GPS am Handgelenk: Das Garmin EPIX

Das Garmin EPIX ist eine GPS-Smartwatch, die auch eine digitale Landkarte ans Handgelenk bindet. Wir haben die GPS Uhr getestet.

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GARMIN EPIX: Aktuelle Position auf Tour
GARMIN EPIX: Aktuelle Position auf Tour

Eigentlich halte ich von Elektronik am Berg ja nicht so viel: Handy und Spiegelreflex, dazu dann Batterien und Akkupacks um die Laufzeit auf ein ansprechendes Maß zu bekommen, dann noch das GPS, damit man sich nicht verläuft, da kommt schon etwas Gewicht zusammen. Eine Uhr trage ich normalerweise nicht, da muss auch das iPhone herhalten.

Ich orientiere mich lieber anhand klassischer Papier-Karten vom Alpenverein, Kompass oder dem entsprechenden regionalen Anbieter. Dann noch ein bisschen Recherche auf den gängigen Portalen im Internet und schon war ich bisher immer gut beraten. Was ich mir aber öfters gewünscht habe, ist ein Höhenmesser, damit man trotz der Karten doch noch etwas genauer weiß, wo man unterwegs ist.

Ein normales GPS-Gerät war mir bisher a) zu teurer, b) zu schwer und c) immer leer, wenn ich’s mitgenommen hätte. Nun hatte ich das letzte halbe Jahr die Gelegenheit Garmins EPIX „Armbanduhr-GPS“ ausführlich zu testen, das die Themen b) und c) erledigt: Als Uhr am Handgelenk ist das Gerät 86 Gramm leicht und immer dabei, Dank langer Akkulaufzeit  (24 im GPS-Betrieb, mehrere Wochen im reinen Uhrmodus) und USB-Stecker ist das Leer eigentlich kein Thema. Zum Preis kommen wir später.

Doch was kann das kleine GPS nun?

Wie ein normales GPS zeigt die Uhr auf einen Druck auf „Down“ in erster Linie die aktuelle Position auf einer Umgebungskarte an (eine Europa-Karte ist bereits aufgespielt). Klickt man weiter auf „Down“ wechselt man zwischen Kompass, Höhenmesser, Thermometer und Barometer. Somit weiß man schon einmal, wo man ist und wie sich der Luftdruck entwickelt. Natürlich kann man seinen aktuellen Pfad auch aufzeichnen lassen und gegen bereits aufgezeichnete Aktivitäten und Pfade „antreten“. Diese Funktionen erreicht man, indem man länger auf „Up“ drückt und durch das recht einfach gehaltene Menü klickt.

Wenn man sich etwas Mühe macht und seine Route bereits am heimischen PC auf der Garmin Basecamp-Software macht, bietet die Uhr eine Navigation entlang des festgelegten Pfades (und weist bei Verlassen des Pfades per Vibration darauf hin). Auch detailliertere Karten lassen sich am heimischen PC mit der Garmin Basecamp-Software auf die Uhr spielen.

Auf der Uhr lässt sich unter Training ein „Ziel“, also ein Traininsplan einrichten. Mit „Garmin Connect“ bietet Garmin zudem einen Online-Trainingskalender, der sich auf die Uhr laden lässt.

Mit dem Epix unterwegs

Wer eh eine Uhr trägt, den wird der Epix nicht besonders stören. OK, etwas schwerer als eine Standard-Uhr ist er schon. Aber es ist und bleibt eine Uhr. Beim Starten die Navigationsfunktion und den daheim festgelegten Pfad ausgewählt kann es auch schon losgehen. Die Suche nach dem GPS-Signal kann beim Start schon mal zwei bis drei Minuten dauern, dann aber läuft das System ohne Mängel. Durch den Blick auf die Karte hat man immer die Reststrecke im Blick und vertut sich auch nicht mehr so bei der Einschätzung der Reststrecke und der aktuellen Position.

