-Inserts vorne, oder vorne und an der Ferse.

Allen Telemarkbindungen gemein ist: Man benötigt auch den passenden Schuh zur jeweiligen Bindung. Ein Telemarkschuh hat an der Schuhspitze eine Gehfalte, die man beim „Knicksen“ auch braucht. Welcher Schuh mit welcher Telemarkbindung  zusammen passt, lässt man sich am besten im Fachhandel beraten. Zudem ist beim Einkauf entscheidend in welchem Gelände man Ski und Schuhe einsetzen will.

Kurze Einführung bevor es auf der Piste los geht…
Kurze Einführung bevor es auf der Piste los geht…

Die ersten „Knickse“

Für uns geht es nach dem Anlegen der Ski „unter Aufsicht“ die ersten Abfahrten es im „Alpinstil“ die Piste hinab. Mit einem Telemarkski lässt es sich auch ganz regulär Ski fahren und das sogar stabiler als gedacht. Da ist gar nichts wackeliges.

Zuerst im Alpinstil zum Ausprobieren.… Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at
Zuerst im Alpinstil zum Ausprobieren.… Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at

Dann geht es an die ersten Schwünge: Auf der ebenen Piste kann man auf gerader Strecke seine ersten „Knickse“ üben.  Dazu schieben wir während wir in die Knie gehen einfach das eine Bein nach vorne. Und schon geht’s wieder nach oben. Um die Kurve geht es dann wieder ganz klassisch. Weitere Übungsfahrten im steileren Gelände folgen.

Dann mit Knicks. Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at
Dann mit Knicks. Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at

Und so kämpfen wir uns langsam durch das kleine Skigebiet der Riesneralm. Bei manchen sieht’s schon ganz gut aus, bei mir geht das mit dem „Tiefer“ heute irgendwie nicht ganz so gut wie gedacht. Aber Spass macht das Ausprobieren definitiv. Und auch ein paar verwunderte Blicke erntet man immer wieder. Mehrmals werden wir heute auch gefragt, wo man das mit dem Telemarken denn ausprobieren kann… dafür sucht man sich am besten einen Einsteiger-Kurs. Hier lernt man neben der Technik auch viel über die notwendige Ausrüstung. 

Vorbildlich: Tom von allesnursport.de ganz höflich. Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at
Vorbildlich: Tom von allesnursport.de ganz höflich. Foto: Florian Peichler/ dieMedienSchmiede.at

Unser Guide Max – seines Zeichens Telemark-Referent im Tiroler Skiverband- zeigt uns noch ein paar Übungen wie man einfacher in den Knicks kommt bevor er uns alleine auf die Piste schickt. Beim selber Ausprobieren lernt man doch am meisten…

An diesem Tag hält uns dann aber auch nicht mehr viel auf der Piste: Der unversperrte Neuschnee wartet auf uns. Und auch hier geht das mit dem Telemarken ganz gut. Nur auf Steine sollte man bei der tiefen Knielage etwas acht. Aber auch hierfür gibt es eine Lösung: Knieschoner ;-)

Ab ins freie Gelände der Riesneralm: Auch mit Telemarkski ein Genuss
Ab ins freie Gelände der Riesneralm: Auch mit Telemarkski ein Genuss

Infos zum Telemarken

Der Einstieg:

Für den Einstieg eignet sich ein Telemarkkurs, z.B. bei einem Telemarkfestival. Eine gute Übersicht an Terminen für Telemarker findet man unter http://www.telemark-austria.at/termine/

Die Ausrüstung:

Telemark-Equipment zum Testen kann man z.B. bei der Skischule Garmisch, in Saalfelden beim Salewa MountainShop leihen. Online gibt’s Telemark-Equipment zum Beispiel bei bergzeit.de oder sport-conrad.com.

Hinweis: Wir wurden von Hyphen Sports, dem Tourismusverband Grimming-Donnersbachtal, dem Skigebiet Riesneralm und der Snowsafe Avalanche App zum Telemarkkurs eingeladen.

Beim Kurs begleitet haben uns die folgenden Blogger:

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3 Antworten zu " Telemark – Skifahren ganz höflich mit Knicks "

  1. […] hängen nach unserem Telemarkkurs im Donnersbachtal südlich des Dachsteins noch einen Tag an, übernachten in der Gjaidalm und wollen uns am Sonntag […]