Die Zugspitze: Sechs Wege auf Deutschlands höchsten Berg

Wir stellen auch die verschiedenen Routen mit Anforderungen und den Stützpunkten unterwegs vor: Für Wanderer Reintal und Gatterl, für Alpinisten das Höllental, für Kletterer Jubiläumsgrat und Eisenzeit.

Veröffentlicht am
Bild: tom_kolossa, istockphoto.com

Deutschlands höchster Berg ist ein beliebtes Ziel für Wanderer, Klettersteiggeher, Skifahrer und Ausflügler aller Art. Ob zu Fuß oder mit der Bahn, jährlich besuchen rund 500.000 Besucher den prominenten Gipfel im Wetterstein. Neben drei Bahnen gibt es auch sechs Wander- und Kletterrouten auf den Gipfel – von deutscher und österreichischer Seite. Wir stellen auch die verschiedenen Routen mit Anforderungen und den Stützpunkten unterwegs vor…

Achtung: Der Weg durch die Höllentalklamm ist ab Samstag, 29.08.2021 wieder begehbar! Auch die Partnachklamm ist wieder regulär in beide Richtungen begehbar!

Achtung: Die Zugspitze ist ob der Erschließung durch die Bahnen ein hochalpines Ziel und erfordert alpine Erfahrung und eine entsprechende Kondition für den Aufstieg. Falls ihr euch nicht sicher seid, schließt euch lieber einem Bergführer oder der Gruppe einer Bergschule vor Ort für die Tour an.

Werbung

Der lange Weg: Das Reintal

Für Wanderer

Der einfachste, aber längste Aufstieg auf die Zugspitze führt durch das Reintal. Die 2.300 Höhenmeter verteilen sich hier auf rund 21 leichte Wanderkilometer. Den Beginn macht die Partnachklamm und das Reintal bis zur Reintalangerhütte. Danach folgt eine einfach zu überwindende Steilstufe hinauf zur Knorrhütte am Zugspitzplatt, gefolgt von einem langen Aufstieg durch Schotter und Geröll der Morönenlandschaft bis zum „Sonnalpin“ mit der Bahnstation der Bayerischen Zugspitzbahn.

Mit weniger konditionsstarken Wanderern und Kindern kann man den letzten und schwierigsten Teil der Wanderung durch eine steile Schutt- und Schrofenflanke auch abkürzen und von der Bahn-Station „Sonnalpin“ mit der Bahn hinauf zum Gipfel fahren. Um die Tour auf zwei oder sogar drei Tage zu verteilen, bieten sich unterwegs die Reintalangerhütte und die Knorrhütte für die Übernachtung an.

  • Info: 2.300 Höhenmeter, 21km
  • Schwierigkeit: Einfachster Aufstieg zur Zugspitze, durchgängig Wanderwege, ausgesetzte Stellen am Gipfelgrat.
  • Anforderung: Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, Kondition
  • Start: Skistadion Garmisch-Partenkichen/Partnachklamm
  • Stützpunkte: Reintalangerhütte, Knorrhütte
  • Sehenswert: Partnachklamm, Zugspitzplatt
  • Ausrüstung: Bergwanderausrüstung, bei Übernachtung: Hüttenschlafsack

Von Österreichischer Seite:
Ehrwalder Alm und Gatterl

Für Wanderer

Von Ehrwald führt die Gatterlroute zuerst mit oder ohne Bahnunterstützung auf die Ehrwalder Alm und über den felsigen Durchschlupf des „Gatterl“ auf das Zugspitzplatt zur Knorrhütte. An der Hütte trifft man auf die Reintalroute und folgt dieser zum Gipfel. 

  • Info: 2.100 Höhenmeter, 14km 
  • Schwierigkeit: Einfaches Wandergelände, felsiges Gelände am „Gatterl“, ausgesetzte Stellen am Gipfelgrat.
  • Anforderung: Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, Kondition
  • Start: Talstation der Ehrwalder Almbahn (1108 m).
  • Stützpunkt: Knorrhütte
  • Sehenswert: Ehrwalder Am, Gatterl, Zugspitzplatt
  • Ausrüstung: Bergwanderausrüstung, Trekkingstöcke, bei Übernachtung: Hüttenschlafsack

Direttisima: Der Stopselzieher

Für erfahrene Alpinisten

Der kürzeste Aufstieg zum Gipfel führt vom Eibsee (950 m) oder von Ehrwald/Obermoos (1228 m) über das Österreichische Schneekar und die urige Wiener-Neustädter Hütte (2209 m) hinauf.

