Schildenstein: Winterwanderung zwischen Tegernsee und Achensee

Der Schildenstein ist ein Klassiker der Bergtouren in den Münchner Hausbergen. Im Sommer über die Wolfsschlucht oder wie hier im Winter über die Königsalm. Und auch im Winter führt eigentlich immer eine Wegspur hinauf zur genialen Aussicht über Tegernsee und Achensee.

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Ein winterliches Traumtagerl am Schildenstein

Der Parkplatz Klamm in Kreuth ist im Sommer normalerweise ein Ort, an dem man früh da sein muss, wenn man überhaupt noch irgendwo sein Auto zwischen die anderen quetschen will. Jetzt, im Winter wenn der Schnee für die Loipen im Tal fehlt, sieht das Ganze allerdings völlig anders aus: Eisplatte statt Parkchaos. Und wir sind das einzige Auto weit und breit. Das Thermometer zeigt –5 Grad.

Während unten im Alpenvorland pünktlich zu Weihnachten schon wieder das Gras durchkommt, stapelt sich hier der Schnee. Manchmal muss man gar nicht weit fahren, um doch noch Winter zu finden.

Rodelbahn mit Weltmeisterschafts-Vergangenheit

Der Weg zum Schildenstein ist schnell gefunden. Zuerst geht es entlang der Rodelbahn des Rodelclubs bergauf. Hier fanden tatsächlich 1984 die Weltmeisterschaften im Rennrodeln statt. Wenn man sich das heute anschaut, fragt man sich allerdings kurz, wie das funktioniert haben soll.

Eisige Passagen wechseln sich mit schlottrigem Schneematsch ab. Also genau die Mischung, bei der man weder gut rodeln noch besonders elegant gehen kann. Rodelspaß sieht jedenfalls anders aus.

Auch unsere Schneeschuhe bleiben heute reine Dekoration am Rucksack. Wir haben sie zwar brav mitgenommen – gebraucht werden sie aber kein einziges Mal. Die Spur ist durchgehend gut ausgetreten, der letzte Schneefall liegt schon ein paar Tage zurück.

Schildenstein: Winterwald statt Nebelsuppe

So stapfen wir gemütlich durch den Wald bergauf. Und der zeigt sich heute von seiner besten Seite: verschneite Äste, knirschender Schnee unter den Schuhen und langsam durchbrechende Sonnenstrahlen. Dabei hatten wir eigentlich schon mit Nebel gerechnet. Bis zum Tegernsee lag die Landschaft nämlich noch komplett unter einer dicken grauen Decke. Erst kurz vor Kreuth hat sich der Nebel plötzlich verabschiedet. Perfektes Timing.

Die Sonne versteckt sich zwar noch ein bisschen hinter dem Schildenstein, aber der Winterwald leuchtet trotzdem schon ziemlich freundlich.

Ab der Königsalm wird’s am Schildenstein alpin

An der Königsalm vorbei wird das Gelände langsam ernster. Erst zieht sich der Weg über einen breiten Hang, später wird der Pfad schmaler und teilweise auch ordentlich vereist. Unterhalb der Graseckwand geht es dann in Richtung Scharte zwischen Schildenstein und Platteneck.

Mit rund einem halben Meter Schnee fühlt man sich endgültig mitten im Winter angekommen. Die Bäume tragen dicke Schneemützen und die Landschaft wirkt ein bisschen wie aus einer Weihnachtskarte.

Von der Scharte aus wartet noch der letzte kurze, aber steile Anstieg zum Gipfel. Genau in diesem Moment entscheidet sich auch die Sonne, endlich komplett aufzutauchen. Sehr aufmerksam von ihr.

Ganz oben am Schildenstein: Postkarten-Panorama

Oben angekommen gibt es dann das volle Programm. Vor uns zieht sich die Blaubergschneid bis zur Halserspitze. Tief unter uns liegt die Wolfsschlucht – im Winter eher etwas für Leute mit sehr viel Motivation (oder sehr schlechten Ideen). Im Sommer macht sie allerdings durchaus Spaß.

Das Alpenvorland liegt komplett unter einem dichten Nebelteppich. Wir schauen also quasi auf ein riesiges Wattemeer hinaus. Und hinter uns steht das Karwendel – mit seinen unzähligen markanten Gipfeln, wie immer ziemlich beeindruckend. Kurz gesagt: Ein Traumtagerl.

Oberhalb des Tegernsees: Der Alltag bleibt im Nebel

Wir bleiben eine ganze Weile oben sitzen, obwohl es eigentlich ziemlich kalt ist. Aber manchmal gibt es Tage, da passt einfach alles: Schnee, Sonne, Aussicht und erstaunlich wenig Menschen. Der ganze Stress bleibt irgendwo unten unter der Nebeldecke hängen. Die Gedanken werden langsamer, die Schritte gemütlicher und der Moment ein bisschen länger. Nicht die schlechteste Art, seinen Tag zu verbringen.

Schildenstein über Königsalm: Alle Infos zur Tour

Wanderung, mittelschwer

12,2 km, 4,5 Stunden, 800 Höhenmeter Auf- und Abstieg, höchster Punkt 1.600 Höhenmeter, Tiefster Punkte: 826m

Karte und GPS-Track zum Download

Von Kreuth-Klamm auf den Schildenstein

Vom Parkplatz über die Brücke und dann rechts zur Rodelbahn. An der Rodelbahn entlang aufsteigen und weiter zur Königsalm.

An der Königsalm vorbei und nach dem Bach weiter der Beschilderung Schildenstein in östlicher Richtung in den Bergwald folgen. Jetzt entlang des Bergpfades unterhalb der Graseckeand bis zur Scharte zwischen Schildenstein und Platteneck aufsteigen. Weiter dem Pfad in Richtung Blaubergschneid folgen und nach wenigen hundert Metern links in Richtung Gipfel abbiegen. Jetzt die letzten 70 Höhenmeter im ausgesetzten alpinen Gelände hinauf zum Gipfel.

Rückweg auf dem Aufstiegsweg.

Anfahrt & Parken

Über München auf der Autobahn A8 nach Holzkirchen und weiter an den Tegenersee und Kreuth. Parken am Parkplatz Kreuth-Klamm (kostenpflichtig).

Anfahrt mit Bus & Bahn

Mit der RB57 von München über Holzkirchen nach Tegernsee. Weiter mit dem Bus bis zur Haltestelle Kreuth (Klamm). Mittlerweile ist die Bahnstrecke ab München komplett mit dem MVV-Ticket zu erreichen.

Einkehr

Im Winter: keine.
Im Sommer: Königsalm.

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)

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