Kleinod im Gschnitztal: Das Padasterjochhaus

Zum Glück gibt’s gemütliche Hütten wie das Padasterjochhaus im Tiroler Gschnitztal.

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…denn wir sitzen fest. Draussen regnet es und dicke Regentropfen fallen auf das Hüttendach und prasseln gegen die Fensterscheiben. Zeit zu warten, doch das fällt uns heute nicht schwer.

Padasterjochhaus: Gemütliches Schutzhaus im Gschnitztal

Nach dem Aufstieg bei hochsommerlichen Temperaturen am Tag zuvor, hat es gestern vor dem Gewitter gerade noch für ein Bier auf der Hüttenterrasse gereicht. Danach war die geniale Aussicht auf die umliegenden Berge des Gschnitz- und Wipptals, auf Ortler, Tribulaun und die Dolomiten samt Marmolada im Hintergrund leider in dicken Gewitterwolken verschwunden. 

Das Hüttenwirtspärchen Agi und Paul heißt uns derweil in der Hüttenstube willkommen und versorgen uns mit großen Portionen warmer Hüttenspeisen (Kaspressknödelsuppe, Schinkennudeln und ein super leckerer Kaiserschmarrn), Schorle, Radler und Bier. 

Das Padasterjochhaus (2.232 m): Das älteste Naturfreundehaus Österreichs

Das Padasterjochhaus befindet sich im Gschnitztal auf einer Höhe von 2.232 m und ist Ausgangspunkt für größere Bergtouren auf das Kirchdach, die Peilspitze, die Hammerspitze oder Wasenwand. Erbaut wurde das Padasterjochhaus 1907 von der Wiener Sektion der Naturfreunde und steht nun schon über 110 Jahre im Angesicht der Zillertaler Alpen, der Tuxer Voralpen, der Tribulaune und Dolomiten. Es ist somit das älteste Naturfreundehaus Österreichs.

Viel zu tun ist für das Hüttenwirtspaar heute nicht: Nur wenige Tagesgäste und auch nur fünf Übernachtungsgäste haben sich an diesem Julitag auf der Hütte der Naturfreunde eingefunden. „Am Wochenende sei schon mehr los, vor Aufgrund zahlreicher einheimischer Tagesgäste“, klärt uns Hüttenwirt Paul auf. „Von Überfüllung wie in so manchem Nachbartal ist im Gschnitztal aber nichts zu fühlen.“

Das Gschnitztal: Bergsteigerdorf und unterschätzte Wanderdestination

Das Geschnitztal ist ein Teil des Wipptals. Die meisten brausen hier jedoch mit Staunen ob der hohen umliegenden Gipfel auf der Brennerautobahn in Richtung Süden vorbei – ohne zu erkennen, welches Kleinod hier nur wenige Kilometer von der nächsten Autobahnausfahrt wartet. Zu verlockend die Dolomiten, der Gardasee oder die Adria. 

Auf dem Weg zur Kesselspitze, Bild: Andreas Gruhle, Gipfefieber.com

Eine Region, die wir seit Anfang des Jahres immer mehr kennen und lieben gelernt haben: Für den Prüfungskurs der DAV Zusatzqualifikation Schneeschuhbergsteigen waren wir Ende März ein Tal weiter unterwegs. Im Obernbergtal hatten wir Niedererberg und Fradersteler und auch den Grubenkopf oberhalb des Obernberger Sees bestiegen. Traumhafte Gipfel an der Grenze nach Südtirol.

Fakten zum Bergsteigerdorf „Gschnitztal“

Das kleine, von den hohen Bergen der Stubaier Alpen eingebettete Bergdorf Gschnitz (1.242 m) am Ende des gleichnamigen Gschnitztals  zählt seit 2019 gemeinsam mit der Nachbargemeinde Trins als “Gschnitztal”  zum exklusiven Kreis der Österreichischen Bergsteigerdörfer.

Ob ein gemütlicher Spaziergang, eine Hüttenwanderung oder in luftigen Höhen zu den mächtigen Berggipfeln –hier inmitten der Landschaftsschutzgebiete „Serles – Habicht – Zuckerhütl“ sowie  „Nößlachjoch – Obernberger See – Tribulaune“ ist mit Sicherheit für jeden das Passende dabei!