Durch das Tiroler Schneekar geht es zu einem einfachen Klettersteig, den „Stopselzieher“, zum Südwestgrat hinauf und über ihn zum Gipfel. Ein Klettersteigset ist für Ungeübte sinnvoll, ein Steinschlaghelm Pflicht!

  • Info: 2.015 Höhenmeter, 8km 
  • Schwierigkeit: Klettersteig A/B, evtl. Firnfelder
  • Anforderung: Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, Kondition
  • Start: Eibsee (950hm)
  • Stützpunkt: Wiener-Neustädter-Hütte
  • Sehenswert: Eibsee
  • Ausrüstung: Bergwanderausrüstung, evtl. Klettersteigset, Steinschlaghelm, bei Übernachtung: Hüttenschlafsack

Der Bekannteste: Das Höllental

Für erfahrene Alpinisten

Der Anstieg über das Höllental ist der beliebteste und abwechslungsreichste Anstieg auf die Zugspitze. Einer Mini-Hochtour mit Gletscher-Begehung und Klettersteigstellen. Nach der spekatulären Höllentalklamm trifft man auf die Höllentalangerhütte (1387 m),  in der die meisten Gipfel-Asprianten übernachten. Am zweiten Tag geht es vom Höllentalanger bis zum ersten Steilaufschwung an der „Leiter“.

Oberhalb davon quert man das „Brett“ mit Stahlstiften in einer Felswand. Über den „Grünen Buckel“ erreicht man den Höllentalferner. Für seine Überquerung sind Steigeisen nötig, in der Regel wird ohne Seil gegangen. Schwierigkeiten kann die Randkluft bereiten, da sich das Eis durch Abschmelzung immer weiter vom Fels entfernt. Nach ihr führt ein mittelschwerer Klettersteig auf den Gipfel.

  • Info: 2.205 Höhenmeter, 9km 
  • Schwierigkeit: Klettersteig B/C, Gletscherquerung über den Höllentalferner, Randkluft am Übergang zwischen Höllentalferner und Gipfelklettersteig, Kondition für 1.600 Höhenmeter ab der Höllentalangerhütte.
  • Start: Hammersbach (758hm)
  • Stützpunkt: Höllentalangerhüttee
  • Sehenswert: Höllentalklamm, Höllentalferner (einer der letzten verblieben deutschen Gletscher)
  • Ausrüstung: Hochtourenausrüstung, Klettersteigset, Gurt, Steinschlaghelm, Steigeisen, bei Übernachtung: Hüttenschlafsack

Schwer unterwegs: Der Jubiläumsgrat

Für Alpinisten und Kletterer

Eine der bekanntesten und längsten Gratrouten der Ostalpen ist der Jubiläumsgrat, der von der Zugspitze zur Alpsitze führt. Die Tour ist kein Klettersteig, es müssen viele unversicherte Passagen im II. bis III.Schwierigkeitsgrad bewältigt werden. Belohnt wird man dafür mit einmaligen Ausblicken in Richtung Höllental und Reintal und den Nachbarn Hochwanner – Deutschland zweithöchsten Berg.

  • Info: 2.015 Höhenmeter, 8km 
  • Schwierigkeit: Klettern bis zum dritten alpinen Grad in ausgesetztem, alpinen Gelände
  • Anforderung: Alpine Erfahrung, Schwindelfreiheit, Trittsicherheit, Kondition
  • Start: Zugspitze
  • Ziel: Alpspitze, alternativ Abstieg über das Höllental oder vorzeitig über Brunntalsteig zur Knorrhütte möglich.
  • Stützpunkt: Jubiläumsgrathütterl (unbewirtschaftete Biwakschachtel für Notfälle!)
  • Ausrüstung: Ausrüstung für alpines Klettern, Klettersteigset, Gurt, Seil, Steinschlaghelm, evtl. Steigeisen, Brotzeit und ausreichend Getränke (keine Quelle auf der Tour!!!)