Auf Tour kann man sich dann entscheiden:

  1. Entweder man spielt die Route vorab auf und folgt der Route dann einfach, das haben wir z.B. auf unserer Winterraum-Tour im Karwendel ausprobiert. Damit ist man zwar immer auf dem richtigen Weg und verpasst auch keinen Abzweig mehr, allerdings kann das ständige Vibrieren am Handgelenk schon mal stören, wenn man ein paar Meter vom vorher hochgeladenen Pfad abweicht.
  2. Man „trackt“ den aktuellen Streckenverlauf mit, also erstellt eine Route. Das hat den Vorteil, dass man mit der Trackback-Funktion sich auch auf dem Rückweg leiten lassen kann. Daheim kann man dann die Route auf den Rechner zurückspeichern und z.B. bei Outdooractive hochladen.
  3. Man nutzt die Uhr einfach wie eine analoge Karte und Höhenmesser und lässt sich nur im Zweifelsfall anzeigen, wo man sich gerade befindet.

Bei unserer Winterraum-Tour im Karwendel hat die Uhr locker zwei Tage von früh bis spät durchgehalten. Längere Tagestouren wie auf den Monte Cinto in Korsika stellen natürlich auch kein Problem dar.

Worin unterscheidet sich die EPIX von der Garmin Fenix oder einer SUUNTO Traverse oder ähnlichen GPS Uhren?

Der Unterschied der EPIX zu anderen GPS Uhren und Fitness Trackern ist, dass hier nicht nur der Weg als Pfad speicher-, aufruf- und navigierbar ist, sondern wie bei einem richtigen GPS-Gerät auch Karten aufgespielt und angezeigt werden können. Das Gerät funktioniert also wirklich wie ein großes GPS, wenn auch die Genauigkeit teilweise nicht so ganz mit den großen Geräten mithalten kann.

Technische Daten

  • 1,4 Zoll hochauflösendes Chroma Farb-Touchscreen mit Kartendarstellung, Vorinstallierte Freizeitkarte von Europa
  • EXO™-Edelstahlantenne mit GPS-/GLONASS-Empfänger
  • 8 GB interner Speicher für zusätzliche Inhalte wie Karten
  • Höhenmesser, Barometer und 3-Achsen-Kompass mit Auto-Kalibrierung
  • Multisportfunktionen für Schwimmen, Laufen, Radfahren, Skifahren, Indoor Training u.v.m.
  • Smartphone Benachrichtigungen zum Anzeigen von Email, SMS und Anrufe direkt auf der Uhr
  • Kompatibel mit Connect IQ™ für individuelle Apps, Widgets und Datenfelder
  • Barometer: Dient als Hilfe beim Beobachten und Vorhersagen von Wetteränderungen. Dazu werden kurzfristige Änderungen des barometrischen Luftdrucks angezeigt
  • Tracknavigation: Navigationshilfe für geladene oder gespeicherte Tracks.
  • Die Kombination mit Brustgurt und ANT+-Sensoren wie z.B. am Fahrrad ist auch möglich, wurde von uns aber nicht getestet.

Die ganze Liste gibt es hier auf der Garmin-Produktseite.

Was kostet der Spass?

Mit 499€ ist die Uhr kein günstiger Spass, rechnet man den Preis eines gängigen GPS-Geräts und einer Smartwatch/GPS-Uhr /eines Fitness-Trackers wie der Garmin Fenix zusammen, ist der Preis nicht mehr übertrieben. Zu kaufen gibt es die GPS Uhr sowohl im Garmin Online-Shop, bei amazon.de* für 399€ und bei bergzeit.de* für 449€.

Fazit

Das leichteste und praktischste GPS-Gerät das ich bisher gesehen habe. Die Bedienung mit dem Touchscreen funktioniert im Großen und Ganzen gut (außer es regnet ;-( und der kleine Display ist erstaunlich gut lesbar. Wer auf der Suche nach einer Smartwatch ist, die auch als vernünftiges GPS und digitale Landkarte taugt, ist hier richtig.

Die Uhr wurde uns von Garmin zum Test bereitgestellt.
Unser Testurteil hat das nicht beeinflusst.
* Affiliate Links

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)