Überschreitung der Großen Klammspitze

Spannende und lange Grattour in den Ammergauer Alpen: Klammspitzgrat und Große Klammspitze. Einkehr in der Brunnenkopfhäusern [19km, 1250hm, 6,5 Stunden]

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Während die meisten über die Brunnenkopfhäuser den Weg auf die Große Klammspitze finden, startet der Aufstieg vom Graswangtal über das Sägertal und den Bäckenalmsattel gemächlich und in stetiger, nicht allzu steiler Steigung.

Über den Feigenkopf und den Klammspitzgrat hat man das Ziel schon lange im Blick und nähert sich spannend entlang des Grats. Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und alpine Erfahrung für die eine oder andere Kletterstelle nötig! Abstieg dann hinunter zu den Brunnenkopfhäusern und auf dem Fahrweg hinab nach Linderhof. 

Durch das Sägertal zum Bäckenalmsattel

Gerade im Herbst ist die Wanderung durch das Sägertal ein genialer Einstieg: Der bunt-leuchtende Bergwald und vor allem die genialen Berg-Ahornbäume, dann oberhalb die warm-leuchtenden Felsabbrüche des Feigenkopf stechen angenehm ins Auge und lassen die sechs Kilometer hinauf bis zum Bäckenalmsattel schnell vergehen.

Blick zurück ins Sägertal, links gehts hinauf zur Klammspitze

Zu den Gämsen am Feigenkopf

Am Bäckenalmsattel geht es geradeaus zur einladenden Kenzenhütte, wir aber starten hier ins steile Gelände: Rund 200 Höhenmeter geht es jetzt steile hinauf, bevor man das Hochplateau unterhalb des Feigenkopfs erreicht.

Hier überraschen uns 20 Gämsen. Die schauen jedoch genauso verdutzt wie wir und lassen sich beim Grasen nicht stören.

Am Feigenkopf genießen wir die Aussicht hinunter zum Forggensee, hinüber ins Allgäu, auf die Zugspitze hinter dem Kramer – und leider auch den herannahenden Regen. Zum Glück nur ein paar kleine Regentropfen, bevor die Sonne wieder herauskommt.

Vom Feigenkopf zum Klammspitzgrat

Nun geht es rund 100 Höhenmeter bergab bevor der Aufstieg entlang des Klammspitzgrats letztendlich an der Großen Klammspitze kulminiert.

Der Weg wird immer steinige und je näher man sich der Großen Klammspitze nähert, desto mehr kleine Kletter- und Kraxelstellen warten auf uns. Teilweise auch recht ausgesetzt, aber für uns immer in der Wohlfühlzone. Der Watzmann ist ja noch in guter Erinnerung. Bei nassen Verhältnissen, Regen und Gewitter sollte man hier allerdings hier kein Risiko eingehen.

Gipfelglück und Aussicht an der Großen Klammspitz

Entlang des Grats bieten sich einige schöne Tiefblicke in die nördlichen Felsabbrüche des Klammspitzgrats.

In stetem Auf- und Ab geht es entlang des nun felsigen Grats. Noch das eine oder andere auch mal seilversicherte Stück wartet auf den letzten 500 Metern auf uns, bevor wir endlich den letzten felsigen Aufschwung hinauf zum Gipfelkreuz hinter uns gebracht haben.

Nur mit zwei anderen Bergsteigern müssen wir uns heute den Gipfel teilen. Die Wahl des Tourentags – ein Freitag Mitte Oktober – hat sich gelohnt.

Wie genießen die heute leider betrübte Aussicht, einige umliegende Berggesellen können wir trotzdem erkennen: Links das Karwendel, Hennekopf, Teufelstättkopf und Pürschling, vor uns die Kramerspitz und dahinter Zugspitze und das Wetterstein, rechts der Ausblick auf den Rest der Ammergauer mit Krähe und Hochplatte, Säuling und dahinter die ersten Allgäuer wie z.B. der Aggenstein. Der Rest verschwindet heute leider ihn den Wolken…

Obligatorische Einkehr: Die Brunnenkopfhäuser

Der Abstieg zu den Brunnenkopfhäusern, der von den meisten auch als Anstieg genutzt wird, fordert nochmal mit der einen oder anderen Kraxelstelle und ist an zwei, drei Stellen auch noch mit Stahlseilen garniert, die beim Abstieg helfen.