Kraxelei auf den Spuren alter Tunnelbauer: Eisenzeit

Für Kletterer

Der schwerste Aufstieg auf die Zugspitze führt auf den Spuren der Tunnelbauer spekatulär durch die Nordwand. Im unteren Teil folgt man dem historischen Tunnelbauersteig und klettert an maroden Leitern, Stahlseilresten und ausgesetzten, in den Fels gehauenen Steigpassagen bis zum Tunnelfenster IV.

Ab dort beginnt dann die richtige Kletterei bis zum vierten alpinen Grad. Man folgt nun der geschickt gewählten Linie hinauf bis in die Scharte auf dem Nordostgrat. Das Ende der Tour ist eine kurze Abseilfahrt zum Höllentalklettersteig, dem man dann noch ca. 300 Hm bis zum höchsten Punkt Deutschlands folgt.

  • Info: 1.200 Höhenmeter, 5-6h
  • Schwierigkeit: Klettern bis zum vierten alpinen Grad in ausgesetztem, alpinen Gelände
  • Start: Station Riffelriss der Zugspitz-Zahnradbahn (1.650hm)
  • Stützpunkt: Keiner
  • Sehenswert: Eibsee, Aussicht ins Voralpenland, Spuren der Tunnelbauer
  • Ausrüstung: Alpine Kletter-Ausrüstung, 1 x 50 m Einfachseil, 6 Expressschlingen, ein paar Bandschlingen und Helm. 

Bergab: Mit der Bahn oder…

Die meisten bevorzugen berechtigterweise die Bahn für den Abstieg. Also entweder mit der Bayrischen Zugspitzbahn (Talfahrt 36€), mit der Zahnradbahn ab der Station „Sonnalpin“ oder mit der Tiroler Zugspitzbahn hinunter nach Ehrwald (Talfahrt 32€).

Für eine Überschreitung bietet sich z.B. die Kombination des Aufstiegs über das Höllental und einen Abstieg über den Stopselzieher und die Wiener Neustädter Hütte an. Eine andere Möglichkeit wäre der lange Abstieg über Knorrhütte und Reintal.

Einen Abstieg über die Höllentalroute würden wir aufgrund des langen Klettersteigs und des vielen Gegenverkehrs nicht empfehlen.

Die beste Zeit

Am Wochenende, sowie in den Monaten Juli und August kann man eigentlich immer davon ausgehen, dass die Hütten rund um die Zugspitze gut gebucht und die Wege dementsprechend voll sind. Für eine Zugspitztour nimmt man sich am besten unter der Woche Zeit. Gerade bei der Höllental-Tour macht sich ein früher Start an der Hütte bezahlt, wer gegen 5:30 Uhr an der Hütte startet, hat normalerweise einen staufreien Aufstieg vor sich!

Ihr möchtet einfach mit der Bahn auf die Zugspitze fahren? Gerade für die Münchner empfiehlt sich hier eine Anreise mit der Bahn nach Garmisch und dann weiter mit der Zahnradbahn zum „Sonnalpin“. Von hier entweder zu Fuß oder mit der Bahn zum Gipfel. Zurück zum Eibsee dann mit den Gondeln der neu erbauten Zugspitzbahn.

Hierfür gibt es das Garmischer Sommer-Ticket, das euch für 70€ (Kinder 6-14 Jahre 11€) von München nach Garmisch und auf die Zugspitze bringt.

Das Einzelticket für Berg- und Talfahrt kostet regulär 61€, Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren bezahlen 41€, Kinder zwischen 6 und 15 Jahren 32€. Familien mit Kindern erhalten ermäßigte Preise (z.B. 2 Erwachsene + 2 Kinder = 144€).

Das Parken an der Zugspitzbahn kostet € 17,00 für 4 Stunden (€ 10,00 Rabatt für Bergbahngäste), danach € 1,00/Stunde.

Ähnliche Beiträge:

Werbung

Von Thomas

Schon von klein auf viel in den Bergen unterwegs sind Wandern, Skitouren, Schneeschuhwanderungen und alles rund um die Berge meine Hobbies. Vater von zwei nicht mehr ganz so kleinen Bergfexen und sozusagen der „Chef“ von mehr-berge.de ;-)