Die Bergsteigerdörfer setzen sich ganz bewusst für die Umsetzung der Protokolle der Alpenkonvention ein, die zwischen den 8 Alpenstaaten und der Europäischen Union zur nachhaltigen Entwicklung und zum Schutz der Alpen abgeschlossen wurde.

  • Ortschaften: Trins (1.233 m), Gschnitz (1.242 m)
  • Gebirgsgruppe: Stubaier Alpen
  • Wichtigste Gipfel: Blaser (2.241 m), Gargglerin (2.470 m), Glättespitze (3.133 m), Goldkappl (2.788 m), Gschnitzer Tribulaun (2.946 m), Habicht (3.277 m), Hammerspitze (2.634 m), Innere Wetterspitze (3.053 m), Ilmspitze (2.692 m), Kalkwand (2.564 m), Kesselspitze (2.728 m), Kirchdachspitze (2.840 m), Leitner Berg (2.309 m), Muttenkopf (2.638 m), Östl. Feuerstein (3.268 m), Pflerscher Tribulaun (3.096 m), Rötenspitze (2.481 m), Schneespitze (3.147 m), Weißwandspitze (3.016 m), Wetterspitze (3.053 m).
  • Übernachten in Bergsteigerdorf-Partnerbetrieben
  • Links:
    Offizielle Website Bergsteigerdörfer
    Tourismusverband Wipptal

Der Regen lässt nach und wir machen und auf die Suche nach einem geeigneten Gipfel. Passende Tourenziele gibt es um die Hütte genug (siehe weiter unten). Und auch für Mehrtagestouren wie z. B. die Gschnitztaler Rundtour bietet sich die Region an. 

Das Padasterjochhaus, Bild: Andreas Gruhle, Gipfefieber.com

Der Regen hat zum Glück nachgelassen, die Wolken verziehen sich langsam und wir machen uns auf den Weg. Vom Padasterjochhaus auf 2.232 Metern Seehöhe  geht es zuerst über das Foppmandel über den Grat in Richtung Kesselspitze. Beim Abstieg wollen wir noch eine kleine Einkehr auf dem Hütte einlegen bevor es zurück ins Tal geht. 

Zuerst aber heißt es Abschied nehmen von der Hütte und von Paul und Agi, die uns heute so nett und zuvorkommend versorgt haben. Danke!

Am Gipfel des Foppmandl, Bild: Andreas Gruhle, Gipfefieber.com

Tourenmöglichkeiten um das Padasterjochhaus

Kaipara GreenTrail Kesselspitze (2.728m)

Gehzeit ca. ab der Hütte zum Gipfel 2h, gesamte Runde 7h –  Bergtour
Eigentlich sogar etwas höher als der Nachbargipfel Serles, doch zum Glück nicht so bekannt ist die Kesselspitze. Von der Hütte folgt man zunächst dem Weg Richtung Wasenwand. Dahinter befinden sich kurzfristig einige ausgesetzte Wegstellen beim Abstieg unterhalb der Wasenwand bei denen Trittsicherheit erforderlich ist. Hat man diese überwunden geht es schon wieder bergauf Richtung „Roter Kopf“ mit interessanten Gesteinsfarben. Vor dem Gipfel kommt die Abzweigung links hinunter nach Neustift/Kampl über den sogenannten Kesselmahder. Von hier aus sind es noch rund 30 Minuten in Fels und Schrofen hinauf zum Gipfel. Die Kesselspitze bietet einen herrlichen Aussichtspunkt zwischen der Kirchdachspitze im Westen und der Serles im Osten.  Es bietet sich die Überschreitung mit Abstieg nach Trins oder eine Verlängerung über die Peilspitze bis zur Blase Hütte an.

Stoamandlweg – 3 Gipfel Rundtour

Gehzeit ca. 2,5h – Bergtour 
Direkt hinter der Hütte erhebt sich die Hammerspitze. Nach ca. 5min Gehzeit Richtung Padasterkogel führt der Weg rechts hinauf über bestens ausgetretene Serpentinen hinauf zur Hammerscharte. Von diesem Punkt führt ein relativ steiler Schotterweg zum Gipfel, der allerdings nur noch 250m entfernt ist. Zurück zur Scharte und nordwärts der Beschilderung „Stoanmandlweg“ folgen. Rechts (südlich) vom Kamm haltend hinüber auf die Wasenwand. Nach Süden abwärts und südwärts zum Foppmandl. Von dort abwärts zurück Padasterjochhaus.