Kurz vor der Einkehr liegen aber nochmal ein paar Meter Gegenanstieg, bevor wir es uns bei einem Käsekuchen und einem Radler in der kleinen Gaststube der urigen Hütte gemütlich machen. Vor ein paar Jahren waren wir hier schon einmal und haben den Regen ausgesessen.

Abstieg nach Linderhof

Der Abstieg nach Schloß Linderhof stellt dann keine Schwierigkeit mehr dar: Rund 650 Höhenmeter verlieren wir auf dem geschotterten Fahrweg hinunter bevor wir am Schloß wieder der Zivilisation anheim fallen. Noch rund 2 Kilometer im Flachen trennen uns vom Auto, das wir am Parkplatz Sägertal abgestellt haben, die sind aber auch in rund 30 Minuten erlaufen.

Information

Allgemein

19km, 1250hm, 6,5 Stunden

Route

Parkplatz Sägertal – Bäckenalmsattel – Feigenkopf – Klammspitzgrat – Große Klammspitze – Brunnenkopfhäuser – Linderhof – Parkplatz Sägertal

Karte

Anfahrt

Von München über die A95 in Richtung Garmisch, am Autobahnende in Eschenlohe in Richtung Ettal/Oberammergau. Von Ettal nach Graswang und vorbei an Schloß Linderhof zum kostenlosen Parkplatz am Eingang des Sägertals.

Alternativ Start am Schloß Linderhof (kostenpflichtige Parkmöglichkeiten).

Anfahrt mit dem ÖPNV:

Mit der Bahn nach Oberammergau) und mit dem Bus 9622 nach Linderhof.

Einkehr

Brunnenkopfhäuser, Schloß Linderhof, weitere Gaststätten in Graswang, Ettal oder Oberammergau

Übernachtung

Brunnenkopfhäuser, Gasthäuser und Hotels aller Preisklassen in Graswang, Ettal oder Oberammergau. Wohnmobilstellplätze und Campingplätze in Oberammergau oder am Plansee (Österreich).

Fernwandern

Die Tour kann in eine Begehung des E4 eingebunden werden (zwischen Kenzenhütte und Brunnenkopfhäusern oder Pürschlinghaus) oder als Teil einer 4-tägigen Durchquerung der Ammergauer Alpen von Schloß Neuschwanstein nach Oberammergau. Die Durchquerung der Ammergauer Alpen ist beim mehreren Bergschulen auch als geführte Tour im Angebot.

Alternative Richtung

Die Tour kann auch in der alternativen Richtung begangen werden. Dann ist auch eine Entzerrung mit Übernachtung möglich: Am ersten Tag Aufstieg von Schloß Linderhof zu den Brunnenkopfhäusern und am zweiten Tag Überschreitung der Großen Klammspitze zum Feigenkopf und Abstieg durch das Sägertal zurück nach Linderhof.

Verlängerungsmöglichkeiten

Mit einer Übernachtung lässt sich die Tour auch gut über den Grat zum Teufelsstättkopf und zum Pürschlinghaus oder über den Sonnenberggrat vom Pürschling sogar bis zum Zahn oberhalb von Oberammergau verlängern. Dann empfiehlt sich eine Anreise mit dem ÖPNV nach Linderhof.

Kulturelle Abstecher: Linderhof und Kloster Ettal

Wer noch Lust auf etwas Kultur hat, dem sei der Besuch von Schloß Linderhof und Kloster Ettal. Während ersteres den schöpferischen Wahnsinn König Ludwigs preist, wird man in zweiter von barockem Übermut erschlagen. Beides ist aber durchaus sehenswert ;-)

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)