Padasterkogel (2.301m)

Gehzeit ca. 20min – leichte Wanderung
Der Padasterkogel ist der Hausberg der Hütte und ein herrlicher Aussichtsberg.  So sieht man die Talsohle von Gschnitz ebenso wie das Antlitz der Tribulaune und der Schwarzen Wand.  Von der Hüttenterrasse sind es nur knapp 20 Minuten zum kleinen Gipfel. Im Winter auch eine schöne Ski- oder Schneeschuhtour, dann allerdings ohne Einkehrmöglichkeit (kein Winterraum am Padasterhochhaus).

Kirchdachspitze (2.840m)

Gehzeit ca. 2h – Bergtour mit mäßigen Schwierigkeiten
Die Kirchdachspitze thront sie zwischen Gschnitz- und Pinnistal und ist mit 2.840m nach dem Habicht der zweithöchste Gipfel im Serleskamm. Von der Hütte zunächst dem Steig Richtung Padasterkogel folgend, zweigt man nach ca. 10 Minuten nach rechts ab. Vorbei an einer alten Schäferhütte ist der Aufstieg überschaubar und einfach zu bewältigen. Im oberen Teil finden sich zahlreiche Seilsicherungen. Der Schlussteil führt über feste Steinplatten bis zum Gipfel. Ein gewisses Maß an Bergerfahrung und eine hohe Trittsicherheit sind hier erforderlich.

Über die Kesselspitze zur Serles (2.717m)

Gehzeit ca. 5-6h – anspruchsvolle Bergtour
Unter Bergsteigern wird die Serles die “Königin Tirols” genannt. Zurecht, thront sie doch majestätisch am Eingang des Stubaitals und ist bis weit hinunter Richtung Unterland immer noch ein wahrer Blickfang. Meistens benützt man die Wege von Waldrast und Wildeben zum Gipfel. Der Weg vom Padasterjochhaus ist aufgrund seiner Dauer sicherlich der am wenigsten beschrittene. Verbindet man die Tour allerdings mit einer Übernachtung auf dem Padasterjochhaus, hat man am nächsten Tag den Vorteil die meisten Höhenmeter bereits überwunden zu haben und kann so eine vom Ausblick her wundervolle Tour genießen. Man folgt von der Hütte aus dem Weg zur Kesselspitze. Von dort geht es weiter zum Kalbenjoch, von dem man auch über die Peilspitze zur Blaserhütte gelangt. Nach dem Kalbenjoch (auch Trinserjoch genannt) kreuz man dann relativ schnell die Wege von Waldrast und Wildeben.

Anspruchsvolle Bergtour: Der Jubiläumssteig

Gehzeit ca. 5-7 Std. – mit erheblichen Schwierigkeiten
Der Jubiläumssteig ist ein ausgesetzt verlaufender, stetig ansteigender bzw. abfallender Bergweg und verbindet die Karalm sowie die Innsbrucker Hütte mit dem Padasterjochhaus. Man steigt zunächst Richtung Gipfel der Kirchdachspitze auf. Genau am Einstieg zum letzten Stück des Kirchdachs befindet sich der Beginn des Jubiläumssteigs. Im Gegenzug für seine Anstrengungen wird man aber auch mit einem tollen Bergerlebnis mitten im Massiv der so mächtigen Kirchdachspitze belohnt. Achtung: Es handelt sich beim Jubiläumssteig um eine schwierige sowie auch teilweise ausgesetzt verlaufende Bergtour (in beiden Richtungen). Grundvoraussetzung: Schwindelfreiheit und Trittsicherheit 

Gschnitztaler 4-Gipfelrundtour (3 Tagesetappen)

Gehzeit ca. 14h – Bergtour (Rundtour)
Gipfelrundtour in einem wunderschönen Teil der Stubaier Alpen mit zahlreichen Höhepunkte. Die 4-Gipfelrundtour führt von Trins auf den Blaser und zur Blaserhütte. Am zweiten Tag über die Peilspitze und dem Kalbenjoch auf die Kesselspitze mit Abstieg zum Padasterjochhaus. Am dritten Tag Aufstieg über den Silbersattel auf die Kirchdachspitze und über das Padasterjochhaus zurück nach Trins. Bei dieser Runde ist absolute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderlich.

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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